Reise auf der Sea Cloud : Alle Mann in die Wanten!

Auf der "Sea Cloud" erleben Passagiere Seglerromantik in der luxuriösen Variante. Doch vor dem 80. Geburtstag geht’s in die Werft.

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Mit der Winjammer-Lady können Segelfans zu verschiedenen Zielen reisen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Reinhart Bünger
05.11.2010 13:50Mit der Winjammer-Lady können Segelfans zu verschiedenen Zielen reisen.

Nichts regt sich. Der Erste Offizier Sergeij Komakin steht an Deck, die Besatzung der „Sea Cloud“ hält sich bereit. Nur einer fehlt – der Wind. Punkt 9 Uhr sollen die Segel gesetzt werden, hat der Kapitän angeordnet. Das muss der Wind überhört haben. Doch wer will schon auf einem der schönsten Viermaster mit den Dieselmaschinen tuckern? Also warten. Die Passagiere nehmen’s gelassen. Das wird schon noch.

Die Viermastbark ist die größte und vielleicht auch schönste private Segelyacht, die jemals gebaut wurde. Das Fünf-Sterne-Schiff, das heute mit zahlenden Gästen über die Weltmeere gleitet, ist größer als die vergleichbar elegante „Gorch Fock“, das als Bark getakelte Segelschulschiff der Bundesmarine, das 1958 gebaut wurde.

Nun ist die „Sea Cloud“ auf ihrer letzten Fahrt. Vorerst letzten, um genauer zu sein. Von der spanischen Küste aus geht es in Richtung Bremerhaven, wo sie planmäßig an diesem Wochenende in der Werft ankommen soll. Bei den Motorenwerken Bremerhaven (MWB) wird das 1931 als Privatyacht unter dem Namen „Hussar V“ in Kiel gebaute Schiff richtig fein gemacht und mit neuer Technik ausgerüstet. Schließlich steht im kommenden Jahr ein runder Geburtstag an, und der wird nach der Restaurierung auf dem Hamburger Hafenfest vom 6. bis 8. Mai groß gefeiert.
Die „Sea Cloud“ nimmt also die letzten Passagiere für dieses Jahr an Bord. Überwältigt von der historischen Patina allüberall beziehen sie auf dem Windjammer Quartier. Edle Hölzer, Marmorkamine und -bäder, vergoldete Wasserhähne in Schwanenform – der extravagante Stil der einstigen Eignerin, Kaufhauserbin Marjorie Merriweather Post, hat alle Stürme überstanden. Sämtliche 32 Kabinen der „Sea Cloud“ sind natürlich außenliegend, doch höchst individuell ausgestattet.

Sechs von ihnen – die ursprünglichen Gästekabinen – wurden wie die Eignerkabinen dem Originalvorbild getreu erhalten. Während Lady Marjories Gatte, Börsen-Tycoon Edward Hutton, in seiner ahorngetäfelten Suite einen etwas rustikaleren Stil pflegte, bevorzugte die Eignerin eine ausgesprochen feminine Ausstattung. Weiße Schleiflackmöbel, ein raumhoher geschliffener, reich verzierter Ankleidespiegel, Marmorkamin – die Hauptmerkmale der Kabine No. 1, die mit 38 Quadratmetern auch außergewöhnlich groß ausfällt.

Und das neun Quadratmeter messende Marmorbad mit einer antiken Frisierkommode lässt vollends vergessen, dass man hier auf einem Schiff ist. Um all dies zu erhalten und das Schiff weiterhin „von Hand“, also personalintensiv, segeln zu lassen, blieb dem heutigen Miteigner Hermann Ebel kaum eine andere Wahl, als das Schiff fest im obersten Luxussegment zu verankern. Das heißt: Wer die luxuriöse Art der Segelromantik erleben möchte, muss mit Tagespreisen bis 800 Euro rechnen. Doch schließlich steht hier maximal 64 Gästen eine 60-köpfige Crew gegenüber, deren Heuer bezahlt werden muss.
Wer auf diesem Schiff arbeiten möchte, muss hingegen zu Abstrichen in Bezug auf Komfort und Bezahlung bereit sein. Gleichwohl, Bewerbungen gibt es in ausreichender Zahl. Denn: Wer auf der „Sea Cloud“ gearbeitet hat, bekommt an Land immer wieder ein Bein auf die Erde.

Konzentration und Flexibilität - Über Manöverfahrten mit 54 Meter hohem Hauptmast lesen Sie auf Seite zwei.

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