Schweden : Am Fels von Ronja Räubertochter

Der Schärengarten vor Schwedens Westküste lässt sich gut im Fahrgastschiff entdecken. Eine Woche lang. Schlafen müssen die Passagiere jedoch an Land.

von und Axel Baumann
Kurz vor Norwegen. Blick vom „Vetteberget“ aus auf die kleine Ortschaft Fjällbacka und die vorgelagerte Schärenwelt nördlich von Göteborg.
Kurz vor Norwegen. Blick vom „Vetteberget“ aus auf die kleine Ortschaft Fjällbacka und die vorgelagerte Schärenwelt nördlich von...Foto: Axel Baumann

Ein Garten in Schweden kann ganz schön steinig sein. Das gilt besonders dann, wenn er von Wasser umspült ist. „Schärengarten“ nennen die Skandinavier die unzähligen kleinen und großen von Eismassen geschliffenen Felsen und Inseln, die vor Tausenden von Jahren entstanden. Rund 50 000 Schären soll es im Gebiet zwischen Göteborg bis Oslo geben. Davon sind rund ein Fünftel bewohnt.

Durch diesen steinernen Garten entlang Schwedens Westküste schippert man am besten mit einem Segel-, Motorboot oder Kajak. Noch komfortabler und entspannter ist eine siebentägige Kreuzfahrt durch die Inselwelt. Nicht mit den großen Pötten wie etwa einem der Aida-Kreuzer, „Mein Schiff“ und Co. Nein, diese Kreuzfahrtliner schippern in weiter Ferne vorbei. Die „Ellen af Bohuslän“ dagegen ist nur knapp 24 Meter lang und 4,5 Meter breit. „1885 wurde sie in Motala am Vätternsee für eine Holzfirma als Dampfschiff gebaut. 1979 zum dieselbetriebenen Fahrgastschiff umgerüstet und später noch mal verlängert“, erklärt Kapitän Roy Thornstöng. Nur maximal 73 Passagiere dürfen an Bord. Mit sechs Knoten (elf Kilometern pro Stunde) manövriert er seine „Ellen“ durch die farbenfrohe Welt der Inseln.

Die Landschaft wirkt wie ein grandioses Gemälde. Rostrote, hellgraue oder weiße Holzhäuser sind die Farbkleckse auf dem grauen oder rötlichen Granit, mal an Back-, dann wieder an Steuerbord. Wohin man auch schaut: Bullerbü-Charme. Sogar die Farbe des Wassers verändert je nach Licht und Tiefe ihre Nuancen von Karibikblau über Türkis bis zum transparenten Hellblau. Ein paar Schaumkronen tanzen auf den Wellen, wie mit dem Pinsel hingetuscht. Das Lichtspiel am Himmel variiert zwischen wolkenlosem Tiefblau bis zum bedrohlichen Regenschwarz im Gegenlicht. Jeder Maler bekäme hier ein Feuerwerk an Inspirationen, um die Natur fantasievoll mit bunten Farbtupfern in Aquarell oder Öl umzusetzen.

„Entlang der 130 Kilometer langen Route von Göteborg bis Grebbestad gab es viele Steinbrüche“, sagt Bordreiseleiterin Margareta: „Viele Häuser in Deutschland, Nord- und Südamerika wurden mit schwedischem Granit gebaut. Bis in die 1950er Jahre war er ein Exportschlager.“ Doch ein Garten benötigt nicht nur Steine als Dekoration. In ihm wächst auch Essbares. „Die Buchten waren einst reich an Hering. Es gab so viele, dass man aus den Massen Lampenöl kochte. Öl und Heringe wurden weltweit ausgeführt. Diese Ära endete Mitte des 18. Jahrhunderts. Aber noch heute gibt es hier in Westschweden den frischesten Fisch und die schmackhaftesten Schalentiere des gesamten Landes“, sagt Margareta und empfiehlt, dies beim nächsten Landgang zu testen. Ein dick belegtes Krabbenbrötchen in Smögen, einem gut besuchten Touristenstädtchen und Zentrum der Krabbenfischerei, ist der Beweis.

Das Konzept einer Reise mit der „Ellen af Bohuslän“ unterscheidet sich von einer normalen Kreuzfahrt oder einer Tour auf dem Göta-Kanal in der Hinsicht, dass sich die Passagiere nur tagsüber auf dem Schiff aufhalten. Täglich, nach dem Frühstück in einem gemütlichen Hotel an Land, kommen sie an Bord. Drei Stunden schippert Kapitän Roy Thornstöng durch Kanäle, Fjorde und am Rande der offenen See. Gegen Mittag wird stets ein größerer Ort angelaufen. Dort kann man sich einem geführten Rundgang anschließen oder individuell herumstromern.

In Marstrand thront die Festung Carlsten über der Stadt, die seit 1658 immer wieder erweitert wurde. Sie diente dazu, den Handelsplatz und im Winter selten einmal zufrierenden Hafen zu schützen. Das Sillmuseum auf Klädesholmen informiert rund um die Heringsfischerei. Smögen lädt zum Flanieren entlang der Uferpromenade ein, die eigentlich nur ein von Boutiquen und Kunsthandwerkergeschäften gesäumter Holzsteg ist. Margaretas Vorschlag für Tanum ist eine Besichtigung der Felsritzungen aus dem Jahr 1700 vor Christus: „Fälschlicherweise werden sie häufig als Felszeichnungen bezeichnet, doch es handelt sich um in Stein geritzte Bilder“, betont die Reiseleiterin.

Nach rund zweistündigem Landgang legt das Schiff nachmittags wieder ab und setzt den Ausflug durch die Schärenwelt fort. Im nächsten Hafen folgen Übernachtung und Abendessen. Das Gepäck der Gäste reist mit dem Auto voraus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben