Südschweden : Nichts zu tun für Wallander

Feinsandige Strände, atemberaubende Klippen und Dörfer wie aus dem Bilderbuch: Skåne in Südschweden spiegelt eine heile Welt.

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Skåne mag es bunt. Die Strandhütten sind begehrt. Doch die Besitzer nutzen sie meist nur in der Hochsaison, wenn Schwedens Wetter beständiger ist.
Skåne mag es bunt. Die Strandhütten sind begehrt. Doch die Besitzer nutzen sie meist nur in der Hochsaison, wenn Schwedens Wetter...Foto: Thomas Kraemer, tk-press.de

In Südschweden kann die Sonne zaubern. Sie zeichnet zarte lilafarbene Streifen in den puderzuckerfeinen, weißen Sand, die der Wind, husch, gleich wieder verweht. Auch deshalb radelt Hotelier Christian Wilander so gern an diesen westlichsten Zipfel von Skåne. Passiert den legendären, gut hundert Jahre alten Golfplatz auf der Halbinsel Falsterbo. Die Einheimischen haben diesen Zipfel, der sich vorwitzig gen Dänemark reckt, den Spitznamen Näset, Nase verpasst.

Wilander fährt vorbei am klassizistischen Leuchtturm, errichtet aus gelbbraunen Ziegeln mit einer dicken schwarzen Binde um den Bauch. Seit 1795 steht der Trutzbau hier und ersetzte lange Zeit jene Leuchtfeuer, die oft absichtlich an den falschen Stellen entzündet wurden. Die Folge: Irregeleitete Schiffe, die an vorgelagerten Felsen zerschellten. Bald waren die Unholde dann zur Stelle, um Beute zu machen. „Hunderte von Wracks hat man hier gefunden“, sagt Wilander.

Bis ins 16. Jahrhundert hinein lebten wohl mehr als 30 000 Menschen auf der Halbinsel. Der Heringsfang sicherte ihnen gutes Einkommen, ansehnliche Holzhäuschen entstanden in Falsterbo und dem Nachbarort Skanör. Kein Wunder, dass die weiß gestrichene St. Olofs-Kirche – der Kern stammt aus dem 13. Jahrhundert – so riesige Ausmaße hat. Dann gingen die Fischbestände zurück, viele Bewohner zogen fort. Der Zipfel versank in der Bedeutungslosigkeit.

Bis sich, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die ersten Badegäste für ihn interessierten. Die kolossalen Strände, das milde Klima, die beschauliche Lage am Öresund. 1908 eröffnete in Skanör das gediegene Hotel Gässlingen, dem der neue Besitzer Wilander vor etlichen Jahren zu Recht die Plakette „historisch“ anschrauben durfte.

Der Strand ist für alle da

Außerhalb der Hochsaison geht es sehr, sehr beschaulich zu auf Falsterbonäset. Nur rund 8000 Menschen leben inzwischen das ganze Jahr über hier – und haben es sich, nur 30 Kilometer südlich von Malmö, besonders schön gemacht. Auf großen Grundstücken mit prunkenden Gärten stehen eindrucksvolle Villen und Häuser, kein Bau gleicht dem anderen, jeder wurde offenbar von einem anderen talentierten Architekten konzipiert. „Hier wohnen reiche Leute“, sagt Wilander freimütig.

Anders ausgedrückt: Es ist der Nobelvorort von Malmö. Kein Wunder, dass die Leute dort auch gut essen wollen. Nachmittags besten hausgemachten Kuchen im niedlichen Kust Café von Skanör und abends vielleicht ein Menü im Restaurant des Hotels Gässlingen. Als Hauptgerichte stehen heute Rotzunge oder Ochsenfilet zur schmackhaften Wahl. Zum Fisch empfiehlt Wilander einen Weißwein aus dem Burgund, zum Fleisch ausgesuchte Rotweine aus Spanien. Moment, bringt Skåne mittlerweile nicht auch Weine hervor? Wilander lächelt und sagt diplomatisch: „Die können Sie ja mal woanders probieren.“

Der Strand ist natürlich für alle da. Winzige hölzerne Buden säumen ihn und machen ihn kunterbunt. Violett, strohgelb, lindgrün, rosa oder himmelblau sind sie gestrichen, wie in der Karibik. Meist werden sie nur in der Hochsaison von ihren Besitzern aufgeschlossen und benutzt. Zum Umziehen oder als Unterschlupf, falls es regnen sollte. Meist sind es nur kurze Schauer, denn der ständig wehende Winde pustet die Wolken so schnell weg, wie sie gekommen sind.

Die besten Köche Schwedens kaufen bei Lindegrens

Regen stört David Lindegren nicht. Er freut sich sogar darüber, denn dann wird das Gras schön saftig für seine Kühe. Vor gut zehn Jahren hat sich der Ingenieur im nordwestlichen Teil Skånes, unweit der Kleinstadt Båstad, seinen Traum erfüllt. „Ich wollte nicht nur die Wochenenden oder den Urlaub auf dem Land verbringen“, sagt der 43-Jährige. „Ich wollte die Natur ständig genießen.“ So ist er Bauer geworden. Inzwischen besitzt Lindegren 140 Rinder der Rasse Rödkulla.

Bauer Lindegren mit Rödkulla
Bauer Lindegren mit RödkullaFoto: Hella Kaiser

„Die ,Rote Hornlose‘ war nahezu ausgestorben in Schweden“, erzählt er. Die Kühe waren nicht „rentabel“, sie gaben zu wenig Milch und wurden durch andere Rassen ersetzt. Um ihre Kälber zu nähren, reicht die Milch der sanftmütigen Rostbraunen allemal. Zwei, drei Jahre bleiben die Kleinen bei ihren Müttern, weiden gemeinsam auf den hügeligen Wiesen. Ein Idylle wie aus dem Bilderbuch. Das Fleisch der Rinder verarbeitet Lindegren zu luftgetrocknetem Schinken und Würsten. Die Qualität ist bereits mehrfach prämiert worden, einige der besten Köche Schwedens kaufen bei Lindegrens.

Auch ein paar Schweine leben auf dem Hof – und haben viel Platz. Rosafarbene Borstenviecher sind es nicht, eher sehen sie wie Wildschweine aus. Nähern sich Besucher, trotten sie neugierig herbei und lassen sich geduldig die struppigen Köpfe kraulen. Am liebsten aber mögen sie die Zuwendungen von Lindegren. Er nimmt einen Stock und reibt ihnen damit kräftig über den Rücken. Da legen sie sich glatt hin vor Wonne. Den Tieren geht es gut auf diesem Hof. Wenig habe sich hier verändert, sagt Lindegren. „Das Tal und die Graslandschaft gab es schon vor Tausenden von Jahren, kaum etwas hat sich verändert.“ Auch damit das so bleibt, hat er sich für den Hof entschieden.

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