Selbstversorgung in Hotels : Champagner ans Bett

Im New Yorker Luxushotel Hilton Midtown gibt es seit August keinen Zimmerservice mehr. Ist die Serviceleistung in Deutschland bald auch nur noch ein Auslaufmodell?

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Auf dem Silbertablett. Serviert wird, was der Gast wünscht.
Auf dem Silbertablett. Serviert wird, was der Gast wünscht.Foto: p-a

Die Meldung lässt aufhorchen: Das „Hilton Midtown“ in New York schafft den Zimmerservice ab. Das kündigte die Hotelkette vor wenigen Wochen an. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Bestellungen kontinuierlich gesunken, heißt es zur Begründung. Statt sich Essen aufs Zimmer zu bestellen, können sich Gäste nunmehr an einer Selbstbedienungstheke im Foyer verpflegen. Eine Entwicklung, der sich Hotels in Deutschland bald anschließen?

Von einem globalen Trend kann keine Rede sein – zumindest noch nicht. Nur die Maritim-Hotelgesellschaft verfolgt die Diskussion „mit großem Interesse“ und kann sich laut einer Sprecherin vorstellen, „dass sich hier schrittweise Änderungen ergeben“. Beim Hotelverband Deutschland (IHA) ist man skeptischer. Zwar gebe es mittlerweile Hotels, die einen kleinen Markt im Foyer eingerichtet haben. Dies sei aber nicht die Regel. „Ein Minimarkt im Foyer wird den Roomservice in Zukunft nicht ersetzen“, sagt eine Sprecherin. Insbesondere für kleinere Hotels sei ein individueller Roomservice praktischer und billiger. Selbst bei Hilton bestehen derzeit laut einer Sprecherin keine Pläne, das neue Konzept aus New York auch in Deutschland umzusetzen. Offenbar laufen die Bestellungen noch gut. Bei Best Western heißt es, dass viele Gäste vor allem das Frühstück nach wie vor sehr gerne auf dem Zimmer einnehmen.

Den Luxus lassen sich die Kunden meist auch etwas kosten. Denn Zimmerservice ist nicht gratis zu haben. Die Maritim-Hotels berechnen drei Euro Aufschlag. Bei den Best-Western-Häusern legt jedes Hotel den Aufpreis individuell fest. Das „Taschenbergpalais Kempinski“ in Dresden verlangt 3,50 Euro pro Bestellung. Bei Mercure ist der Service dagegen – zumindest beim Frühstück – gratis. Genaue Zahlen, wie viel die Hotels im Durchschnitt verlangen, liegen dem IHA nicht vor.

Klare Vorgaben existieren dagegen bei der Frage, in welcher Sternekategorie Zimmerservice im Angebot sein muss. Bei fünf Sternen ist ein 24-Stunden-Zimmerservice für Getränke und Speisen Pflicht. Bei Vier-Sterne-Häusern müssen Getränke rund um die Uhr verfügbar sein. Allerdings kann in diesem Fall eine Minibar den Roomservice ersetzen. Speisen müssen im Zimmerservice bis 22 Uhr angeboten werden. Nach einer Statistik des IHA bieten 5262 der 8585 klassifizierten Hotels einen Roomservice an – auch viele Häuser mit weniger als vier Sternen haben also Zimmerservice.

Der Ablauf der Bestellung sei meist gleich, erläutert der IHA. Es gibt entweder eine spezielle Rufnummer oder man meldet sich an der Rezeption. Viele Hotels bieten auch eine spezielle Karte für den Roomservice, der neben Getränken kleine Speisen umfasst. Das Berliner „Adlon“ testet derzeit iPads für den Service: Sie liegen in Zimmern und Suiten und bieten eine Übersicht über sämtliche Leistungen des Hotels. Außerdem können Gäste direkt über die Tablet-PCs bestellen.

Wie lange am Tag der Zimmerservice verfügbar ist, hängt meist von der Sternekategorie des Hotels ab. In den absolut hochklassigen Häusern wird der besondere Getränkewunsch oder wenigstens die kleine Mahlzeit 24/7 angeboten, also rund um die Uhr, Tag für Tag. Bei den meisten Hotels jedoch ist um 23 Uhr mit den Wünschen nach Speisen und Getränke im Zimmer Schluss. Manche bieten den besonderen Service gar nur stundenweise an. Ein bisschen Vorlaufzeit müssen die Gäste den Bediensteten jedoch meist lassen. Im „Adlon“ etwa lautet die Faustregel: Der Gast darf nicht länger als 30 Minuten warten.

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