Reise : Sichere Einkehr

Nachdem hunderte Gäste auf Hütten im Allgäu erkrankt waren, gibt’s Entwarnung

Gerd W. Seidemann
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Treten Sie näher, alles wird gut. Die Rappenseehütte auf dem Allgäuer Alpenhauptkamm ist desinfiziert, eine neue...

Die Rappenseehütte im Allgäu wirbt mit dem Slogan „… dem Himmel ein Stückchen näher“. Genau so, nur anders als gemeint, fühlten sich vor einer Woche 130 Wanderer, die auf 2091 Meter eingekehrt waren und sich in der Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins (DAV) eine gefährliche Magen-Darm-Infektion zugezogen hatten. Mit Hubschraubern mussten 39 Menschen ausgeflogen und in Krankenhäusern behandelt werden, einige stationär. Auch auf anderen Hütten des Vereins in der Region erkrankten Wanderer. Als Ursachen der Massenerkrankung nannte jetzt das Landratsamt Oberallgäu in Sonthofen „mit Coli-Bakterien verschmutztes Trinkwasser auf der Rappenseehütte und durch Wanderer eingeschleppte Noro-Viren“.

Inzwischen sind die fünf betroffenen Hütten nach Auskunft des DAV „komplett desinfiziert“. Das Landratsamt habe die Schließung der Rappenseehütte aufgehoben, nachdem eine neue Aufbereitungsanlage für das Quellwasser installiert wurde, sagte DAV-Sprecherin Andrea Händel. Bis zur endgültigen Abnahme durch die Gesundheitsbehörden laufe ein „Notbetrieb“: Die Duschen blieben gesperrt, Mineralwasser werde nicht nur zum Trinken angeboten, sondern auch zum Kochen verwendet, es gebe nur ein eingeschränktes Speiseangebot.

Der DAV gibt also „grünes Licht“ für alle Hütten. „So etwas hat es in dieser Form noch nicht gegeben“, sagte die Sprecherin des Vereins dem Tagesspiegel. Gegen das Einschleppen von Noro-Viren gebe es kein Mittel. In der Vergangenheit seien schon Kreuzfahrtschiffe, einzelne Hotels oder auch kleinere Gemeinden davon betroffen gewesen. Die Wasserversorgung am Berg sei hingegen immer etwas heikler. Nicht zuletzt weil dort auch Viehhaltung betrieben werde, gebe es keine hundertprozentige Sicherheit. Doch im Prinzip gelten die gleichen Hygienevorschriften auf den Hütten wie in den Hotels im Tal. „Und unsere Hüttenwirte achten penibel darauf“, betonte die Sprecherin. Technische Pannen seien allerdings nie ganz auszuschließen.

Als „unglücklich“ bezeichnete es Andrea Händel, dass sich die beiden Infektionskrankheiten – durch Coli-Bakterien einerseits, durch das Noro-Virus andererseits – überlagert hätten. Das habe zunächst für Verwirrung gesorgt. „Das Virus kam offenbar von außen, damit konnte man nicht unbedingt rechnen.“

Als einzige Ursache für die Vielzahl der Erkrankungen galt zunächst verunreinigtes Trinkwasser auf der Rappenseehütte. Dort sei die UV-Wasseraufbereitungsanlage defekt gewesen, hieß es in ersten Stellungnahmen vonseiten der ermittelnden Behörden. Oberstdorfer Ärzte hegten jedoch angesichts der ersten Krankheitsbilder sogleich den Verdacht, dass Coli-Bakterien allein nicht zu solch schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen führen könnten, wie sie bei den Hüttengästen aufgetreten waren. Es musste eine zusätzliche Ursache geben. Das Ergebnis: Noro-Viren.

Noro-Viren seien allerdings nicht im Wasser der Rappenseehütte gewesen, teilte das Landratsamt Oberallgäu mit. Bei einer Untersuchung seien „E.coli-Bakterien, Enterokokken und coliforme Keime“ festgestellt worden, Alle drei Erreger dürften im Trinkwasser nicht vorkommen, sagte eine Behörden-Sprecherin. Das sei auf die defekte Wasseranlage der Hütte zurückzuführen.

Die Rappenseehütte auf dem Allgäuer Hauptkamm der Alpen verfügt über 300 Lagerplätze und 42 Betten. Ebenfalls betroffen waren die Kemptner Hütte, die Mindelheimer Hütte, das Prinz-Luitpold-Haus und auch das Waltenberger Haus.

Der DAV weist nach dem Dilemma noch einmal darauf hin, dass auf allen 332 Hütten des Vereins „höchste Qualitätsstandards für die Gewinnung und Aufbereitung von Trinkwasser“ gelten. Neben intensiver Schulung der Hüttenwirte seien regelmäßige Entnahmen und Analysen von Wasserproben die Regel. Als gängigste Methode zur Desinfektion von Quell- und Oberflächenwasser habe sich die Bestrahlung mit UV-C-Licht durchgesetzt. Bereits eine kurze Einwirkzeit befreie das Wasser von Krankheitserregern. Vorausgesetzt: Alles funktioniert.

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