Schliersee : Wo Bayerns Seele liegt

Malerisch ist die Region rund um den Schliersee. Dank Ski-Champion Markus Wasmeier gibt es auch ein Bauernhofmuseum.

Verena Wolff

Still, sehr still ruht der See. Meistens. Idyllisch gelegen, das Wasser glasklar, die Kulisse malerisch – so sieht es am Schliersee aus im Miesbacher Oberland. „Seele Bayerns“ nennen die Einheimischen dieses Fleckchen Erde. Es ist ein Stück Oberbayern in seiner ganzen Bilderbuchpracht: im Tal auf 785 Metern der Schliersee, 300 Meter höher der Spitzingsee – beides Badeseen mit höchster Wasserqualität.

Zwar ist der Schliersee kein Tummelplatz für die Schönen und Reichen wie der nahe vier Mal so große Tegernsee. Doch das ist kein Nachteil. Bis auf das Nordostufer mit der Ortschaft Schliersee sind weite Teile des 222 Hektar großen Gewässers naturbelassen – sieht man von der Straße am Ostufer ab. Weil die gesamte Seefläche mit dem Umland Landschaftsschutzgebiet ist, sind weitere Bauvorhaben im Uferbereich ausgeschlossen.

Ruhe, gute Luft und ein naturnahes Erlebnis sind also jedem Sommergast sicher, der sich in den 6500-Einwohner-Ort rund eine Stunde von München entfernt aufmacht. Im Winter sieht das ein bisschen anders aus – denn Schliersee gilt als ältester Wintersportort Deutschlands. Schon 1888 besorgte sich ein Buchhändler namens August Finsterlin Holzskier aus Finnland und hinterließ die ersten Spuren im Schnee an den Hängen oberhalb von Fischhausen-Neuhaus. Schon fünf Jahre später war der Schneeschuhverein München gegründet, dessen Mitglieder fortan häufig im Hotel der Familie Finsterlin übernachteten.

Die weitere Entwicklung war rasant: 1895 bestiegen Abenteuerlustige die 1884 Meter hohe Rotwand mit Skiern, zwei Jahre später stand man schon mit Skiern auf dem Gipfel der Bodenschneid. 1904 wurde das erste Skirennen in Fischhausen ausgetragen, nur drei Jahre später fanden die ersten Bayerischen Skimeisterschaften statt. Der erste Sessellift kam 1949 – das Skifahren hatte sich in der Zwischenzeit zum Volkssport entwickelt.

Auch für die Jugend hatte man zahlreiche Hänge und Lifte im Angebot – und so dauerte es nur noch ein paar weitere Jahrzehnte, bis die Gemeinde Schliersee einen alpinen Weltmeister und Olympiasieger zu ihren Einwohnern zählen durfte: Markus „Wasi“ Wasmeier. Doch der blonde Abfahrtschampion ist nicht nur ein toller Skifahrer – er ist auch ein ausgesprochener Liebhaber seiner Heimat. Und so wuchs die Idee, nach seiner aktiven Karriere ein Bauernhof- und Wintersportmuseum am Schliersee zu eröffnen. Wasmeier will damit „das kulturelle Erbe pflegen und für kommende Generationen wahren“, wie er sagt. „Damit die Kinder wissen, dass die Kühe nicht lila sind.“    

Die Idee reifte, nachdem der Olympiasieger den Ab- und Wiederaufbau seines denkmalgeschützten Elternhauses miterlebt und sein eigenes Wohnhaus ebenfalls umgesetzt hatte. Wasmeier, gelernter Maler, und sein Vater Günther, Lüftlmaler und Restaurator, wussten also, wie’s geht. So geschah es auch mit den Höfen, die das Museum ausmachen. Wer es nicht weiß, kann leicht glauben, dass die stattlichen Höfe unter den steinigen Schindeldächern seit 1700 auf dem Plateau oberhalb des Schliersees thronen – und nicht erst seit ein paar Jahren.

Wasmeier rannte mit seiner Idee allerdings keineswegs offene Türen ein. Kaum jemand hatte anfangs daran geglaubt, dass der Tag der Eröffnung wahr werden würde. Inzwischen geht das Museum in sein drittes Jahr – und die Besucher kommen, von nah und fern. Sie erleben auf dem Lukashof, dem Riederhof, im Handwerkerhaus und der Wirtschaft „Beim Wofen“, wie die Menschen vor mehreren Jahrhunderten in den Bauernhäusern lebten und sie bewirtschafteten. Der Riederhof ist das älteste Haus des Museums, es wurde bereits im Jahr 1200 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Er stammt ursprünglich aus Bayrischzell. Der Lukashof stand einst in Finsterwald bei Gmund im Tegernseer Tal und gilt als eines der ältesten erhaltenen Anwesen aus dieser Region.

Der Gang durch das Innere ist eine Reise durch frühere Jahrhunderte – zu sehen sind zum Teil noch die originalen Einrichtungen, die kleinen Fenster, die Kamine, die in der Küche für eine Kochstelle sorgten und in der Stube für Wärme. Der Traum Wasmeiers ist es, diese Höfe in Zukunft nach traditioneller Art bewirtschaften zu lassen. Doch damit nicht genug: Auch traditionell in den Bergen um den Schliersee beheimatete und teils vom Aussterben bedrohte Tierrassen werden in dem Freilichtmuseum gehalten, in Gärten wachsen Alpenkräuter. Auch werden an einzelnen Tagen Körbe geflochten, Brot wird gebacken und Bier gebraut.

Nicht nur an speziellen Tagen, sondern rund ums Jahr macht Destillateurmeister Florian Stetter eine ganz besondere Spezialität: einen bayerischen Malt-Whisky. „Nach einigen Fehlversuchen ist es uns 1999 gelungen, ein hervorragendes Destillat zu entwickeln“, sagt er. Gerstenmalz und das klare Gebirgswasser der Bannwaldquelle sind die Zutaten dieses edlen Tropfens. Reifen muss er in Fässern aus amerikanischer Weißeiche. Kein nachgemachter schottischer Malt sei das und auch kein Bourbon, sondern eine eigene Idee mit ganz eigenem Geschmack.

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