Reise-Discounter : Jagd auf Superschnäppchen

"Last Minute" gibt es noch, doch riesige Rabatte sind nicht mehr die Regel.

Gerd W. Seidemann
Meer
Wasserratten aufgepasst! Sonderangebote locken. -Foto: dpa

Zwei Wochen Mallorca für unglaubliche 250 Euro inklusive Flug. Die Gerüchte um die Superschnäppchen an den Flughäfen verstummen nicht. Doch: Vergessen Sie es. Diese Preisschlacht am Flughafen ist von vorgestern, auch wenn manchmal noch große, krakelig von Hand geschriebene Schilder „Last-Minute-Reisen“ zu supergünstigen Preisen wie beim etwas unaufgeräumten Discounter vorgaukeln. Sybille Zeuch, Pressesprecherin des Deutschen Reise-Verbandes (DRV) sagt: „Die Auswahl bei Last-Minute-Reisen ist längst nicht so umfangreich wie etwa bei Frühbucherangeboten. Die Zeiten, in denen Reiseveranstalter große Kontingente für ,Last Minute‘ vorgehalten haben, sind vorbei.“

Nirgendwo steht übrigens geschrieben, dass „Last Minute“ besonders günstig sein muss, dass Katalogpreise pulverisiert werden und die Veranstalter mit schier unglaublichen Preisvorteilen geradezu darum betteln, gebucht zu werden. „Last Minute“ bedeutet heute nur: Auch Kurzentschlossene finden hier noch eine Reise, die einigermaßen ihren Vorstellungen entspricht. Und dazu ist der Termin vier bis spätestens zwei Wochen vor geplanter Abreise der günstigste, sagen Experten. Dann sind die Preise mal mehr, mal weniger, aber immerhin reduziert und die Auswahl noch ganz passabel.

Nichts und niemand garantiert, dass die Methode „heute buchen, morgen fliegen“ ganz besonders günstige Konditionen beinhaltet. Denn: Heute sind Flüge, zumal in der Hochsaison, ein knappes Gut und kaum ein Veranstalter kauft noch große Festkontingente bei Airlines ein. Das heißt, er muss auch nicht fürchten, auf bereits gekauften Flugsesseln sitzen zu bleiben beziehungsweise sie „um jeden Preis“ abgeben zu müssen. Das bleibt meist das Problem der Airlines, die in der Regel ja auch selbst die Sitze vermarkten. Den Hoteliers in den Feriengebieten sind von den Veranstaltern oft genug vertraglich Daumenschrauben so angelegt, dass nicht an den Urlauber gebrachte Betten das Risiko des Hotels bleiben.

Keine Frage, es gibt die Bloß-weg- hier-Mentalität und mit viel Glück auch die dazugehörige Billigreise. Aber sowohl das eine als auch das andere ist eher selten. Dass es die stark im Preis reduzierten Angebote auch in Zeiten von sogenannten Frühbuchervorteilen in allen nur erdenklichen Varianten noch gibt, ist unbestritten. Denn so scharf kann kein Veranstalter kalkulieren, dass nicht doch noch etwas von seiner verderblichen Ware wie Blei im Lager liegen bliebe. Das wird in höchster Not dann schon mal verramscht.

Wer das Schnäppchen in letzter Minute selbst finden möchte, hat viel Arbeit vor sich (siehe Kasten). Besser: Er geht in ein pfiffiges Reisebüro und vertraut sich dort den Profis an. Gewiss, nicht jedes Reisebüro nimmt sich die Zeit, den Wunsch nach einer „besonders kostengünstigen Reise“ zu erfüllen. Denn: Je kleiner der Preis, desto geringer die Provision für den Reisemittler. Doch soll es auch Reisebüros geben, die sich selbst bei derlei Wünschen ins Zeug legen, um einem dann zufriedenen Kunden später vielleicht mal eine lukrativere Reise mit höherer Provision verkaufen zu können.

Ganz abgesehen davon, dass Reiseveranstalter selbst natürlich am liebsten ihre jeweiligen Frühbuchermodelle herausstellen, haben sie zu Last Minute durchaus Empfehlungen. Rewe Touristik etwa, mit Pauschalreiseveranstaltern wie Jahn- Reisen, ITS und Tjaereborg, empfiehlt, die Reise „so kurzfristig wie möglich“ zu buchen. In der Regel aber ab sechs Wochen vor gewünschter Abreise. Bucher Reisen, der „Spezialist für kurzfristigen Urlaub“ in der Thomas Cook AG, empfiehlt: vier bis sechs Wochen vor Abreisetermin. Wer einen Tag vor Abreise buche, sei bei der Wahl des Reiseziels sehr stark eingeschränkt.

Wer übrigens eine Last-Minute-Reise vom Veranstalter gebucht hat, hat auch ein vollwertiges Reiseprodukt gekauft. Für den Kurzentschlossenen gelten die gleichen Rechte bei Service und eventuellen Ansprüchen wie für Katalogbucher. Unzumutbare Unterkünfte, verkorkste Flugverbindungen oder endlose Transfers muss niemand hinnehmen. Wie bei jeder Pauschalreise besteht auch hier der Anspruch auf einen „Sicherungsschein“, der den gezahlten Reisepreis gegen eine eventuelle Veranstalterpleite absichert.

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