Reise : Selten halten Jeeps im Dorf

Weiße Hoteliers, schwarze Kellner: In Südafrika sind die Rollen noch immer klar verteilt. Sanfter Tourismus könnte das ändern

Odile Jolys
Ein Lächeln zum Dessert. Übernachtung und Einkehr in schönen südafrikanischen Lodges haben ihren Preis. Das Personal hat meist wenig davon. Foto: digitalma, Rudolf/keystone
Ein Lächeln zum Dessert. Übernachtung und Einkehr in schönen südafrikanischen Lodges haben ihren Preis. Das Personal hat meist...Foto: digitalma, Rudolf / Keystone Pre

In ländlichen Gebieten Südafrikas gibt es Bemühungen, die lokale Bevölkerung am Ausbau des Tourismus zu beteiligen. Doch oft bestehen die alten Rassenschranken fort: Die Touristen und Hotelbesitzer sind weiß, die Fremdenführer und Kellner schwarz. Die Einheimischen in der Urlaubsregion bleiben meist die Stiefkinder der Reisebranche, zeigen aber mancherorts auch wenig Interesse, Chancen zu ergreifen.

Ein Beispiel ist das Naturreservat Kosi Bay im äußersten Südosten Südafrikas, der für seine einsamen Strände, sumpfigen Wälder und fischreichen Gewässer bekannt ist. Wenn Touristen in ihren Jeeps über die Sandpisten ankommen, werden sie mit lauten Rufen begrüßt. Ein leutseliger Mann, Mitte 30, stellt sich schlicht als Robert vor und bietet seine Dienste als Fremdenführer an.

Mit seinen Kollegen hilft der schwarze Südafrikaner aus Kosi Bay auch beim Aufbau von Zeltlagern, beim Angeln, bei der Suche nach Feuerholz oder beim Schutz vor Dieben. Die jungen Männer verlangen dafür umgerechnet acht Euro pro Tag. „Zu Weihnachten und Ostern werde ich manchmal für einen ganzen Monat gebucht und verdiene dann um die 2000 Rand“, sagt Robert, der Vater von zwei Kindern ist. Das sind umgerechnet 200 Euro – eine beträchtliche Summe für die Menschen in einem ehemaligen Homeland. In jenen Gebieten hatte das Apartheidregime schwarze Südafrikaner zusammengepfercht, bevor es 1994 abgeschafft wurde.

Ein Forstbetrieb ist der einzige größere Arbeitgeber in der Region. Robert gibt sich jedoch gelassen. Jetzt, außerhalb der Hochsaison, gehe er oft fischen, sagt er. „Die Lage verbessert sich für uns“, findet er. Und tatsächlich gibt es Leitungswasser, Toilettenhäuschen und bald Strom in den Häusern.

An den Sandpisten stehen auch neue Schulen. An ihrer Finanzierung war die Gemeinde beteiligt, auch dank der fünf Rand (rund 50 Cent), die sie pro Tag vom Eintrittsgeld der Reservatsbesucher erhält. Die Behörde des Naturreservats finanziert auch den Besuch von Schule und Universität einiger Jugendlicher.  Aber die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung sei schwierig, erklärt Mary, die ihren richtigen Namen nicht in einer Zeitung lesen will. Sie leitet das Büro des Naturreservates und ist die einzige Angestellte, die nicht aus der Gegend kommt. Nach ihren Worten scheitern viele Versuche, die Einheimischen mehr an der Tourismusentwicklung zu beteiligen. „Sie haben kein großes Interesse,“ beklagt die 35-jährige Schwarze.

Die Uniformen, die das Naturreservat an „Tourismusassistenten“ wie Robert verteilt habe, wurden nach ihren Worten binnen eines Jahres weiterverkauft. Für Wanderungen in den Sumpfwäldern fanden sich keine lokalen Führer, angeblich wegen zu vieler Insekten. Und die angebotenen Trainingskurse stießen nur auf ein geringes Echo.

Die Touristen sind zumeist weiße Südafrikaner. Sie übernachten in den Naturparks oder in den privaten Lodges, die in weißer Hand sind.

Daneben liegen die Dörfer der Einheimischen, die sich meist nur als Kellner, Putzkräfte und Sicherheitsleute bei den touristischen Einrichtungen verdingen. Restaurants, Unterkünfte oder kulturelle Angebote sucht man in den Dörfern vergeblich.   „Wir haben lange getrennt gelebt und wissen so wenig von einander“ sagt Elijah Mbonane, Touristenführer in den Drakensbergen, zu Weißen und Schwarzen in Südafrika. Der Zulu hat ein kleines Reisebüro eröffnet und führt Besucher durch sein Dorf, das am Fuß des beliebten Royal-Natal-Parks liegt. Er will Touristen den Alltag jenseits der Folklore zeigen.

Dafür musste er die Dorfbewohner erst gewinnen. Einen Teil seiner Einnahmen gibt Mbonane der Gemeinschaft ab. Auch in seinem Dorf aber können Touristen weder essen noch übernachten.. Das Interesse der Besucher an den Dörfern sei eben auch begrenzt, sagt Mbonane. Sie wohnten wohl doch lieber in ihren Hotels. Viel gefragter seien die geführten Wanderungen durch die Natur.

Mbonane ist glücklich, in seiner Heimat arbeiten zu können und denkt nicht ans Weggehen. In Kosi Bay aber kann der Tourismus die Landflucht nicht stoppen: Robert lässt keine Gelegenheit aus, Besucher nach einem Job in der Stadt zu fragen. Sein Bruder hat bereits eine Stelle als Gärtner in Johannesburg ergattert. (epd)

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