Karibik : Providencia - das kleine Inselparadies

Die Insel Providencia mit ihrer eindrucksvollen Naturkulisse liegt vor der Küste Nicaraguas, gehört aber zu Kolumbien. Ursprünglich ist es hier – und sehr friedlich.

Michael Würfel
Providencia lockt immer mehr Schnorchler, Taucher und Ökotouristen.
Providencia lockt immer mehr Schnorchler, Taucher und Ökotouristen.Foto: dpa

Hier gehen Kinder gern in die Schule. Jeder grüßt jeden. Und die Polizei ist höchstens im Einsatz, um nach einem Schubkarrendieb zu fahnden oder Autofahrer vor Krabbenwanderungen zu warnen. Auf der Karibikinsel Providencia, die zu Kolumbien gehört, aber näher an Nicaragua liegt, ist die Welt noch ursprünglich – und in Ordnung.

„Three, four, five – I catch a fish alive“ und „Soy el chino capuchino mandarín rín rín“, ertönt es aus der Grundschule des Convento Maria Imacuiada. Die Fünf- und Sechsjährigen in ihren schmucken blau-weiß-grauen Uniformen singen Englisch und Spanisch aus voller Kehle. Dann begrüßen sie neugierig zwei Gäste aus Berlin und Bogotá. „Wir sind glücklich über Touristen“, sagt Lehrerin Gabriela Archbold. Die 26-Jährige fügt hinzu: „Besonders sind auch Familien mit Kindern zum Besuch im Pausenhof und im Klassenzimmer willkommen.“ Später werden die Inselknirpse ein wenig traurig, als sie nach Kindern und Ausbildung in Deutschland fragen. In Alemania können Schüler keine Mangos und Mandarinen am Straßenrand naschen, keine Kokosnüsse pflücken? Und manche schwänzen gar die Schule? Die sechsjährige Maria hat fast Tränen in den Augen, als sie das hört.

Ein Traum für Schnorchler, Taucher und Ökotouristen

In der Nähe des Schulgebäudes blühen gelbe Alamanda, Hibiskus in Pink, Oleander in Weiß und Rot. Große gelbgrüne Früchte hängen an Brotfruchtbäumen, harte Kokosnüsse an Palmen, süßsaure Seagrape-Beeren an großblättrigen Sträuchern. Das Karibikmeer glitzert in endlosen Grün- und Blauschattierungen in der Sonne. Viele Häuschen aus Holz in Ocker, Grün und Apricot mit schmucken Gärten und Terrassen präsentieren den Stil der „West Indies“. Unter Wasser locken Schwämme, Riffe, Papageienfische. Immerhin vier Tauchschulen hat Providencia, das auf Englisch Old Providence heißt. Das Eiland lockt immer mehr Schnorchler, Taucher und Ökotouristen.

Die Insel gehört zu den wohl ursprünglichsten und schönsten der Karibik. „Ich kenne keinen bei uns, der wirklich unglücklich ist“, erzählt Souvenirverkäuferin und Führerin Jennifer Archbold beim Spaziergang von der Schule zum nahen Zentrum des Hauptdorfs Santa Isabel. Aber Partnersuche sei halt nicht immer einfach. „Wir sind nur knapp 5000 auf Providencia. Da ist die Auswahl nicht groß.“

Fischer- und kleine Ausflugsboote schaukeln an der Potonbrücke mit bunt bemaltem Holzgeländer. Sie verbindet Santa Isabel auf der Hauptinsel mit dem Eiland Santa Catalina. Ein paar noch blasse Kolumbianer aus der Hauptstadt Bogotá spazieren über den leicht schwankenden Steg. Zwei US-Touristen verstauen ihre Tauchausrüstung auf einer kleinen Yacht. Auf einem blau-weißen Motorboot mit Namen „Man O’War“ steht genau, wo wir sind: „Parque Nacional Natural, Old Providence, McBean Lagoon“. Alle Insulaner wachsen im Gegensatz zu den Festland-Kolumbianern zweisprachig auf.

Das Wasser hat alle denkbaren grün-blau Kompositionen, die Haut der Insulaner viele Schattierungen von Weiß bis Schwarz. Und die Palmen, Kakteen, Agaven und Obstbäume der bergigen Insel sowie Weiden und Wiesen gleichen vom Flugzeug aus gesehen einem grünen, gewellten Teppich.

