Reise : Roms Wahrzeichen bröckelt

Roms berühmtestes Wahrzeichen, das Kolosseum, ist krank. Wie der Mailänder „Corriere della Sera“ jetzt berichtete, droht das Kolosseum – mit 3,5 Millionen Besuchern pro Jahr eines der meistbesuchten Monumente der Welt – unter dem Einfluss von Umweltverschmutzung, Vibrationen und Niederschlägen zu zerbröckeln. Vor allem die extreme Luftverschmutzung in der italienischen Hauptstadt führt nach Meinung der Experten zu einem gefährlichen Verwitterungsprozess im „Amphitheatrum Flavium“. Am vergangenen Sonntag waren an dem Bauwerk Platten aus dem Putz herausgebrochen. Inzwischen ist die Unglücksstelle mit Metallnetzen abgesichert.

„Der Absturz der Putzplatten hat chemische Veränderungen in den Mauern freigelegt“, erklärte die Direktorin des Kolosseums, Rossella Rea. Unzweifelhaft sei die Umweltverschmutzung dafür verantwortlich. Bei der schädlichen chemischen Reaktion verwandelt sich innerhalb der steinernen Struktur des Amphitheaters Kalziumkarbonat in Kalziumsulfat. Der Prozess setzt sich zudem im Gemäuer metastasenartig fort. Daher sprechen die Archäologen auch von „Gestein-Krebs“.

Die dringend notwendige gründliche Instandsetzung des Bauwerks wird von den Archäologie-Experten seit Jahren gefordert. Sie soll jedoch schätzungsweise rund 23 Millionen Euro kosten, und die römischen Stadtkassen sind leer. Japanische Sponsoren hätten zwar finanzielle Hilfe zugesagt. Dies reiche jedoch nicht, um die Restaurierung zu beginnen. „Wir brauchen mehr Geld“, sagte Rea und rief öffentliche und private Geldgeber erneut zu Spenden auf. Das Kolosseum, das zwischen 72 und 80 nach Christus unter Kaiser Vespasian erbaut wurde, galt als größtes Amphitheater der Antike. dpa

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