Riga, km 550 : Holzweg zum Erfolg

Ilze Kozulina ist die Chefin eines großen Furnierwerks in Riga. Die Kundschaft sind Möbelwerke in Spanien, Italien, Polen und, ganz wichtig, eine litauische Fabrik, die für Ikea produziert.

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Schichtarbeit: Vier Millionen Euro hat die Lettin Ilze Kozulina 2006 in neue Maschinen für ihre Rigaer Furnierfabrik investiert. -Foto: Stefan Jacobs

RigaMächtige Baumstämme sind vor der Halle in einem Rigaer Industriegebiet gestapelt. Rasensprenger zischen, das Holz glänzt in der Sonne. Aus der Halle dringt der Lärm von Schälmaschinen, die die von der Nässe aufgeweichten Stämme zu Möbelfurnieren schneiden. 60.000 Quadratmeter in 24 Stunden, montags bis freitags.

Ilze Kozulina ist hier die Chefin. Eine resolute Mittvierzigerin, vor deren Bürofenster im Obergeschoss der Halle ein Laufkran hin und her fährt. Hier oben sieht sie nicht nur die Arbeit ihrer Leute, sondern auch den Zustand von Lettland. Zum Beispiel, wenn sich auf eine Stellenanzeige niemand meldet. "Früher konnten wir uns von zehn Leuten den Besten aussuchen. Jetzt ruft einfach keiner mehr an." Der Arbeitsmarkt sei leer gefegt, und die Leute vom teils bitterarmen Land finden in der boomenden Hauptstadt keine bezahlbare Wohnung.

Außerdem schätzt die Chefin, dass gut ein Dutzend ihrer 220 Angestellten sich regelmäßig krankmeldet, um anderswo schwarz zu arbeiten. Unter dem Bürofenster spannen Arbeiter neue Stämme in die Schälmaschine. Dort wird das rotierende Holz gegen ein Messer gedrückt. Ein Knochenjob, der viel Übung erfordert. Die beiden Neuen an der Schälmaschine nebenan produzieren Fetzen, die nur noch im hauseigenen Heizwerk zu verwenden sind. Die guten Stücke werden getrocknet, ein Stapler fährt sie paketweise zum Lkw am Tor.

Die Kundschaft sind Möbelwerke in Spanien, Italien, Polen und, ganz wichtig, eine litauische Fabrik, die für Ikea produziert, ein Standbein der Branche in ganz Europa. Das meiste Holz stammt aus Russland, das wegen unendlicher Vorräte geschätzt und wegen unzuverlässiger Lieferanten berüchtigt ist. Ilze Kozulina ist der Typ Mensch, der Probleme entweder gleich löst - oder sie eine "Herausforderung" nennt. Der Personalmangel wird ihre bisher größte.

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