• Zitty
  • Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Berlin 030
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Reisetagebuch Tag 14 : Ein Wolkenbruch ist noch kein Schiffbruch

11.12.2012 10:09 Uhrvon
Grandioses Wellenschauspiel. Während draußen der blaue Ozean tobt, geht es auch an Bord der „Sea Cloud II“ turbulent zu – ein Bombenalarm wurde ausgerufen. Foto: Reinhart BüngerBild vergrößern
Grandioses Wellenschauspiel. Während draußen der blaue Ozean tobt, geht es auch an Bord der „Sea Cloud II“ turbulent zu – ein Bombenalarm wurde ausgerufen. - Foto: Reinhart Bünger

Herrlich! Das Wetter wird immer schlechter. „Wir lieben die Wogen, die tosenden Wellen...“ - diese Shanty-Zeilen liegen uns schon auf den Lippen. Nur von eiskalten Winden kann keine Rede sein. Kapitän Evgeny Nemerzhitskiy segelt weiter mit beeindruckendem Tempo.

Am Vormast hält das Zeug nicht mehr so richtig. Es liegt sicher nicht am Kapitän, dass sich im Focksegel ein Riss aufgetan hat, ein kleiner nur. Die Reparatur hat noch Zeit – das Tuch wird uns vor Barbados kaum um die Ohren fliegen. Unser Kapitän muss voran machen, damit wir rechtzeitig ankommen. Eine ganz schöne Herausforderung, denn der Wind ist ja nicht auf Bestellung da, und wenn die „Sea Cloud“-Großsegler unter Motor fahren müssen, gibt es immer unzufriedene Passagiere.

Früher hatte die Kapitäne mehr Zeit, sie waren nicht an enge Fahrpläne gebunden. Eine Atlantiküberquerung konnte auch schon einmal drei oder mehr Wochen dauern.

Wie dem auch sei, morgen ist unser letzter Tag auf See – Zeit ist Geld, das gilt für Reederei wie für Passagiere. Und die amerikanischen Gäste haben ja auch – soweit sie noch berufstätig sind – selten länger als zwei Wochen Zeit für solch ein Abenteuer.

Uns ist derzeit alles recht. Immerhin ist die „Sea Cloud II“ heute zeitweise mit bis zu 11 Knoten unterwegs. 473 nautische Meilen sind es am Morgen noch bis Barbados. Da wir bei Ostwindstärke 6 nahe an der Höchstgeschwindigkeit laufen, liegen wir über dem errechneten Schnitt. Und wenn wir mit unserer formidablen Regenfront in Barbados einlaufen sollten: auch schön! Es hat aber auch geschüttet heute! Länger als eine Stunde habe ich mit meinen Regenklamotten am Vormast gestanden und alles was von oben kam auf mich einprasseln lassen. Ich würde es nicht mit einer Reinkarnation vergleichen, aber im warmen Wolkenbruch inmitten der aufgewühlten See fühlte ich mich wie ein Teil des Spektakels. Der Mensch besteht ja auch – an und für sich – überwiegend aus Wasser.

Gedanken über schmutzige Angelegenheiten

Doch zurück zum stofflich Fassbaren: Was wird eigentlich aus unseren Abfällen, wenn wir auf hoher See im Luxus schwelgen? Die Antwort ist: Im nächsten Jahr wird alles noch besser. Dann treten nämlich neue internationale Richtlinien in Kraft, so die erste Offizierin Kathryn Whittaker. Der Müll an Bord wird in fünf Kategorien eingeteilt: Essen, Papier, Glas, Dosen und Metall sowie Plastik. Das „Schwarzwasser“ – also Fäkalien – wird mit der bordeigenen Kläranlage gereinigt.

Unter der Losung „Keiner schafft den Plan allein, alle wollen Helfer sein“ werden die übrigen Abfälle zunächst einmal getrennt. Das ist heute schon so. Die Essensreste und auch das Plastik wandern in einen Kühlraum: Jeder kennt den Gestank, der einem „Gelben Sack“ entweichen kann. „Wir haben alles schon so, wie es sein soll“, sagt Whittaker. Heute kann 12 Seemeilen vor der Küste noch Essen über Bord gehen, ab Januar 2013 geht das nicht mehr.

Die bordeigene Müllverbrennungsanlage der „Sea Cloud II“ – vorgesehen für Papier- und Kartonreste – kam während eines Werftaufenthaltes in unserem Abfahrtshafen Las Palmas selbst auf den Müll: Die Rußreste machten sich nicht so hübsch an Bord des Großseglers – auch die Passagiere hatten wenig Verständnis für die die schwarzen Einsprengsel auf ihrer Kleidung. „Die Müllverbrennungsanlage haben die in Las Plamas mit Presslufthämmern aus unserem Maschinenraum gestemmt“, erzählt der „Chief“ der „Sea Cloud II“, Klaus Günther.

Er ist „der Erste“ unter den Technischen Offizieren, die mit den „Nautischen Offizieren“ auf der Brücke korrespondieren. Eine Maschine zur Zerkleinerung von Essensresten gebe es nach seinem Wissen an Bord der „Sea Cloud II“ noch nicht. Aber was nicht ist, wird bis zum 1.1.2013 sicher noch werden.

Reisen

Weitere Themen

Foto:

Ihre Fotos verstauben auf der Festplatte? Mit dem Tagesspiegel-Fotoservice können Sie jetzt Ihre Leinwand, Kalender oder ein persönliches Fotobuch gestalten!

Tagesspiegel Fotoservice