Südeuropa : Pasta gegen Paella

Italien und Spanien rangeln um die Gunst der deutschen Urlauber. Wenn es um Statistik geht, bevorzugt jeder seine eigenen Zahlen.

Andreas Heimann
Pantheon
Pause vor dem Pantheon in Rom -Foto: dpa

Ob Venetien im Norden oder Apulien im Süden, klassische Ziele wie die Toskana und die Adriaküste oder auch Rom: Der Stiefel ist gefragt wie lange nicht mehr. Dabei ist die deutsche Vorliebe für das „Land, in dem die Zitronen blühen“ kein Naturgesetz. Anders als in den 50ern, als die heutigen Opas und Omas begeistert mit dem Käfer über die Alpen reisten, um am Gardasee oder an der Riviera das „Dolce Vita“ zu genießen, geriet Italien im Zeitalter des Massentourismus vorübergehend ins Hintertreffen. Spanien galt für längere Zeit als liebstes Urlaubsziel der Deutschen. Jetzt werden die Karten neu gemischt.

Wie das neue Rangeln um die Spitzenposition ausgeht, ist noch offen. Sicher ist, Italien legt zu. Vergessen sind die unschönen Diskussionen des Sommers vor fünf Jahren, als der italienische Tourismusstaatssekretär Stefano Stefani über deutsche Urlauber herzog und Bundeskanzler Gerhard Schröder daraufhin demonstrativ auf seinen Urlaub an der Adria verzichtete. Vergessen sind anscheinend aber auch die früheren Klagen über schlechten Service oder das miserable Preis-Leistungs-Verhältnis, das viele deutsche Reiseveranstalter als Argument dafür nannten, dass ihre Kunden lieber Mallorca und Ibiza, ja, auch die Türkei buchten, als auf Sardinien, Elba oder Ischia ihren Urlaub zu verbringen.

Eine „Renaissance des Italien-Tourismus“ sieht Horst W. Opaschowski, wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg. In seiner jährlichen „Deutschen Tourismusanalyse“ bilanzierte er diesmal: „Italien steigt auf, Spanien stürzt ab.“ Nun, ganz so drastisch ist es nicht. Doch nach der Studie, die auf einer repräsentativen Befragung von 4000 Personen basiert, landete Italien auf Platz eins der beliebtesten deutschen Reiseländer – zum ersten Mal seit Anfang der 80er Jahre: Ein Plus von 2,1 Prozent und insgesamt 10,1 Millionen Besucher zählt die BAT-Studie. Spanien dagegen landete mit einem Minus von 2,3 Prozent auf dem letzten Platz bei der Entwicklung der Gästezahlen und mit 9,2 Millionen deutschen Gästen auch in absoluten Zahlen hinter Italien. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis gebe es kaum noch einen Unterschied zwischen den beiden Ländern, bilanzierte Opaschowski. Die Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus Nürnberg behaupten ebenfalls, „Deutsche lieben La Dolce Vita“ und bestätigen Italiens ersten Platz als liebstes Auslandsreiseziel der Deutschen.

Nun nutzt jeder am liebsten die Statistik, die ihn am besten aussehen lässt. Und auch das Spanische Fremdenverkehrsamt hat seine Zahlen bereit. Danach hört sich die Geschichte doch etwas anders an: Spanien sieht sich als die Nummer zwei der weltweit beliebtesten Reiseziele – hinter Frankreich und weit vor Italien. Nach den Daten, die die Spanier bei der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin präsentierten, gab es mit insgesamt 59,2 Millionen Touristen ein Plus von 1,7 Prozent.

Dem Institut für Touristische Studien (IET) zufolge, das die Zahlen erhoben hat, gab es 10,04 Millionen Gäste aus Deutschland – ein minimaler Rückgang von 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und immer noch mehr als vor zwei Jahren. Spanien sieht sich daher keinesfalls als Verlierer. „Wir hatten drei Jahre nur Zuwächse, dann 2007 einen leichten Rückgang. Die Zahlen erscheinen uns gut“, sagte der Staatssekretär für Tourismus, Pedro Mejía Gómez.

Italien dagegen erklärte sich zum Sieger: Die Italienische Zentrale für Tourismus Enit rief bei der ITB das Motto „Italy at the Top – Italien an der Spitze“ aus. Die Besucherzahlen in den vergangenen beiden Jahren seien kräftig angestiegen, sagte Marco Montini, Enit-Chef in Deutschland. „Wir haben 2007 die Spitzenposition erreicht, und auch die Tendenz für 2008 ist positiv.“ Deutschland ist für Italien der wichtigste Markt – überhaupt entfällt ein Drittel aller Gästeankünfte auf die deutschsprachigen Länder.

Für Enit-Vizepräsident Enrico Paolini gibt es – neben mehr Werbung und dem „verbesserten Preis-Leistungs-Verhältnis“ – noch eine weitere Trumpfkarte im Konkurrenzkampf gegen Spanien: den Papst. Seit Benedikt XVI. auf dem Stuhl Petri sitzt, sind Reisen in die Vatikanstadt für Deutsche noch einmal attraktiver geworden. „Der Papst bringt auch diejenigen dazu zu kommen, die nie über einen Italienbesuch nachgedacht haben“, sagte Paolini. „Wir müssen uns bei ihm bedanken.“

Spanien hat zwar keinen Papst, dafür aber ein Großereignis, das die Massen locken soll: die „Expo 2008“, die vom 14. Juni bis zum 14. September in Saragossa stattfindet. Allein 6,5 Millionen Gäste werden dort erwartet. Das dürfte dieses Jahr ein klarer Wettbewerbsvorteil für die Spanier sein. Und falls das nicht reichen sollte – das Tourismusministerium hat bereits angekündigt, dass der Werbeetat für das laufende Jahr in jedem Fall erhöht wird. Ob Pasta oder ob Paella letztlich siegt, wird sich zeigen.

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