Reise : Rückkehr zur Normalität

Doch Madeira sorgt sich nach der Katastrophe um den Tourismus. Reisebranche hält sich bedeckt

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Als sei nichts gewesen. Auf Madeira suchen Touristen bereits wenige Tage nach den verheerenden Regenfluten wieder nach bunten...LUSA

Eine Woche nach dem verheerenden Unwetter auf Madeira mit mehr als 40 Toten machen sich die Verantwortlichen auf der portugiesischen Ferieninsel zunehmend Sorgen um die Zukunft des Tourismus, auch weil sich Bausünden der Vergangenheit jetzt allem Anschein nach rächen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Lusa registrierten Hotels und Reiseveranstalter erste Buchungsstornierungen.

Doch wird es eine nicht geringe Zahl von Menschen geben, die einen Urlaub auf Madeira geplant hatten oder zumindest auf ihrer Wunschliste haben. Und die fragen sich: Kann ich im Moment überhaupt dort hinreisen? Die Bilder, die in den ersten Tagen nach der Katastrophe in Fernsehen und Zeitungen zu sehen waren, können Zweifel daran aufkommen lassen. Gleichzeitig beteuern Hoteliers und Reiseveranstalter, die touristische Infrastruktur sei „nur ganz am Rande“ betroffen. Die Hotels in den Urlauberhochburgen seien völlig in Ordnung. Ein Stornorecht bei bereits gebuchten Reisen wird auch nicht eingeräumt.

Nun soll es ja Menschen geben, die sich gern aus mehreren Quellen informieren und zu diesem Zweck auch das Internet nutzen. Schließlich bietet das weltweite Netz die ideale Plattform für den Austausch aktueller Information. Da deutsche Reiseveranstalter in der Regel das Vertrauen ihrer Gäste genießen, liegt es nahe, dass Urlaubsplaner auch auf den Seiten der Reiseunternehmen nach Hinweisen auf die gegenwärtigen Zustände auf Madeira suchen. Doch wer glaubt, die einschlägigen Veranstalter würden sich auf ihren bunten Internetseiten besonders bemühen, eine angemessene Transparenz herzustellen, sieht sich in vielen Fällen getäuscht.

Bei Olimar beispielsweise, das seit Jahrzehnten damit wirbt, der „Portugal-Spezialist“ schlechthin zu sein, gibt es keinen einzigen Hinweis online. Oder so versteckt, dass man ihn nicht findet. Bei Tui stand bis Ende der Woche noch der Hinweis, dass der Pilotenstreik der Lufthansa ausgesetzt sei. Von Madeira kein Wort. Selbst wer ein Pauschalangebot für Madeira so aufruft, als ob er buchen wolle, bekommt keine Information auf ein teilweise verwüstetes Urlaubsziel.

Immerhin: FTI hat eine rot unterlegte Leiste „Aktuelle Meldungen“, wo der Nutzer etwas zum Pilotenstreik der Lufthansa und zur Lage auf Madeira erfährt. Kunden, die in nächster Zeit Madeira buchen wollen, wird geraten, sich im „Reisebüro über die aktuelle Lage zu informieren“.

Rotes Ausrufezeichen bei ITS Reisen: „Auswirkungen des Unwetters auf Madeira“. Hinter der Schaltfläche verbergen sich ausführliche Informationen. „Die großen Tourismusbereiche Estrada Monumental und Lido sind im normalen Betrieb (…) es sind keine operativen Beeinträchtigungen in den Hotels zu verzeichnen.“ Mancherorts sei die Infrastruktur noch betroffen und „es kann zu optischen Beeinträchtigungen durch Vegetationsschäden kommen“. Ausflüge fänden eingeschränkt wieder statt.

Bei Neckermann Reisen strahlt eine Werbung für die „Lieblingsinsel Mallorca“ auf der Startseite. Und sonst? Ah, da unten, „Aktuelles“. Klick. Umleitung zu „Reisehinweisen“ auf einer Seite der Konzernmutter Thomas Cook und – Pilotenstreik, Influenza H1N1, also „Schweinegrippe“. War das Virus nicht vorgestern? Also, aktuell sieht irgendwie anders aus. Jedenfalls, zu Madeira keine Silbe.

Gottlob gibt es ja den Deutschen Reiseverband (DRV), der sich als Branchenorganisation gern und häufig zu allen möglichen touristischen Themen äußert. Klick auf www.drv.de; unter „Aktuelle Meldungen“: DRV erteilte Stellungnahme zum Reiseaufkommen in Asien nach dem Tsunami; und: Lufthansa-Streik: Veranstaltergäste wenden sich an ihr Reisebüro. Okay, prima Auskunft. Madeira? Kein Thema.

Und wie ist die Situation? Offenbar finden wieder alle Flüge auf die Atlantikinsel statt. Die Wünsche nach Umbuchungen halten sich bei den Veranstaltern in Grenzen, auch weil kostenpflichtig. Von noch teueren Stornierungen ist gleich gar nicht die Rede. Die auf der Insel angebotenen Ausflüge finden im Rahmen der Möglichkeiten wieder statt. Nur wer individuell wandern möchte, sollte sich an Ort und Stelle genau informieren, ob die vorgesehenen Wege begehbar sind. Es ist sinnvoll, sich im jeweiligen Hotel nach Wandergruppen mit einem örtlichen Führer zu erkundigen. Diesem kann man sich in der Regel gegen kleines Geld anschließen.

Etwas sorgenvoll blicken Bewohner und Touristen derzeit gen Himmel. Nach allen Vorhersagen soll es auch an diesem Wochenende stark stürmen und regnen. Wobei das Nass vom Himmel auf der „Blumeninsel“ keine Seltenheit ist. Daran jedoch, dass es noch einmal so schlimm kommt, wagt niemand zu denken.

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