Reisekataloge : Urlauber blättern gern

Warum Reisekataloge auf absehbare Zeit nicht verschwinden werden

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Nur nicht den Überblick verlieren. Reisekataloge haben eine riesige Auflage und kosten viel Geld. Dennoch schätzen es Kunden, etwas Verbindendes in der Hand zu halten. Foto: dpa/Andreas Thomas/Thomas Cook
Nur nicht den Überblick verlieren. Reisekataloge haben eine riesige Auflage und kosten viel Geld. Dennoch schätzen es Kunden,...Foto: dpa/Andreas Thomas/Thomas Cook

Reisen im Internet zu verkaufen, ist weiterhin schwieriger, als viele glauben. Die großen Veranstalter von Tui bis Thomas Cook machen den Großteil ihres Geschäfts längst noch nicht im Internet. DER Touristik Köln hat unlängst bei der Vorstellung der Winterkataloge angekündigt, sich von seinem Veranstalter Tjaereborg zu verabschieden, startet stattdessen einen neuen namens Travelix, bei dem die Preise aktuell kalkuliert werden. Einen Katalog wird es für die Marke nicht geben. Dabei schätzen nicht nur die Kunden das Blättern darin, sondern auch viele Reisebüromitarbeiter, sagt Tourismusexperte Torsten Kirstges aus Wilhelmshaven.

Ist der Reisekatalog vom Aussterben bedroht?
Nein, ich bleibe dabei, die Kataloge werden auch in den nächsten zehn Jahren nicht verschwinden. Es wird sicher einen Wandel geben, aber über einen langen Zeitraum hinweg. Ein drastisches Beispiel sind die Jugendreiseveranstalter: Selbst die drucken immer noch dicke Kataloge. Dabei ist das doch genau die Zielgruppe, die ständig im Internet unterwegs ist.

Wie schätzen Sie das ein, wenn große Reiseunternehmen mit einem Veranstalter ins Internet gehen?
Neben den Neugründungen im reinen Online-Geschäft kenne ich nur wenige größere Veranstalter, die den Schritt weg vom Katalog gewagt haben und damit erfolgreich waren. So wie Bucher Reisen. Der macht tatsächlich gar keine Kataloge mehr, hat aber auch sein Geschäftsmodell komplett verändert. Und es gibt ein paar andere, die das probiert haben und dann wieder zum Katalog zurückgekehrt sind. Sogar Tui wollte die Kataloge vor rund zwei Jahren kräftig abspecken und ist wieder zurückgerudert. Die meisten Großen bieten Online- und dynamische Varianten als sogenannte X- oder Indi-Marken zusätzlich zum Kataloggeschäft an.

Warum ist der Abschied vom Katalog so schwierig?
Nach meiner Erfahrung gibt es gleich zwei Interessenten für Papier: den Endkunden und das Reisebüro. Die Expedienten wollen etwas haben, das sie ihren Kunden mitgeben können. Mit einem Katalog hat man einfach etwas Verbindendes in der Hand. Und das schätzt der Kunde auch.

Torsten Kirstges (52) ist seit 1992 Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Tourismuswirtschaft an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Foto: dpa-tmn
Torsten Kirstges (52) ist seit 1992 Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Tourismuswirtschaft an der...Foto: dpa-tmn

Ist das nicht ein ziemlicher Aufwand?
Die Kataloge haben tatsächlich eine riesige Auflage. Allein bei der DER Touristik sind es etliche Millionen. Das kostet und verbraucht Ressourcen zulasten der Umwelt. Aber das machen die Veranstalter ja nicht zum Spaß. Wenn es ginge, würden sie sicher darauf verzichten.

Ändert sich da nicht mit der Zeit einiges?
Die Kunden gucken ja schon jetzt oft parallel ins Internet und in den Katalog. Nur ein kleiner Teil nutzt ausschließlich Kataloge. Und der Anteil der Kunden, die online buchen, steigt. Aber er liegt bei großen Veranstaltern zum Teil noch im einstelligen Bereich, auch bei Tui unter 20 Prozent.

Was haben Veranstalter davon, keine Kataloge mehr zu drucken?
Von der finanziellen Seite her ist das natürlich wesentlich günstiger. Man spart die Druckkosten, die Kosten dafür, alle Kataloge in die Reisebüros zu bringen. Und natürlich sind gedruckte Kataloge einfach unflexibel, weil die Angaben darin schnell veralten.

Wie sieht der Reisekatalog der Zukunft aus?
Er wird sich inhaltlich verändern und mehr die Funktion einer Imagebroschüre bekommen. Man nutzt ihn dann als Appetitanreger für den Reisehunger und für die Grundinformationen etwa über Reiseziele und die Hotels. Dafür ist er auch ideal. Sich schneller verändernde Daten wie Preise ruft man eher online ab.

Das Interview führte Andreas Heimann.

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