Reise : Reise gebucht und verstorben – der Erbe zahlt

Es ist zum Verzweifeln. Markus L. aus Berlin-Zehlendorf hat nach dem plötzlichen Tod seines Vaters eine kleine Erbschaft gemacht – ein mittelprächtiger vierstelliger Betrag in bar – und zeitgleich davon erfahren, dass der Verstorbene für sich eine Reise nach Afrika gebucht hatte. Die Rechnung dafür flatterte dem Sohn nämlich auch auf den Tisch. Naja, ein Toter könne ja schlecht auf Reisen gehen, dachte sich Markus L., und wandte sich an das Reisebüro, in dem der Vater gebucht hatte. Dort wurde ihm beschieden, dass ein Vertrag zustande gekommen sei und man auf dessen Erfüllung bestehen müsse.

Bekanntlich werden weite und/oder teure Reisen in der Regel lange im Voraus gebucht. Doch was passiert, wenn der Todesfall eintritt wie beim Vater von Markus L.? Und wie betrifft es den oder die Erben? Grundsätzlich gilt: Der mit dem Reiseveranstalter abgeschlossene Vertrag gilt weiterhin, erklärt das Deutsche Forum für Erbrecht. Neuer Vertragspartner sei dann als Gesamtrechtsnachfolger der Erbe.

Ist die Reise noch nicht vollständig bezahlt, sei der Erbberechtigte verpflichtet, den noch ausstehenden Betrag zu begleichen. Dafür dürfe er dann allerdings auch die Reise antreten, erklären die Erbrechtsexperten. Denn das Reiserecht sehe ausdrücklich vor, dass die Person des Reisenden bis zum Reiseantritt noch wechseln kann. Der Veranstalter könne allerdings die dadurch entstehenden Mehrkosten vom neuen Vertragspartner verlangen. Betroffene sollten sich deshalb über die eventuell anfallenden Kosten rechtzeitig beim Reiseveranstalter beziehungsweise beim Reisemittler informieren.

Wenn der Erbe nicht verreisen kann oder will, habe er das Recht zum Reiserücktritt. In diesem Fall sei der Reiseanbieter jedoch berechtigt, Stornogebühren in Höhe von bis zu 50 Prozent des Reisepreises zu verlangen. Im Fall von Markus L. bedeutet das, er muss das Geld, das er vom verstorbenen Vater geerbt hat, zum ganz überwiegenden Teil an den Reiseveranstalter zahlen, weil er selbst nicht reisen kann. gws/dpa

Mehr zum Erbrecht im Internet:

www.erbrechtsforum.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben