Safaris in Botswana : Im Einbaum zum Lagerfeuer

Botswana, Partnerland der diesjährigen ITB, ist ideal für Tierbeobachtungen. Von den Besuchern profitiert die lokale Bevölkerung.

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Papyrus und Seerosen. Bei einer Mokoro-Tour im Okavangodelta wird man mitten durchs Feuchtgebiet gestakt. Der Okavango Kopano Mokoro Community Trust bietet Ausflüge an. Foto: Helge Bendl
Papyrus und Seerosen. Bei einer Mokoro-Tour im Okavangodelta wird man mitten durchs Feuchtgebiet gestakt. Der Okavango Kopano...Foto: Helge Bendl

Die Holzstange taucht mit leisem Platschen ins glasklare Wasser. Stoß um Stoß gleiten wir über die unsichtbare Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis. Das Knattern der Motorboote und Mopeds verstummt, das Radiogeplärr des letzten Dorfs verklingt. Die beiden Einbäume verlassen den träge fließenden Fluss mit den meterlangen Algen und steuern hinein ins saftige Grün. Schilf und Papyrus teilen sich und scheinen die Kanus zu verschlucken. Hoch oben, unterm tiefblauen Himmel zwitschern Vögel. Und direkt auf Ohrenhöhe macht sich ein Chor von Riedfröschen bereit fürs Konzert.

Die kleinsten sind gerade so groß wie ein Daumennagel, doch sie quaken und piepen laut wie die Meistersinger der Oper. Ihre Verwandten thronen auf Seerosen und klingeln hell wie das Glöckchen des Christkinds. Als Passagier sitzt man zu tief, um über das Grasmeer blicken zu können. Nur gut einen Meter hoch sind die Halme – und wirken trotzdem wie ein gewaltiger, undurchdringlicher Dschungel, in dem man sich schnell verirrt. Doch Jack Botsalo Mbwe, der unsere Gruppe einige Tage durchs Okavangodelta staken wird, und sein junger Assistent Gale, der das zweite „mokoro“ steuert, wie sie hier die Einbäume nennen, kennen den Weg.

Sie werden entscheiden, auf welcher Insel wir die Zelte aufschlagen, das Lagerfeuer entfachen, und die mitgebrachten Spaghetti mit Tomatensoße anrühren. „Bis ins Herz des Deltas kann ich euch nicht bringen. Dazu ist es viel zu groß“, sagt Jack. „Aber schon nach der ersten Nacht ist das egal: Euer Erlebnis ist hier wie dort das gleiche.“

Ins Okavangodelta kommt man eben nicht nur für teures Geld

Quelle des Lebens in der trockenen Kalahariwüste: Das Delta des Okavango ist eine einzigartige Naturlandschaft und zählt zum Unesco-Welterbe. Das „grüne Juwel“ Botswanas ist eine der besten Safaridestinationen des Kontinents. Leider kostet eine Reise hierher aber oft ähnlich viel wie ein funkelnder Edelstein. Jahrelang war die Strategie der Regierung Botswanas, unter dem Motto „high value, low impact“ möglichst wenige, dafür aber zahlungskräftige Gäste ins Land zu locken. Die Safari-Industrie mit ihren exklusiven Lodges und Camps, die in der Hochsaison oft tausend Euro pro Tag kosten, sollte Arbeitsplätze schaffen, ohne die fragilen Ökosysteme zu gefährden, die keinen Massentourismus vertragen.

Doch ins Okavangodelta kommt man eben nicht nur für teures Geld mit dem Buschflieger. Selbstorganisierte Community-Projekte locken jene Gäste an, die das Land individuell auf eigene Faust erkunden wollen. Die lokale Bevölkerung findet hier nicht nur Arbeit, sondern teilt auch den Profit unter sich auf.

