Karibik : Am Strand von Curaçao

Einst war Curaçao Hauptumschlagplatz des Sklavenhandels. Heute kommen Touristen – um mit Schildkröten zu schwimmen und Kolibris beim Rückwärtsfliegen zu bewundern.

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Neben Badebuchten gibt es auf Curaçao auch reichlich Infinity-Pools. Dieser gehört zum Papagayo Resort.Weitere Bilder anzeigen
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05.07.2013 15:55Neben Badebuchten gibt es auf Curaçao auch reichlich Infinity-Pools. Dieser gehört zum Papagayo Resort.

Hier also soll der Aufstand begonnen haben. Wer auf der Terrasse des Landhauses Kenepa steht und hinab ins knallgrüne Tal blickt, dem fällt so manches ein, was er jetzt gern täte: sich Schatten suchen, Cola mit Eis bestellen, die bergige Traumlandschaft bestaunen. Zur Not auch an einem der Workshops teilnehmen, die zeigen, wie sich aus schleimigem Kaktusfleisch eine schleimige Kaktussuppe zubereiten lässt. Doch hier oben, auf dieser Terrasse, wurde Geschichte geschrieben, vor bald 220 Jahren. Es war der Anfang vom Ende des alten Curaçao.

Bis vor wenigen Wochen ging es dem Besucher so wie den allermeisten Deutschen: Mit dem Wort „Curaçao“ konnte er nur etwas anfangen, wenn ein „Blue“ davor stand. Wer aber deshalb denkt, er bekäme schon bei der Ankunft am Flughafen ein Glas des süßen Likörs in die Hand gedrückt oder spätestens im Hotel, der irrt. Um es vorwegzunehmen: Man kann einen ganzen Urlaub auf Curaçao verbringen, ohne auch nur in die Nähe von Alkohol zu geraten. Es ist wohl einfach zu heiß, um sich zu betrinken.

Auf der Terrasse des Landhauses Kenepa, im Nordwesten der Insel, steht eine Frau in gelbem Gewand. Sie heißt Jeanne Henriquez, und wer Curaçao verstehen möchte, sollte sie besuchen. Henriquez ist die Direktorin des Museums, das heute in dem alten Gebäude untergebracht ist und die Geschichte des Aufstands erzählt. Im 18. Jahrhundert war Curaçao eine Kolonie der Niederlande – und Hauptumschlagplatz für alle Sklaven, die aus Afrika über den Atlantik gebracht wurden. Wer die Strapazen der Fahrt überlebte, sagt Jeanne Henriquez, wurde auf Curaçao in ein Lager gesperrt und wieder zu Kräften gebracht, damit sein Marktwert stieg – bevor er dann an weiße Siedler in ganz Lateinamerika weiterverkauft wurde.

Am Strand von Curaçao
Neben Badebuchten gibt es auf Curaçao auch reichlich Infinity-Pools. Dieser gehört zum Papagayo Resort.Weitere Bilder anzeigen
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05.07.2013 15:55Neben Badebuchten gibt es auf Curaçao auch reichlich Infinity-Pools. Dieser gehört zum Papagayo Resort.

Heute ist Curaçao ein Schmelztiegel. Man trifft Nachkommen von Sklaven und Sklavenhändlern, Europäern und Afrikanern, auch sephardische Juden, deren Vorfahren einst aus Spanien oder Portugal flohen. Es gibt Gastarbeiterfamilien aus Asien oder vom lateinamerikanischen Festland. Venezuela liegt nur 60 Kilometer entfernt, lässt sich an klaren Tagen mit bloßem Auge erkennen, und Wolken sind hier äußerst selten. Auch die Architektur wirkt wie ein bunter Mischmasch an kulturellen Einflüssen, wobei besonders die Kolonialbauten der Holländer ins Auge springen: In Willemstad, Curaçaos Hauptstadt, sind die Häuserfassaden der Hafenfront in grellen Farben gestrichen.

Pink direkt neben Blau neben Grün neben Gelb. Man steht davor und denkt: Das können die doch jetzt nicht ernst meinen! Tun sie aber. Eine Gasse trägt den Namen „Heerenstraat“, Herrenstraße. Gab es denn keine Versuche, die umzubenennen, nach der Abschaffung der Sklaverei? Unsere Stadtführerin zuckt mit den Schultern.

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