Schutz der Meeresumwelt : Plastik auf jeder Welle

Auf Schiffen anfallender Müll landet oft im Meer. Zwar gibt es Regeln, doch Kontrolle ist schwierig.

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Strandgut der Zivilation. Die Weltmeere und ihre Bewohner ersticken zunehmend am Müll, der noch immer oft einfach über Bord geworfen wird.
Strandgut der Zivilation. Die Weltmeere und ihre Bewohner ersticken zunehmend am Müll, der noch immer oft einfach über Bord...Foto: NOAA/Marine Debris Program

Es geschah am helllichten Tage. Kurz vor der Eröffnung des Mittagsbuffets hatte das Kreuzfahrtschiff auf der Höhe der Kapverdischen Inseln Kurs in Richtung Karibik genommen. Da passierte es: Das flambierte Ferkel stürzte infolge eines kleinen Manövers vom Sockel an Deck auf die Planken – den hungrigen Gästen vor die Füße. „Werft das Schwein über Bord!“, rief einer aus der Kombüse. „Dürfen die das?“, fragten sich die Passagiere. Gute Frage.

Seit Anfang Januar gelten strengere Regeln, wenn es um den Umgang mit dem an Bord anfallenden Schiffsmüll geht. „Marpol“ lautet das Zauberwort. Es ist die Abkürzung für ein internationales, weltweit geltendes Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt aus dem Jahr 1973: „International Convention for the Prevention of Marine Pollution from Ships“. Einige Passagen wurden neu gefasst. So auch die Anlagen IV und V, in denen es um die Verhütung der Verschmutzung der Meere durch Schiffsmüll geht.

Von Abfall betroffen sind in hiesigen Breitengraden vor allem die Nadelöhre der Verkehrsschifffahrt: Deutsche Bucht, Fehmarnbelt und die Kadetrinne – ein Seegebiet in der Mecklenburger Bucht der Ostsee zwischen der Halbinsel Fischland- Darß-Zingst und der Insel Falster auf dänischer Seite. Global betrachtet hat das Mittelmeer ein großes Problem mit kleinteiligem Plastikmüll. Im Pazifik zwischen Hawaii und der nordamerikanischen Küste hat eine kreisförmige Strömung eine Art Müllteppich zusammengeschwemmt, der die Ausmaße Zentraleuropas erreicht hat.

Der Indische Ozean schließlich wird vor allem durch den Ganges, den zweitgrößten Fluss von Indien und Bangladesch, und das Arabische Meer durch den Indus vermüllt. Ganges, Indus und der indische Fluss Narmada allein transportieren Studien zufolge fast 12 000 Tonnen Abfälle in die Meere. Täglich. Also ein an Land gemachtes Problem.

Endstation Meer?
Plastiksuppe. Enorme Mengen an Plastikmüll schwimmen zurzeit in den Weltmeeren, verschmutzen die Gewässer und bringen das Ökosystem durcheinander.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Foto: NOAA/PIFSC/MKG
15.01.2013 12:18Plastiksuppe. Enorme Mengen an Plastikmüll schwimmen zurzeit in den Weltmeeren, verschmutzen die Gewässer und bringen das...

Seeseitig gilt seit Jahresbeginn: Auf Reisen soll kein Unrat mehr ins Blaue gehen – mit Ausnahme von Lebensmitteln. Dies gilt insbesondere für ökologisch bedeutsame Sondergebiete mit großer Artenvielfalt – wie zum Beispiel die Gebiete des Mittelmeers, der Ostsee, des Schwarzen Meeres, des Roten Meeres, der Golfe, der Nordsee, der Antarktis und die Region der Karibik. Die Gebiete sind in dem Übereinkommen exakt mit Längen- und Breitengraden bezeichnet.

Für bestimmte Arten von Abfall gibt es indes noch Ausnahmeregelungen. Wischwässer aus Laderäumen zum Beispiel dürfen eingeleitet werden, wenn sie keine für die Meeresumwelt schädlichen Stoffe enthalten. Und Tierkadaver – die als neue Abfallkategorie erfasst wurden – dürfen „so weit wie möglich vom nächstgelegenen Land“ über Bord gehen, wenn sie vorher zerkleinert wurden. Und die Richtlinie sagt auch, wie. „Lebensmittelabfälle müssen zerkleinert oder zermahlen werden und müssen ein Sieb mit höchstens 25 Millimeter weiten Öffnungen passieren können.“ Dann dürfen sie – wenn sie nicht durch sonstigen Müll verunreinigt sind – in Sondergebieten „in keiner geringeren Entfernung als zwölf Seemeilen vom nächstgelegenen Land oder vom nächstgelegenen Schelfeis“ über Bord gehen. Außerhalb der Sondergebiete ist von drei Seemeilen Entfernung zum nächstgelegenen Land die Rede.

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