Reisen im Alter : Kreuzfahrt statt Kururlaub

Die sogenannte Generation 60+ hat ihr Reiseverhalten gründlich geändert.

Julia Ruhnau
Kreuzfahrtziel Rügen, auch das gibt der Reisemarkt heute her.
Kreuzfahrtziel Rügen, auch das gibt der Reisemarkt heute her.Foto: Stefan Sauer, pa

Es gibt sie noch, die Gruppenfahrten in den Spreewald, Busreisen zum Gardasee mit Abholservice von der Haustür oder Kuraufenthalte in Thermen und Bädern. Doch obwohl die Bevölkerung immer weiter altert, besteht der Reisemarkt für Ältere keineswegs nur aus Spazierfahrten für Fußkranke. „Senioren wollen nicht anders verreisen als andere und auch in der Werbung nicht unbedingt auf ihr Alter angesprochen werden“, erklärt Torsten Schäfer, Sprecher beim Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin.

„Die Zielgruppe hat sich geändert“, bestätigt Dirk Schmücker, Tourismusforscher bei der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (Fur). „Senioren sind fit, haben wahnsinnig viel Reiseerfahrung und sind es gewohnt, mobil zu sein.“ Gemäß der aktuellen Reiseanalyse der Fur bevorzugt die ältere Generation allerdings Reisen im eigenen Land, fast die Hälfte (44 Prozent) war 2014 innerhalb von Deutschland unterwegs.

Gruppenreisen sowie Bus- und Kreuzfahrten sind weiterhin beliebt. „Das Interesse an Gesundheitsurlauben und Kuranwendungen hat aber nachgelassen. Dafür steigt das Interesse an Wellness-Urlauben“, berichtet Schmücker.

Der Anteil der Senioren unter den Reisenden wird weiter steigen

Für die Reisebranche ist die Generation 60+ eine wichtige Zielgruppe. Der Anteil der Senioren am Reisemarkt lag 2014 laut Reiseanalyse bei gut einem Viertel (27 Prozent). Den Prognosen der Forscher nach wird diese Zahl weiter steigen. Außerdem geben Senioren durchschnittlich etwas mehr Geld aus als ihre jüngeren Reisegenossen. Doch ansonsten verschwinden die Unterschiede: Ein überwiegender Teil der Reisenden aus der Zielgruppe 60+ ist in guter körperlicher Verfassung und unterscheidet sich in seinen Ansprüchen an das Reiseangebot nur wenig von jüngeren Reisenden – so die Einschätzung der FUR.

Veranstalter setzen daher auf Zusatzangebote. „Es gibt zwar auf die Bedürfnisse von Senioren zugeschnittene Angebote“, erklärt DRV-Sprecher Schäfer. „Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass man das eher vermischt betrachten muss.“

Das heißt: Zusätzlich zum normalen Menü gibt es in vielen Hotels spezielles Seniorenessen, Hotelanlagen werden im Hinblick auf Barrierefreiheit umgebaut und immer mehr Veranstalter bieten Sonderleistungen wie ärztliche Betreuung, einen Abholservice oder Begleitung durch Pflegekräfte an.

Die Nachfrage nach speziellen Angeboten für Ältere ist da

Ein einheitliches Informationsangebot für Seniorenreisen gibt es bisher nicht, obwohl fast alle Veranstalter entsprechende Angebote im Portfolio haben. Spezielle Gruppenreisen für Senioren bieten zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO) an. Auch einige Reiseunternehmen haben sich ganz auf die Zielgruppe spezialisiert. Im Vordergrund steht bei solchen Angeboten das Reisen mit Gleichaltrigen. Außerdem sind Zielorte und Transport auf die Bedürfnisse von älteren Menschen abgestimmt.

So gibt es zum Beispiel auf Busreisen häufigere Pausen, um sich die Beine zu vertreten. Oder die Teilnehmer werden direkt von zu Hause abgeholt. Einige Veranstalter bieten auch Urlaub speziell für Demenzkranke, Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Multipler Sklerose an.

Die Nachfrage ist da: „In den vergangenen drei Jahren haben sich die Teilnehmerzahlen verdoppelt“, berichtet Rebecca Hechinger vom Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart. Viele Teilnehmer seien mehrmals im Jahr dabei. Wichtig für die Reise sei eine gute Abstimmung: „Wir klären vorher sehr viel mit Angehörigen oder Ärzten“, sagt Hechinger. In Einzelfällen könne man dann gegen entsprechenden Aufpreis zum Beispiel einen Pflegedienst ins Hotel bestellen.

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