Gastgeberin. Diese Frau verdient Geld in einem Tourismusprojekt. Foto: Helge Bendl
Gastgeberin. Diese Frau verdient Geld in einem Tourismusprojekt.Foto: Helge Bendl

Jack, inzwischen über 60, lebt im Dorf Boro, wo ein Zaun das Okavangodelta vom bewirtschafteten Farmland abtrennt. 50 Guides und 100 Assistenten haben sich hier in einer Kooperative organisiert und hoffen Tag für Tag darauf, dass die Backpackerhostels und Lodges aus Maun Touristen zu ihnen schicken. „Viele lassen sich nur für ein paar Stunden ins Delta bringen“, sagt Jack „und wissen nicht, was sie verpassen.“ Dabei hat der drahtige Mann mit Besuchern schon eine ganze Woche im platten Dschungel verbracht.

Die „Big Five“ bekommt man bei seinen Touren zwar nur mit viel Glück zu Gesicht. Doch andere Tiere sind ebenso interessant: Zu Fuß pirschen wir uns also an eine Herde Zebras heran, bis sie wiehernd das Weite suchen. Eine Afrikanische Wildkatze lässt sich nicht beim Jagen stören. Und wenn man dann nach einem langen Tag zu Wasser und zu Land am Feuer sitzt und hört, wie im Baum über einem die Eulen rufen und ein paar Meter weiter die Flusspferde grunzen, ist die Wildnis ganz nah.

Noch weiter im Osten kann man die legendären Tswapong Hills erkunden

Auch anderswo im Land gibt es Alternativen zu teuren Luxuscamps. Kubu Island liegt südöstlich des Okavangodeltas mittendrin in der Sowa-Pfanne, einem vor vielen tausend Jahren ausgetrockneten See. Wenn es hier einmal regnet, steckt man schnell im Schlamm fest – sonst ist dies regelmäßig die gerechte Strafe nur für all jene, die mit ihren Geländewagen nicht brav auf den markierten Pisten bleiben, sondern glauben, sich unbedingt austoben zu müssen. Kubu Island gilt als heiliger Ort, als Schatzinsel der Makgadikgadi-Salzpfannen: Die Stellplätze für die Camper haben zwar nur simple Plumpsklos, liegen aber direkt neben uralten Baobabbäumen. Sein Wasser muss man mitbringen, Strom gibt es natürlich nicht. Doch dafür nachts den schönsten Sternenhimmel.

Noch weiter im Osten erheben sich bei Palapye die Tswapong Hills. Zahlreiche Schluchten durchziehen den mächtigen Hügelzug aus Sandstein. Die bekannteste ist die Goo-Moremi-Gorge, benannt nach Bapedi-Chief Moremi: Der trug den Ehrennamen „Mapulane“, weil er ein guter Regenmacher war. „Wir glauben, dass in der Schlucht die Seelen unserer Vorfahren leben, die uns mit Niederschlägen beschenken“, erzählt Tshito Days, heute der Chief im 600-Seelen-Dorf. „Nur wenige kennen die Höhle, in der man Kontakt zu den Ahnen aufnehmen kann. Wo genau sie sich befindet, ist immer noch ein gut gehütetes Geheimnis.“

Während Kapgeier und Adler in den thermischen Winden über dem oxidierten Sandstein kreisen, führt Budani Sepako hinein ins Herz der legendären Tswapong Hills. Wasser gibt es hier das ganze Jahr, nach starken Regenfällen sprudeln sogar zehn Meter hohe Kaskaden. Vögel zwitschern, Insekten summen, Farne streicheln das Gesicht, während man auf einem Trampelpfad immer tiefer vordringt in die Schlucht. Die ist nicht tabu für Fremde, doch: „Wir bitten Besucher, in den Pools nicht zu schwimmen. Das gebietet der Respekt vor unseren Ahnen, die uns das Leben sonst zur Hölle machen würden. Besser, man reizt sie nicht“, sagt der Vorsitzende des Moremi Manonnye Conservation Trust. „Aber wer sich anständig verhält, mehr über die Geschichte unseres Stammes erfahren und die wild wuchernde Natur genießen will, ist hier willkommen.“

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