Reiseziele : Tiffany to go

Darf's mal was Besonderes sein? Für Individualisten - das Leben ist zu kurz für langweilige Reisen.

Hella Kaiser
Hepburn Foto: defd
Szene aus "Frühstück bei Tiffany"Foto: defd

Alle Jahre wieder an den Wolfgangsee, jeden Sommer auf die Ostsee gucken oder im Pool irgendeines Ferienresorts am Mittelmeer dümpeln? Die Zeit ist reif für Besonderes. Und wie kommt man auf die zündende Idee? Richard Kerler und Peter Gutmann helfen. Unter dem Titel „123 Dinge, die Sie schon immer erleben wollten“ (Mosaik bei Goldmann, 7, 75 Euro), haben sie zusammengestellt, was Reisende in ihrem Urlaub so anstellen könnten. Okay, einiges davon kann sich der Normalbürger gleich abschminken. Eine Märchensuite im Taj Palace Hotel in Bombay etwa oder den Singapore Sling in der Bar vom Raffles Hotel bestellen und die Rechnung nonchalant aufs Zimmer bestellen. Auch der Traum, die Fifth Avenue Nummer 727 mit einer türkisfarbenen Box in türkisfarbener Tüte zu verlassen, dürfte sich für die wenigsten erfüllen lassen. Ein Schmuckstück bei Tiffany hat seinen Preis, obwohl sie nicht mal Frühstück dort servieren.

Die Autoren haben auch Vorschläge, die erschwinglicher sind. Zum Beispiel ein ganz besonderes Schäferstündchen. Das erlebt man, wenn man mit Hirten und Herden durch die Karpaten zieht. Dabei lernt man das Melken, Käsen und – Schnapsbrennen. In herzlich-raues Leben taucht der Reisende, ganz ungestört: Das Handy funktioniert nicht in den Bergen Transsylvaniens.

Bestechend ist auch die „große Dusche“ in Birma. Mitte April feiern sie hier drei Tage lang Thingyan, das Wasserfest. Aus Schläuchen, Pistolen oder Bambusrohren prasselt das Wasser auf alle Anwesenden herab. Die Einheimischen weichen keinen Millimeter aus, denn Thingyan ist ja nicht nur bizarrer Spaß. In den Tagen vor dem Neujahrsfest – es gilt der traditionelle Mondkalender – besteht schließlich die Möglichkeit, sich von allen Sünden des vergangenen Jahres reinzuwaschen. Ob bei Christen klappt, worauf Buddhisten hoffen? Ein Versuch kann nicht schaden.

Mutige fahren nach China, gehen dort auf einen Markt und bestellen aus dampfenden Pfannen, was eben noch krabbelte. Oder sie buchen einen Kochkurs in Peking (www.hiasgourmet.com). Da lernen sie dann, wie gesund, vielfältig und schmackhaft die Küche des Landes ist – und werden danach alle Chinalokale in Deutschland meiden. Alternativ bucht man einen Schnupperkurs in chinesischer Medizin in Chengdu. (www.cdutcm.org) oder lernt an Ort und Stelle Tai Chi.

Ausgefallenes gibt es auch in Europa. Im Restaurant Kronenhalle in Zürich zum Beispiel diniert man unter Originalwerken von Chagall, Matisse oder Miró. Die Menüpreise sind gepfeffert, aber schließlich ist der Blick auf die Kunst inbegriffen. Eine andere Empfehlung der Autoren ist: „Zehn der bedeutendsten Gemälde in ihren Museen erleben.“ Zum Beispiel: „Mona Lisa“ im Louvre, Picassos „Guernica“ im Museo Nacional Reina Sofia in Madrid oder Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ in der Alten Pinakothek in München. Ist das originell und will man wirklich im Rijksmuseum in Amsterdam – wie alle anderen - schnurstracks zur eigens ausgeschilderten „Nachtwache?“ Lustiger wäre es, in den schönsten Museen Europas die unbedeutendsten Bilder zu küren.

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