Stralsunder Ozeaneum : Im Reich der Flossen

Aale, Haie, Ohrenquallen: Im Stralsunder Ozeaneum leben rund 7000 Tiere. Besucher tauchen ein in ihre fragilen Meereswelten.

Paul Janositz
„Und der Haifisch, der hat Zähne...“ Und die hat natürlich auch die Berlinerin Niki, die heute im Stralsunder Ozeaneum ihre Bahnen zieht.
„Und der Haifisch, der hat Zähne...“ Und die hat natürlich auch die Berlinerin Niki, die heute im Stralsunder Ozeaneum ihre Bahnen...Foto: Johannes-Maria Schlorke, Ozeaneum

Niki dreht ungestört ihre Runden. Das zweieinhalb Meter lange Haiweibchen ist erst in diesem Jahr vom Berliner Zoo-Aquarium nach Stralsund umgezogen. Im Schwarmfischbecken „Offener Atlantik“ des Ozeaneums hat sie einfach mehr Platz. In 2,6 Millionen Liter Meerwasser und einer Beckentiefe von neun Metern fühlt sich Niki sichtlich wohl. Der Sandtigerhai hat reichlich Gesellschaft. Rochen sind da und zwei kleinere Ammenhaie, die heute träge auf dem Beckenboden liegen. Zudem umkreisen Niki Tausende hell glänzender Schwarmfische wie Makrelen, Doraden oder Drückerfische. Silbrig blitzen ihre Körper auf und umrahmen Niki wie ein Medaillon.

Spektakuläres hat das größte Meeresmuseum Europas allerdings bereits am Eingang zu bieten. Im gläsernen Foyer hängen drei imposante Walskelette neben der mit 30 Metern längsten freitragenden Rolltreppe Europas, wie Harald Benke, Leiter des Ozeaneums, betont. Er hätte gerne eine 33 Meter lange Treppe gehabt, so lang, wie Blauwale werden können, doch die Statik sprach dagegen.

In der Halle „Riesen der Meere“ ist das imposante Modell eines Blauwals zu bewundern. An der Decke hängen zudem ein Buckelwalweibchen mit Jungtier, ein Schwertwal sowie die Skulptur eines Pottwals, der mit einem Riesenkalmar kämpft. Untermalt wird dieses Drama mit einer Licht- Ton-Schau. Auf Liegen kann der Besucher die tiefen, Hunderte von Kilometer reichenden Töne des Blauwals, die Gesänge des Buckelwals oder die Klicks der Pottwale hören, mit denen sie die Beute in bis zu 3000 Meter Tiefe aufspüren.

Riesenkaiman gegen Pottwal - am Modell dargestellt.
Riesenkaiman gegen Pottwal - am Modell dargestellt.Foto: Johannes-Maria Schlorke

Doch das Ozeaneum bietet auch ruhige Szenen. Etwa am ersten Aquarium des Rundgangs, wo sich rotbraune Würmer im Sand kringeln und Krebse auf ihre schräge Weise an der Scheibe entlanglaufen. Eine dunkle, eckig anmutende Flunder gräbt sich in den weißgrauen Boden. Ein Aal versteckt sich in einer Tonröhre, die halb aus dem Schlamm ragt, andere Aale klammern sich an einen verrosteten Einkaufswagen. Er wurde ebenso im Stralsunder Hafenbecken gefunden wie das ramponierte Fahrrad, an dem nun auch, nahezu reglos, Aale hängen. „Erst nachts werden sie aktiv“, berichtet Museumspädagogin Ria Schmechel.

Im schwach salzhaltigen Wasser des Aquariums „Stralsunder Hafenbecken“ fühlen sich gleichermaßen Fische wohl, die meist im Süßwasser leben wie Barsch, Zander oder Hecht, und solche, die Salzwasser bevorzugen, wie Dorsch oder Scholle. Das entspricht den Verhältnissen im Hafen der Hansestadt, der nur wenige Meter entfernt ist, sagt Schmechel.

Schnell hat sich das vor fünf Jahren eröffnete Museum zum Publikumsmagneten entwickelt. Seit2008 hat der spektakuläre Neubau etwa 3,5 Millionen Besucher angelockt. „Die gewölbten Fassaden sind mit Stahlplatten eingefasst, wie sie auch im Schiffsbau verwendet werden“, sagt Harald Benke. Der 56-jährige Meeresbiologe ist auch Direktor des alten Meeresmuseums, das ein paar Straßen weiter im einstigen Katharinenkloster vor allem die tropischen Ozeane und das Mittelmeer zum Thema hat.

Das Ozeaneum konzentriert sich dagegen auf Ost- und Nordsee sowie den Nordatlantik. Der Felseninsel Helgoland ist ein Tunnelaquarium gewidmet, das Gezeitenbecken simuliert Ebbe und Flut, und im Brandungsbecken brausen die Wellen jede Minute aufs Neue.

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