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Skiabentuer in Strbske Pleso : Das Leuchten vereister Zweige

16.12.2012 00:00 Uhrvon
Gipfeltreffen. Die Landschaft der Hohen Tatra ist faszinierend. Und selten herrscht viel Betrieb in den Loipen rund um Strbske Pleso.Bild vergrößern
Gipfeltreffen. Die Landschaft der Hohen Tatra ist faszinierend. Und selten herrscht viel Betrieb in den Loipen rund um Strbske Pleso. - Foto: mauritius images

Die Hohe Tatra gehört großteils zur Slowakei. Eigenwillige Menschen leben hier – und gehen im Winter in die Loipen.

Fünfzehn Grad unter Null. Nebel liegt über Strbske Pleso, verhüllt die Felsen, die verschneiten Abhänge, die Tannenwälder und Gebirgsseen. Irgendwo hinter den Schwaden muss der Krivan in den Himmel ragen, der berühmteste Berg der Slowakei.

Einst sandte der Herrgott einen Engel zur Erde, erzählt man sich in der Hohen Tatra, um an ausgewählten Orten himmlische Schönheit auszustreuen. Der Engel sei mit seinem Rucksack am Gipfel dieses 2500 Meter hohen Berges hängen geblieben. So habe der Krivan, das „Matterhorn der Slowakei“, seine markante, schräge Form erhalten – und der Gottesbote seine gesamten Schätze hier ausgeschüttet.

Ich kann ihn nicht sehen, den slowakischen Zauberberg.

Der Blick reicht keine drei Meter weit, an diesem Morgen im Winterkurort Strbske Pleso. Zögerlich stehe ich im harschigen Schnee, die geliehenen Langlaufskier unterm Arm. Mich fröstelt, die Nase läuft.

„Los geht's!“, ruft Tomas, mein Trainer, und lacht aufmunternd. „Auf ins Abenteuer!“ Tomas ist Anfang 30, bestens gelaunt, und trägt einen roten Skilehrer-Overall. Jetzt lässt er seine muskulösen Arme wie Propeller kreisen. Das rege die Durchblutung an. Seine Bretter hat er bereits untergeschnallt. Seltsam: Einer der Ski ist pink-, der andere rosafarben. Die neueste slowakische Mode? „Ursprünglich waren es zwei Paar“, sagt der Trainer und rückt seine Sonnenbrille zurecht. „Ein Ski ist mir im Tiefschnee abgebrochen, ein zweiter beim Schanzenspringen.“

Es scheint sich einiges getan zu haben beim Langlaufsport seit dem Winter 1987, als ich zum letzten Mal auf solchen Brettern stand. Es war in einem Schulskilager in den Schweizer Bergen. Wir wollten auf Alpin-Skiern die Hänge hinunterrasen, aber die Lehrer zwangen uns zum Langlauf. Sexy wie Patience legen, fanden wir das.

Mit dem Alter ändern sich die Leidenschaften. Heute träume ich davon, gemächlich durch eine märchenhafte Winterlandschaft zu gleiten: sanfte Bewegungen in frischer Bergluft, aktive Entspannung ohne präpotente Raser. Ein Winterurlaub in der Hohen Tatra, abseits der Touristenströme, schien mir wie geschaffen, um meine Langlaufkenntnisse aufzufrischen. Und nun bin ich an einen Schanzenspringer geraten.

Bei Strbske Pleso finden sich gespurte Loipen ebenso wie Querschneefeldein-Strecken, die die Nerven kitzeln. Und es ist ein historisch bedeutsamer Ort, an dem ich meinen Neuanfang wage. Die besten Langläufer der Welt kämpften hier um Medaillen, erzählt Tomas. „Dort drüben saßen die Reporter und Moderatoren“, sagt er und deutet auf eine heruntergekommene Holzbaracke. Er spricht von der Wintersport-Weltmeisterschaft im Jahr 1970.

Hüftsteif stakse ich hinter meinem Trainer her. In diesem Moment reißt der Nebel auf – und gibt den Blick auf ein überwältigendes Panorama frei: Direkt vor uns liegt der purpurn schillernde, vereiste Tschirmer See. Dahinter schlagen sich Felszacken wie Raubtierzähne in den tiefblauen Himmel. „Das dort drüben ist der Satan“, sagt Tomas, und deutet auf einen besonders steilen Gipfel. „Eine Herausforderung für jeden Wintersportler.“ Weiter rechts erkenne ich den König der slowakischen Berge: Den bildschönen Krivan, dessen tief verschneite Hänge aussehen wie mit Schlagsahne garniert. An der Spitze dieses Wunders der Natur soll sich einst der Engel Gottes verheddert haben.

Auch ich bleibe kurz darauf hängen. Ein Eisklotz liegt mitten auf der Piste, und irgendwie gerät das Ding zwischen meine Skier. Kopfüber lande ich im Tiefschnee. „Die Beine immer ganz durch schwingen“, doziert Tomas, als ich mich wieder aufgerappelt habe, und macht elegante Beinschlenker vor, irgendwas zwischen Hürdenlauf und Schwanensee. Und mit den Armen würde ich noch zu sehr kraulen, sagt der Trainer, ein typischer Anfängerfehler. Geradliniger, entschiedener Stockeinsatz!, fordert er.

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