Reisetipps : Mehr Guinness fürs Geld

Clever reisen in der Krise: Der starke Euro macht den Urlaub günstiger – nicht nur in England

von
252488_0_658f6f07.jpeg
Sparen in London. Seit das Pfund schwächelt, ist das Shoppen in der Oxford Street günstiger geworden. Die Hotels in der britischen...

Die Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten haben auch die Währungskurse durcheinandergewirbelt. Für Spontanurlauber hat die Finanzkrise daher sogar etwas Gutes: Reisen zum Beispiel nach Island, Norwegen, Kanada oder Großbritannien sind um einiges günstiger und für Urlauber attraktiver geworden. Reisende müssen sich aber be eilen, um davon zu profitieren – denn mit den günstigen Wechselkursen könnte es bald schon wieder vorbei sein.

Vorgemacht hat es der Dollar: Schon in der vergangenen Sommersaison legten die Reiseziele zu, in denen die US-Währung maßgeblich ist, ermittelten die Marktforscher der GfK in Nürnberg. Das gilt nicht zuletzt für die USA. „Das ist ganz deutlich zu erkennen“, sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin. „Die Zahl der Touristen ist vor allem wegen des günstigen Kurses gestiegen.“ Denn was preiswert ist, wird attraktiv. Schließlich muss für Hotelkosten, Shoppen oder Restaurantbesuche sofort weniger bezahlt werden, wenn die Landeswährung schwächelt.

Die US-Währung hat inzwischen wieder aufgeholt: Gab es für einen Euro Anfang 2008 noch 1,47 und im August sogar 1,56 Dollar, liegt der Sortenkurs derzeit (22. Januar) „nur“ noch bei 1,34. Dafür sind andere Ziele für deutsche Urlauber in den vergangenen Monaten umso reizvoller geworden, vor allem jene, die deutlich unter den Folgen der Finanzkrise zu leiden hatten – zum Beispiel Island. Der Inselstaat im Nordwesten Europas mit gerade einmal 320 000 Einwohnern stand im Herbst kurz vor dem Bankrott. Banken wurden verstaatlicht, die Regierung musste den Internationalen Währungsfonds um Hilfe in Milliardenhöhe bitten. Der Kurs der Krone sank ins Bodenlose.

„Die Krone war davor lange unheimlich stark“, sagt David Johannsson, Direktor des Isländischen Fremdenverkehrsamtes in Neu-Isenburg. „Vor wenigen Jahren gab es für einen Euro 75 Kronen. Anfang 2008 waren es um die 100, Anfang August 123.“ Zuletzt waren es rund 168. Für deutsche Touristen sei der Islandurlaub deshalb deutlich günstiger geworden. „Alles kostet gefühlte 30 Prozent weniger“, sagt Johannsson. Das merke man etwa bei der Mietwagen buchung oder dem Essen im Restaurant. Für Touristen, die sonst oft über die hohen Preise vor allem in Reykjavik gestöhnt hatten, ist das Land überraschend günstig geworden.

Ähnlich ist die Entwicklung in Norwegen. Anfang August gab es für einen Euro 8,1 Kronen, heute sind es rund 9,45. „Das sind fast 20 Prozent mehr“, sagt Christopher Rosenkilde, Geschäftsführer des Norwegischen Fremdenverkehrsamtes in Hamburg. „Ein All-you-can-eat-Angebot bei einer Pizzakette kostet um die 95 Kronen, das sind jetzt nur noch zehn Euro.“ Ganz gleich, ob ein Kinobesuch oder die Oslo-Card für den Eintritt in Museen und den öffentlichen Nahverkehr – alles kostet annähernd ein Fünftel weniger.

„Seit Dezember ist die Krone aber wieder stärker geworden“, sagt Rosenkilde. Und ein großes Bier ( 0,4 Liter) kostet mit 60 Kronen immer noch rund 6,30 Euro. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass es vor einigen Wochen noch viel mehr war. Rosenkilde geht daher auch nicht davon aus, dass die Touristenzahl sprunghaft nach oben schnellt.  

Auch viele Großbritannienfans dürften jahrelang mit den Zähnen geknirscht haben, wenn sie ihre Reise gebucht oder zwischen Cornwall und den schottischen Highlands die Hotelrechnung bezahlt haben. Die Preise waren dort schon deftig, von London ganz zu schweigen. Clubs, Pubs, Kinos, Theater oder die Modeszene – gute Gründe, in die englische Hauptstadt zu reisen, gibt es viele. Doch konnte manchem deutschen Urlauber bei den Kosten schon einmal schwindlig werden. Dann kam die Finanzkrise und ein Absturz der britischen Währung. Anfang August gab es für einen Euro nur 0,79 Pfund. Derzeit liegt der Kurs von Pfund und Euro bei ungefähr bei 1:1.

Vergleichsweise teuer sind immer noch Hotels, durch den neuen Wechselkurs lässt sich aber einiges sparen. Einkaufen wird auch dadurch attraktiver, dass die Regierung die Mehrwertsteuer (Vat) von 17,5 auf 15 Prozent gesenkt hat.

Nicht ganz so günstig wie im Nachbarland hat sich der kanadische Dollar entwickelt: Anfang August gab es für einen Euro 1,59 Dollar. Inzwischen sind es um 1,65. Wer in Kanada viel mit dem Wohnmobil unterwegs sein will, kann dadurch einiges sparen – zumal der Dollarpreis für Benzin deutlich gesunken ist. Aber auch kleinere Ausgaben sind günstiger geworden: Ein Bier kostet 3,50 kanadische Dollar (2,10 Euro), ein Busticket 2,50 (1,50 Euro), einmal Sushi essen in Vancouver 15 Dollar (9 Euro).

Städte wie Toronto könnten als Ziel für Shoppingreisen an Attraktivität gewinnen, sagt Barbara Ackermann von der Canadian Tourism Commission in Düsseldorf. Manche angesagten Elektronikartikel seien in Kanada erheblich günstiger als anderswo. Allerdings, das muss gesagt werden, schaut auch der deutsche Zoll bei der Rückkehr etwas genauer hin.

Doch, Vorsicht: Die Wechselkurse bleiben in Bewegung: In vier Wochen kann alles schon wieder ganz anders sein.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben