Reise durch den Iran: Teil 1 : Im Spiegel der Mosaiken

Der Iran ist viereinhalbmal größer als Deutschland. Wüsten und gewaltige Gebirge prägen das Land, immer mehr Touristen wollen es entdecken. Die klassische Tour führt zu antiken Stätten, quirligen Basaren und uralten Moscheen. Und mitten in den Alltag. Eine Rundreise (1).

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Mit Akribie fürs kulturelle Erbe. Diese Restauratorin bemüht sich um Wandmalereien im Golestan-Palast von Teheran.
Mit Akribie fürs kulturelle Erbe. Diese Restauratorin bemüht sich um Wandmalereien im Golestan-Palast von Teheran.Foto: Jean-Michel Coureau/laif

Landung auf dem Imam Khomeini Airport von Teheran. Kaum hat das Flugzeug aufgesetzt, zupfen die weiblichen Passagiere emsig Tücher und Schals aus den Taschen und binden sie, mal mehr, mal weniger geschickt, um den Kopf. Wie hatte die Lufthansa-Stewardess kurz zuvor durchgesagt? „Bitte beachten Sie, dass im Iran besondere Kleidungsvorschriften herrschen. Frauen sind verpflichtet, ein Kopftuch zu tragen. Das gilt bereits beim Betreten des Flughafens.“

Die Frauen tun ihr Bestes. Fest verknoten wir die Tücher unterm Kinn. Hinter der Passkontrolle wartet Reiseleiterin Fariba, vielleicht vierzig und bildhübsch. „So fest müssen Sie’s nicht binden“, sagt sie lächelnd. „Wir sind hier im Iran, nicht in Saudi-Arabien.“ Es reiche, die Tücher locker über dem Kopf zu drapieren. Leichter gesagt als getan. So anmutig, wie es Fariba gelingt, werden wir es in den kommenden zwei Wochen jedenfalls nicht hinbekommen.

22 Uhr in der Zehn-Millionen-Stadt Teheran. Geordnet fließt der Verkehr auf der Autobahn in Richtung Zentrum. Bald erhebt sich rechterhand eine gigantische goldglänzende Kuppel, umgeben von vier ebenfalls goldfarbenen, himmelsstürmenden Minaretten. Lichter strahlen in Grün. Welch eine Moschee! „Das ist das Mausoleum von Khomeini“, korrigiert Fariba. Gleich nach dessen Tod 1989 habe man mit dem Bau begonnen, und wann er fertig werde, sei ungewiss. Ein riesiger Komplex mit Krankenhaus, Pilgerzentrum, islamischen Hochschulen und Einkaufszentren soll entstehen. Alles aus Spenden finanziert, heißt es.

Ein Land, dessen Kultur sich 3000 Jahre vor Christus zu entwickeln begann. So viel Geschichte! Wie taucht man da ein? Das Nationalmuseum bietet sich an. Dorthin zu gelangen, ist vertrackt. Was vier Räder hat, steht tagsüber meist im Stau. Zwar nutzen über eine Million Menschen täglich die U-und S-Bahnen, aber die Hälfte der Bewohner und die zahlreichen Pendler sind in Privatautos, Taxen und Bussen unterwegs. Fußgänger müssen mutig sein. Auf eine Lücke im Strom der Autos zu warten ist sinnlos. Fariba marschiert einfach los. „Zügig gehen und niemals stehen bleiben“, befiehlt sie. „Das irritiert unsere Autofahrer nur.“ Es funktioniert, doch ist man jedes Mal froh, den rettenden Bordstein zu erreichen.

Das Nationalmuseum ist beängstigend. Was haben sie darin alles versammelt! Keramikgefäße, Bronzen, Siegel, Münzen, Statuen, Stelen, Mosaiken ... Dabei ist nur ein Bruchteil aller Schätze ausgestellt. „Allein in Persepolis hat man 30 000 Tontafeln ausgegraben“, sagt Fariba und setzt hinzu: „Um die wertvollsten Funde zu sehen, müssen Sie allerdings in den Louvre nach Paris gehen.“ Von 522 bis 486 vor Christus lebte der Achämenidenkönig Darius. Er hatte Persepolis gegründet. Wie man ihm dort die Aufwartung machte, zeigt ein mehrere Meter langes Audienzrelief. Nacheinander präsentieren die Gesandten verschiedener Länder ihre Gaben. Ein beeindruckendes Kunstwerk. .

Prunk umgab die Mächtigen zu allen Zeiten. Im Nationalen Juwelenmuseum ist der mit tausenden Perlen bestickte Mantel zu bestaunen, in dem Schah Reza Pahlavi 1926 gekrönt wurde. Und was durfte sich Farah Diba, die Frau seines Sohnes aufsetzen? Anderthalb Kilo wiegt ihre Krone, 1545 Edelsteine blitzen darin. Hinter Panzerglas ruht auch der größte roséfarbene Diamant der Welt. 182 Karat soll er haben. Das erstaunlichste Objekt aber ist ein Globus aus über 50 000 Edelsteinen. Smaragde bilden das Meer, rubinfarben schimmert das Land, und der mittlere Osten glitzert in Diamanten.

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