Spargel : Deutschland bleibt bei der Stange

Spargel ist das Gemüse der Saison. Viele Anbaugebiete sind nicht nur eine kulinarische Reise wert.

Martin Cyris
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Foto: promo

Frischer Spargel versetzt Gourmets in dieser Jahreszeit wieder in Verzückung. Die Berliner haben bereits in den Tagen vor Ostern die Spargelhöfe des Umlandes gestürmt. Doch auch in anderen Gegenden Deutschlands gibt es Spargelhochburgen, wo in der Saison bis Mitte Juni Hochbetrieb in den einschlägigen Betrieben herrscht. Und es gibt viel zu tun. Deutsche sind Spargelesser vor dem Herrn. Im vergangenen Jahr wurde eine ertragreiche Ernte eingefahren. Auf rund 20 000 Hektar Anbaufläche wurden sagenhafte 100 Millionen Kilogramm Spargel geerntet, also zwei Millionen Zentner. Die Namen der Orte und Regionen, in denen das weiße Gemüse angebaut wird, hat jeder schon mal gehört – aber nicht unbedingt besucht. Dabei sind die deutschen „Spargelhauptstädte“ einen Kurzurlaub wert, nicht nur wegen des frisch gestochenen Gemüses in den Gasthäusern und auf den Spargelmärkten. Also darf man sich ruhig mal sagen: Geh’ hin, wo der Spargel wächst!

Beelitz (Brandenburg)

Janz Berlin hängt jetzt wieder an der Stange, das heißt an den Stangen aus Beelitz. Der Ort und viele Nachbargemeinden im Bezirk Potsdam-Mittelmark, südwestlich von Berlin, versorgen die Hauptstadt mit frischem Spargel. Berlinern muss man den Zusammenhang von Beelitz und Spargel nicht erklären. Doch auch vielen Berlintouristen ist der Name des brandenburgischen Städtchens ein Begriff, denn zur Spargelzeit fehlt „Beelitzer Spargel“ auf kaum einer Speisekarte der Hauptstadt. Wer tatsächlich noch nicht dort war, wo das Gemüse herkommt: In Beelitz findet der Besucher auch einen historischen Stadtkern mit einer Handvoll gut erhaltener Bauten, etwa der Stadtpfarrkirche aus dem 13. Jahrhundert. Architektur- und Geschichtsinteressierte sollten zudem den Beelitz-Heilstätten einen Besuch abstatten, einer früheren Lungenheilstätte, die später von sowjetischen Truppen als Militärhospital genutzt wurde. Heilsam ist die Umgebung von Beelitz allemal, denn die Stadt liegt im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Wanderer und (im Herbst) Pilzesammler finden hier ihr Terrain. Doch jetzt ist in den märkischen Dörfern der Gegend vor allem eins angesagt: erntefrischer Spargel.

Mehr dazu im Internet:

www.beelitz.de

Kutzleben (Thüringen)

Ohne das weiße Gemüse wäre das sogenannte Thüringer Kernland ein weißer Fleck auf der Landkarte. Nordwestlich von Erfurt, zwischen Bad Langensalza und Sömmerda, liegt Kutzleben. Hauptattraktion des 800-Seelen-Dorfs ist neben einigen wirklich uralten Bauernhöfen vor allem ganz feiner Spargel (und – nicht zu unterschätzen – Hopfen). Kutzleben gehört zu Bad Tennstedt, einer Kurstadt, die mit einem historischen Kurpark und einer Kneippanlage aufwarten kann. Das schwefelhaltige Heilwasser wurde 1816 von keinem geringeren als Johann Wolfgang von Goethe genutzt, und so war es unvermeidlich, dass es in Bad Tennstedt auch ein Goethehaus gibt. Von hier sind es nur zehn Kilometer nach Bad Langensalza, ebenfalls Kurort. Bad Langensalza ist bekannt für seine schmucken Kuranlagen. Einen Besuch lohnt auch der nahe gelegene Nationalpark Hainich. Hier gibt es eine Vielzahl an Wanderwegen und nahe der Thiemsburg den überregional bekannten Baumkronenpfad – ein Naturlehrpfad in luftiger Höhe. An der höchsten Stelle erreicht er 44 Meter über dem Boden – beziehungsweise über Spargelfeldniveau.

Mehr dazu im Internet:

www.badtennstedt.de,

www.badlangensalza.de

Nienburg/Weser (Niedersachsen)

Der Landkreis Nienburg, zwischen Bremen und Hannover gelegen, ist eines der größten deutschen Spargelanbaugebiete. Durch die Landschaft der Mittelweser führt die sogenannte Spargelstraße, die mehrere Spargelgemeinden Niedersachsens miteinander verbindet. Als die bedeutendste gilt Nienburg. Dem edlen Gemüse wird in jeder Saison mit einem Spargellauf gehuldigt, der in diesem Jahr am 16. Mai mitten durch den Ort führt. Wer vom Thema Spargel nicht genug bekommt, kann dem Nienburger Spargelmuseum einen Besuch abstatten. Sehenswert jedoch auch die Nienburger Fachwerkhäuser, darunter das Rathaus aus dem 14. Jahrhundert. Der Kirchturm von St. Martin, dem Wahrzeichen von Nienburg, streckt sich spargelartig in die Höhe. In der Umgebung liegt das vielleicht bekannteste Zisterzienserkloster Deutschlands: Kloster Loccum. Das Ordenshaus wurde bereits 1163 gegründet. Unweit davon, in Bad Rehburg, befindet sich ein Kurbad aus der Zeit der Romantik (frühes 19. Jahrhundert), eines von nur noch zwei erhaltenen in ganz Deutschland.

