Reisewarnungen : Worte zur Sicherheit

Wer auf Reisen geht, kann viel erleben. In manchen Ländern sollten Urlauber aber besonders vorsichtig sein. Wie das Auswärtige Amt vor Krisen warnt.

Horst Schwartz
Architektur auf der Warteliste. Die Al-Azhar Moschee in Kairo.
Architektur auf der Warteliste. Die Al-Azhar Moschee in Kairo.Foto: Reuters

Informiert das Auswärtige Amt (AA) bei Krisen oder Katastrophen im Ausland die deutsche Bevölkerung so, dass es jedermann rasch versteht? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch das Programm der diesjährigen Tagung des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Abu Dhabi. In Reden, Vorträgen und Podiumsdiskussionen wurde Kritik an der oft langatmigen Unterscheidung des AA in Sicherheitshinweis, Teilreisewarnung und Reisewarnung geübt. „Ein Ampelsystem fände ich besser“, befand Johannes Zurnieden von Phoenix Reisen. Zur Sicherheitslage in Ägypten habe das Auswärtige Amt im Herbst vier Seiten Information veröffentlicht. Zurnieden: „Das würde ich als Verbraucher nicht verkraften.“

Andere Tagungsteilnehmer monierten, aus politischen Gründen habe es niemals einen negativen Reisehinweis zu Israel gegeben. Christian Buck, Leiter des Krisenreaktionszentrums des Auswärtigen Amtes, wies die Vorwürfe entschieden zurück: Sein 43 Mitarbeiter starkes Team arbeite „völlig unabhängig und frei von politischen Einflüssen“. Nicht viel hält Buck von der Idee, Sicherheitshinweise künftig auf europäischer Ebene abzustimmen: „Das würde viel zu lange dauern.“

Das Krisenreaktionszentrum müsse rasch reagieren. Bei Bedarf berufe es den Krisenstab ein, der „schnell hochgefahren werden kann“. Ohne internationale Abstimmung kann es auch in Zukunft zu unterschiedlichen Reaktionen der Außenministerien kommen – und dass wie im Fall der Sinai-Anschläge Schweden seine Touristen evakuiert, Deutschland aber nicht. „Die einzelnen Länder schätzen die Situation mitunter unterschiedlich ein“, erklärt Buck, „außerdem hatte Schweden nur 50 Touristen auf dem Sinai, wir aber 50 000.“ Eine vorschnelle Evakuierung, so argumentierte der Leiter des Krisenreaktionszentrums, „hätte Panik verursachen können“.

Ein Ampelsystem kann regionalen Unterschieden nicht gerecht werden

Ein Ampelsytem zur Beurteilung der Sicherheitslage in einer Reisedestination lehnt das Auswärtige Amt strikt ab. Wieder am Beispiel Ägypten zeigte Buck auf, dass eine höchst unterschiedliche Sicherheitslage in einzelnen Touristenzentren auch eine unterschiedliche Beurteilung erfordere. Diese sei durch ein Ampelsystem nicht zu leisten. Die Reiseveranstalter blieben dagegen bei ihrer Forderung, die Sicherheitshinweise so zu vereinfachen, dass jeder Reisende sie auf Anhieb versteht. Eine Annäherung beider Standpunkte ist nicht in Sicht.

Dass sich das Auswärtige Amt die Einschätzung der Sicherheitslage nicht einfach macht, wird auch von der Branche anerkannt. Das Krisenreaktionszentrum schickt sogar Reiseunterstützungsteams in schwer zu beurteilende Länder. So wurde kürzlich Tunesien genau unter die Lupe genommen: Auf welche Stellen konzentriert sich der Tourismus? Wie sind die An- und Abreisewege? Wo gibt es Schnellstraßen? Wie sind Flughäfen zu erreichen? So wurde der Krisenplan aktualisiert. Buck: „Im Frühjahr ist Ägypten an der Reihe.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar