Reise : Sehnsucht nach Sonne

Bibbern an deutschen Küsten – auch ums Geschäft.

Winterspaziergang zu Ostern. Hier in Scharbeutz in Holstein. Foto: Axel Heimken/dpa
Winterspaziergang zu Ostern. Hier in Scharbeutz in Holstein. Foto: Axel Heimken/dpaFoto: dpa

Frost statt Frühlingswärme, eisiger Wind statt lauer Luft, Schneeballschlacht statt Sonnenbad – so erleben Osterurlauber derzeit die deutschen Küsten. Deshalb sind auch weniger gekommen, als von Hoteliers und Gastronomen erhofft. Unvorstellbar, aber vielerorts sind mehr Quartiere frei als im Vorjahr. Und auch das Geschäft mit den Tagesausflüglern wird eher bescheiden ausfallen.

Die Buchungen lägen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, doch es habe auch Stornierungen wegen des schlechten Wetters gegeben, bestätigt die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. Besonders ärgerlich: In der Vorsaison sei man auf die Tagesgäste angewiesen, deren Ansturm sich angesichts der Wetterkapriolen wohl in Grenzen halten werde.

Auch auf Sylt sind die Buchungszahlen im Vorjahresvergleich niedriger. Das liege aber nicht nur am wenig frühlingshaften Wetter, sagte Moritz Luft, der Geschäftsführer von Sylt Marketing. Wegen der frühen Osterferien stehe die Nordseeregion im stärkeren Wettbewerb mit Skiorten in den Alpen. Luft sieht die Situation mit gemischten Gefühlen: „Zwar haben Schnee und Minusgrade keine Stornierungen bereits bestehender Reservierungen ausgelöst, aber ebenso wenig haben sie die noch Unentschlossenen dazu bewegt, in den hohen Norden zu reisen.“

In Mecklenburg-Vorpommern ist die Situation kaum anders. „Der Schnee hat die Erwartungen schon etwas gedämpft“, sagte Tobias Woitendorf vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern. „Wir sprechen aber nicht von einem schlechten Saisonstart.“ Eine Umfrage, an der rund 300 Beherbergungsbetriebe teilnahmen, ergab, dass über Ostern mit rund 200 000 Übernachtungsgästen im ganzen Land zu rechnen sei – das wäre etwas unter dem Vorjahresniveau.

Ob sich Woitendorfs Hoffnung erfüllt, dass sich noch einige Gäste spontan für einen Urlaub entscheiden, dürfte angesichts der Prognosen bezweifelt werden. Während es im vergangenen Jahr an Ostern in Mecklenburg-Vorpommern 20 Grad und Sonnenschein gab, liegt derzeit vielerorts noch Schnee. Darauf reagieren auch die Hoteliers: „Viele haben einfach die Winterangebote, zum Beispiel Wellness, verlängern“, erklärt Woitendorf. Nicht zuletzt deshalb gebe es keine große Stornierungswelle, sondern Rücktritte blieben Einzelfälle.

Wer sich über Ostern kurzfristig zu ein paar Urlaubstagen entschieden habe, sei eher auf die Kanaren oder ans Mittelmeer geflogen, sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). Es habe bei den Veranstaltern einen regelrechten Run auf Sonnenschein gegeben. dpa

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