Rucksackreisen : Rendezvous in Vietnam

Interrail durch Europa war gestern – Rucksacktouristen von heute reisen weit weg.

Andreas Heimann

Rucksackreisen haben Konjunktur. „Das hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, beobachtet Jana Binder, Kulturanthropologin aus München. „Was in den 80ern Interrail war, ist heute das ,Round-the-World-Ticket‘, das Fliegen sehr günstig macht“, sagt Binder.

Auch Rucksackreisende starten deshalb mittlerweile in aller Regel am Flughafen und nicht mehr als Tramper an der Bundesstraße. Aber nicht nur die Chancen, schnell weit weg zu kommen, sind größer geworden. Auch die Palette der Ziele wird immer breiter: „Backpacker bereisen heute viel mehr Länder als früher. Zum Teil geht es geradezu darum, möglichst viele Grenzen zu überschreiten“, erklärt Binder.

Das habe allerdings auch damit zu tun, dass Fernreisen insgesamt viel normaler geworden sind: „Inzwischen ist schließlich Hans und Franz in Bali gewesen.“ Sehr viel leichter sei es geworden, etwa mit Hilfe des Internets Reisepartner zumindest für einzelne Abschnitte zu finden. „Man verabredet sich in Vietnam, dann fährt der eine nach Thailand weiter und der andere nach Laos, und man trifft sich in Malaysia wieder“, weiß Binder, die an der Universität Frankfurt am Main über Rucksackreisen promoviert hat. Kontakt über E-Mails zu halten, sei in der Regel kein Problem. „Backpacker schreiben auch keine Postkarten mehr nach Hause. Viele nutzen stattdessen Mailinglisten und halten ihre Bekannten so auf dem Laufenden.“ Längst nichts Ungewöhnliches mehr seien auch Blogs, in denen Backpacker von ihren Reiseerfahrungen berichten. „Die sind oft übrigens immer die gleichen: Geschichten über gefährliche Grenzregionen oder klapprige Busse“, sagt Binder. Reisen in größeren Gruppen ist aber nach wie vor die Ausnahme: „Die meisten Backpacker brechen alleine auf oder mit einem Freund.“ Und längst sind solche Touren keine Männerdomäne mehr: Nach Binders Beobachtung gibt es sogar etwas mehr Frauen, die mit dem Rucksack auf Reisen gehen.

Nach wie vor als Backpacker-Ziel beliebt sind Australien und Neuseeland – wenn auch mit Abstrichen wegen der vergleichsweise hohen Kosten. „Viele Rucksackreisende entscheiden sich in dem Fall für das Modell Work & Travel“, hat Binder beobachtet. „Da kann es schon vorkommen, dass zur Finanzierung der Reise in Australien Erdbeeren gepflückt werden.“ Asien hat sich dagegen inzwischen auf der Backpacker-Landkarte fest etabliert. „Die Länder dort sind beliebt, weil sie günstig sind.“ Zudem gelte Asien als vergleichsweise sicher. Rucksackreisende würden aber durchaus nicht überall mit Begeisterung gesehen: „Vietnam setzt sehr auf die Backpacker, aber in Thailand möchte die nationale Tourismusbehörde sie am liebsten schon nicht mehr haben.“ Das liege vor allem daran, dass die Tourismusbranche sich von Pauschaltouristen mehr verspricht. „Dabei stimmt das nicht. Backpacker geben zwar weniger aus, lassen aber mehr Geld im Land“ – weil keine ausländischen Reiseanbieter und internationale Hotelkonzerne an ihnen verdienen. Vor allem aber erwarteten Rucksackreisende keine großen Investitionen in Hotels: „Backpacker brauchen kein Resort mit drei verschiedenen Pools. Sie bevorzugen es authentischer.“ Gleichwohl: Wer sich sogenannte Backpacker-Hostels anschaut, wird feststellen: Allzu spartanisch geht es nicht immer zu. Internetzugang ist oft im Preis enthalten, Kaffee und Tee rund um die Uhr ebenfalls, das Frühstück wird in Büfettform angeboten, zentrale Lage ist offenbar ein Muss.

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