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Südtirol : Am Seil durch weißes Land

23.12.2012 00:00 Uhrvon
Die Mühen der Hochebenen sind für diese Skifahrer schnell vergessen. Zwischen zwei Liften im St.-Kassian- Tal sorgt ein Pferdegespann für das Vorankommen.Bild vergrößern
Die Mühen der Hochebenen sind für diese Skifahrer schnell vergessen. Zwischen zwei Liften im St.-Kassian- Tal sorgt ein Pferdegespann für das Vorankommen. - Foto: promo

Alta Badia, das Hochabteital in Südtirol, macht im Winter nicht nur Skiläufern Spaß.

Morgens vor zehn liegt die Hochebene noch im Schlagschatten des Monte Lagazuoi. Auf dem zugefrorenen Gaderbach am äußersten Ende des Sankt-Kassian-Tales (Valle di San Cassiano) warten zwei Schlittengespanne samt Kutscher auf die ersten Skifahrer, die aus 2778 Metern Höhe siebeneinhalb Kilometer allerschönster Piste heruntergewedelt kommen und ihre Bretter nun auslaufen lassen. Die stämmigen schwarzen Norikerpferde schnauben ungeduldig weiße Eiswolken in den knallblauen Südtiroler Himmel: Möge es doch endlich losgehen! Doch erst wenn genügend Skifahrer beisammen sind, packen diese das Seil, das der Kutscher hinten an seinem Schlitten befestigt hat, und ab geht’s!

Bis zu 40 Skifahrer kann so ein Gespann ziehen, denn die Kaltblüter sind stark.

In vergangenen Zeiten als Pflug- und Ackertiere trainiert, dienen sie heute fast ausschließlich dem Tourismus. Durch das Eiswasser unter der Bachbrücke hindurch und vorbei am Langlaufzentrum Alta Badia schlängelt sich die bunte Menschenkette talauswärts Richtung Armentarola. Fünfzehn entspannte und ausgelassene Minuten lang geht es durch lichten Nadelwald bis zum nächsten Sessellift, der den Anschluss an den grandiosen Skizirkus des Hochabteitales (Alta Badia) bildet. Noch aus der Ferne kann man die Fetzen vergnügten Lachens über den Fichtenwipfeln aufsteigen hören.

Wer keine Lust hat zum Skifahren und es lieber gemütlicher angehen lässt, der nimmt im Schlitten neben dem Kutscher Platz oder spaziert längs der Loipe vorbei an tief in Schneedaunen steckenden Wiesen und Zäunen zum Hotel Armentarola. Langläufer sind in ihrem Element. Sie können 15 Kilometer lang auf einer gespurten Loipe ihres Weges ziehen. Armentarola, der letzte Flecken im Tal, besteht nur aus wenigen Herbergen und gehört zum Dorf Sankt Kassian. Es gehört zu den sechs Dörfern des Tales.

Man spricht Ladinisch. „Bun dé – Guten Morgen!“, sagt der Kellner auf der Terrasse des Hotels Armentarola, wo wir eine heiße Schokolade schlürfen und die Skifahrer, die eben noch am Seil hingen, mit dem Sessellift auf den Berg schaukeln sehen. Die Morgensonne kitzelt die Nase. Kein Autogeräusch ist hier zu hören. Nur das Klackern des Lifts und hin und wieder das Krächzen einer Dohle und das Kichern zweier amerikanischer Touristinnen, die sich schon vor dem Mittagessen mit Scotch aufwärmen.

Armentarola kommt vom ladinischen Wort Armentara und bedeutet „helllichter Ort mit Wiesen und Wäldern“, auf denen im Sommer das Vieh weidet. Viel mehr ist hier auch nicht, glücklicherweise. Auch wenn jetzt Schnee liegt. Weniger aber auch nicht. Spaziergänger geraten ins Schwärmen wegen der zumindest scheinbar unberührten Natur. Wir freuen uns über die milchkaffeebraunen Haflingerpferde auf der Schneewiese, die ihre Mäuler und Flanken aneinander reiben. Wir folgen dem Weg abseits der Straße Richtung Sankt Kassian.

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