Mehr dazu im Internet:

www.nienburg.de

Walbeck (Nordrhein-Westfalen)

Walbeck ist ein Ortsteil von Geldern, kurz vor der niederländischen Grenze. Der Ort am Niederrhein zählt nur wenige tausend Einwohner, aber überproportional viele Restaurants, weshalb Walbeck auch den inoffiziellen Titel „Spargeldorf“ trägt. In den Lokalen wird das gesunde Gemüse in allen erdenklichen Variationen angeboten. Am ersten Sonntag im Mai fallen regelmäßig tausende Besucher über das Dorf her – dann findet der Spargelmarkt statt. Wer sich an der Spargelprinzessin satt gesehen hat, dem seien die Sehenswürdigkeiten der Umgebung ans Herz gelegt. Etwa die Steprather Mühle aus dem 15. Jahrhundert, die älteste funktionierende Windmühle Deutschlands. Oder das Schloss Walbeck – hier wohnte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Begründer des Walbecker Spargelanbaus, ein gewisser Major Klein-Walbeck. Um Butter, Schinken und Sauce Hollandaise schneller zu verbrennen, empfiehlt sich ein Ausflug per Fahrrad oder zu Fuß zum sogenannten Fossa Eugeniana. Dabei handelt es sich um einen Kanal, der im 17. Jahrhundert von spanischen Truppen angelegt wurde. Er sollte das niederländische Venlo mit dem Rhein verbinden. Der unvollendete Kanal endet bei Walbeck und dient heute als Naherholungsraum.

Mehr dazu im Internet:

www.walbeck.net

Schrobenhausen (Bayern)

Im Land von Weißbier und Weißwurst weiß man auch weißes Gemüse zu schätzen. Der Begriff für Spargel aus Bayern ist fest verbunden mit Schrobenhausen. Zwischen April und Juni steigt die Zahl der Besucher in dem beschaulichen oberbayrischen Städtchen stark an. Dann sind nicht nur die Stände der Spargelbauern auf dem Wochenmarkt gut besucht, sondern auch das weltweit erste Spargelmuseum. Höhepunkt ist der Spargelmarkt (9. Mai), bei dem sich einen Tag lang alles um das betörende Gemüse dreht. Außer Esskultur für Spargelliebhaber, etwa in gut bürgerlichen Gasthöfen, bietet Schrobenhausen auch eine Reihe sehenswerter Bauten, nicht zuletzt das Geburtshaus von Franz von Lenbach. Dem Maler ist auch ein Museum gewidmet. Für eine Wanderung oder Radtour eignet sich das Paartal vor den Toren Schrobenhausens mit seinen idyllischen, naturbelassenen Talauen. Zur Spargelzeit staksen dort Störche durch die blühenden Feuchtwiesen. Weißstörche, versteht sich.

Mehr dazu im Internet:

 www.schrobenhausen.de

Schwetzingen (Baden-Württemberg)

Schwetzingen – ein Synonym für Schloss und Spargel. Das Stangengemüse hat in der kurpfälzischen Stadt eine lange Tradition. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts wurde im Schlossgarten Spargel angebaut. Der Spargelmarkt – seit mehr als 100 Jahren am ersten Sonnabend im Mai – findet standesgemäß im prunkvollsten Gebäude Schwetzingens statt. Die ehemalige Sommerresidenz der Kurfürsten von der Pfalz ist das bekannte Wahrzeichen der 22 000 Einwohner zählenden Stadt. Einen ausgedehnten Spaziergang wert ist der Schlossgarten, der sich von einem typischen Barockgarten zu einer Anlage im englischen Stil erweitert. Im Schlossgarten gibt es einige weitere ansehnliche Gebäude, etwa das „Rokokotheater“, die Orangerie, das Badhaus – Rückzugsort des Kurfürsten, mit kostbaren Innenräumen – sowie diverse kleine Tempel, die der Antike nachempfunden wurden. Vor drei Jahren wurde die Aufnahme der kurpfälzischen Sommerresidenz Schwetzingen in das Welterbe der Unesco beantragt. Die Entscheidung darüber fällt im kommenden Juni – und damit genau auf den letzten Monat der Spargelsaison.

Mehr dazu im Internet:

www.schwetzingen.de

Bruchsal (Baden-Württemberg)

Der größte Spargelmarkt Europas wird alljährlich in Bruchsal abgehalten (10. Mai). Spargel wird hier auch als das „weiße Gold des Rheintals“ bezeichnet – die Bruchsaler Preise gelten als richtungsweisend für den deutschen Markt. Die umliegenden Weinhänge liefern gleich die richtigen Tropfen für die Spargelgerichte, die in gemütlichen Gaststätten angeboten werden. Von den sanften Hügeln aus bietet sich ein herrlicher Blick auf die badische Barockstadt, die im Dreieck Karlsruhe–Heidelberg–Speyer am Rande des Kraichgaus liegt. Das Kraichgau wurde nicht zuletzt durch den Aufstieg der TSG 1899 Hoffenheim in die erste Fußballbundesliga bekannt. Der Star der Bruchsaler Sehenswürdigkeiten ist zweifellos das Barockschloss. Hier wird eine umfangreiche Sammlung an mechanischen Musikinstrumenten, zum Beispiel Dutzende Spieldosen aus den vergangenen drei Jahrhunderten, verwahrt und gezeigt.

Mehr dazu im Internet:

www.bruchsal.de

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