Providencia liegt vor der Küste von Nicaragua, gehört aber zu Kolumbien.
Providencia liegt vor der Küste von Nicaragua, gehört aber zu Kolumbien.Foto: Tsp/Pieper-Meyer

Auf Sauberkeit wird großer Wert gelegt

Grün, pink und rostrot sind die Farben des Seepferdchens und der Meernixe auf den himmelblauen Toilettentüren in der „Bridge Side“ Imbissbar. Lorenzo Archbold freut sich über die bewundernden Blicke seiner Gäste. Er sagt: „Wir wollen es schön und sauber haben, auch vor und auf unseren Toiletten. Mancher von da drüben könnte lernen von uns.“ Mit „da drüben“ meint der Barchef die Schwesterinsel San Andres. Die liegt 25 Minuten mit der Propellermaschine oder sieben Schiffstunden vom Festland entfernt. Hier landen auch Jets, meist aus Bogotá. San Andrés wird von Latinos, US-Bürgern oder auch Deutschen viel öfter gebucht und angesteuert als das stille Providencia, das von seiner größeren Schwester in Sachen Transport und Handel abhängt.

Die 21-jährige Olive auf dem nahen, noch kleineren Eiland Cayo Cangrejo schüttelt eine große Kokosnuss und nickt zufrieden: „Da ist viel Coco Water drin“, sagt die schlanke Schwarze auf Englisch. Mit drei Hieben ihrer Machete haut sie dem grünbraunen Oval die Spitze ab. Sie gießt reichlich Rum, auf Wunsch auch Whiskey oder Wodka, in Nuss und Kokoswasser. Der Cocktail hat es in sich. Taucher sollten ihn erst probieren, wenn sie ihren Sport für den Tag beendet haben.

Wer sich zehn Minuten nimmt, um auf die Hügelspitze des Inselchen zu klettern, hat eine spektakuläre Aussicht: Das üppig begrünte, hügelige Providencia mit den Farbtupfern des Hauptortes Santa Isabel und den hellen Streifen seiner Sandstrände. Riffe, tiefe und seichte Stellen der Karibik sind durch Schaumkrönchen, hellere und dunklere Meerestöne gut zu erkennen. Zwei Schnorchler ziehen ihre Bahnen durch das kristallklare Wasser.

Das kleine Touristenboot tuckert vorbei an hellsandigen Stränden mit gestreckten und geneigten Kokospalmen. Und Roland im Rasta Outfit schwenkt am Playa Manzanillo seine grün-gelbe Fahne wie jedes Mal, wenn er ein Boot mit potenziellen Gästen sieht. Das „Roland Restaurante“ von Rolando Bryen Eden ist auch ein Muss für Bob Marley- und Reggaefans, die zu der Musik gern einen karibischen Cocktail oder frischen Grillfisch genießen.

Es ist friedlich auf Providencia. Piratenüberfälle und Grenzkriege in der Region sind schon lange Geschichte. Die beiden Karibikinseln blieben von Entführungen und Überfällen durch mächtige Drogenkartelle und Rebellen schon immer verschont. Und auch Festland-Kolumbien ist in jüngster Zeit viel friedlicher geworden. Heute reisen ausländische Touristen durchaus auch wieder nach Cali und Medellín.

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ANREISE

Providencia ist über Bogotá und San Andrés erreichbar, zum Beispiel mit Avianca, Air France und Continental, und dann mit regionalen Airlines. Reisedauer: anderthalb Tage, günstigstes Ticket komplett ab 950 Euro. Auch ab Panama (knapp 400 Euro) und Costa Rica (ab 200 Euro) gibt es Hin- und Rückflugtickets nach San Andrés.

UNTERKUNFT
Der Geldbeutel auf Providencia wird nicht so schnell leer wie auf Guadeloupe oder den Bahamas. Die Preise gelten als fair.

Die Insel hat nicht einmal tausend Zimmer, die Hotels sind in der Regel klein und familiär. Vollpension mit Dusche, Klimaanlage, Liegestuhl oder Hängematte auf der Terrasse ist ab 50 bis 60 Euro pro Person zu haben, etwa im „Miss Mary“ am South West Beach oder in „Posada del Mar“ am Bahía Aguadulce.

AUSKUNFT
Kolumbien unterhält kein Tourismusbüro in Deutschland. Informationen zur Sicherheit des Landes findet man auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de)

Touristische Informationen gibt es auch unter:

www.colombia.travel/en/international- tourist/vacations-holidays-where-to-go/providencia-island-travel-guide/

sowie

www.sanandres.de/providencia.html

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