Reise : Sushi, Gänsebrust und Bordeaux– auch über den Wolken

Verpflegung an Bord liegt immer ganz im Ermessen der Airlines.

Philipp Laage
Tomatensaft? Gerne. Mit Pfeffer und Salz? Ja, bitte.
Tomatensaft? Gerne. Mit Pfeffer und Salz? Ja, bitte.Foto: Georg Schlaeger, Lufthansa

Während eines Fluges auf die Balearen kann bei gut zwei Stunden Flugzeit ohne kostenlose kalte Getränke leicht Frust aufkommen. Auch dann, wenn das Ticket billig war. In der First Class einer großen internationalen Airline werden dagegen schon mal Gerichte aufgefahren, die Spitzenköche erdacht haben. Ein Recht auf kulinarische Hochgenüsse im Gegenzug für ein teures Flugticket gibt es jedoch ebenso wenig wie den Anspruch auf Tomatensaft oder Mineralwasser bei Schnäppchenflügen.

„Es gibt keine gesetzliche Richtlinie, die eine bestimmte Verpflegung an Bord vorgibt“, erklärt Reiserechtler Ernst Führich aus Kempten. „Je nach gebuchtem Tarif hat man einen vertraglichen Anspruch auf eine angemessene Verpflegung und Getränke. Das liegt aber im Ermessen der Airlines.“ Bisher habe noch kein Gericht eine unangemessene Verpflegung gerügt. „Es ist aber klar, dass ich weniger Ansprüche habe, wenn ich für 19,90 Euro nach Zypern fliege als in der Business-Class nach Abu Dhabi.“ Die meisten Fluggesellschaften bieten in der Economy Class auf Kurzstrecken gratis alkoholfreie Getränke und Snacks an. Erst auf Interkontinental- und Langstreckenflügen gibt es warme Gerichte und Spirituosen umsonst. Die genaue Abgrenzung ist aber Sache der Airlines. Ausnahme: Bei sogenannten Vollcharter-Flügen, die komplett von einem Veranstalter gebucht werden, bestimmt dieser, welche Art Bordverpflegung geboten wird. Diese Art des Urlaubsfliegers, wie er noch bis Mitte der 1990er Jahre üblich war, ist jedoch so gut wie verschwunden. Heute verkehren die Fluggesellschaften zu den klassischen Ferienzielen wie im Linienverkehr.

Air Berlin etwa bietet Snacks und Sandwiches auf Flügen bis zu vier Stunden Dauer. United Airlines serviert kostenlose Hauptspeisen schon auf Flügen von bis zu drei Stunden Dauer, zum Beispiel bei Reisen innerhalb der USA. Bei Delta Airlines dagegen gibt es freie Mahlzeiten und Alkohol erst auf internationalen Verbindungen ab sechs Stunden Flugzeit. Wer kürzer fliegt, zahlt selbst – für ein Bier sind es sechs US-Dollar (4,86 Euro). Beim Ferienflieger Condor schlägt ein Frühstück auf einem Flug nach Mallorca mit sieben Euro extra zu Buche. In der First und Business Class fahren die Airlines hingegen echte Gourmetspeisen auf: Emirates, die Fluggesellschaft aus dem Emirat Dubai, bietet Fluggästen etwa iranischen Kaviar an. Singapore Airlines tischt auf Flügen nach Japan traditionelle Gerichte wie Sushi von japanischen Spitzenköchen auf. Bei Lufthansa kommt in der First und Business Class nicht nur Rostbratwurst auf Rahmkraut und Kartoffelpüree, sondern auch mal Gänsebrust mit Rotkohl auf den Teller. Ein gehobenes Weinsortiment mit gutem Bordeaux gehört bei sehr vielen Fluggesellschaften zum Standard auf den teuren Sitzen.

Die Airlines bieten auf der Langstrecke außerdem etliche Sondermahlzeiten an, wie Rainer Domani, Geschäftsführer von LSG Sky Chefs in München, erklärt. Das Unternehmen stellt allein in München täglich im Schnitt mehr als 50 000 Mahlzeiten her. In 2011 waren es weltweit rund 490 Millionen. Rund 35 Airlines zählen zu den Kunden, darunter Lufthansa, American Airlines, Delta und Aeroflot.

„Die Nachfrage nach Sondermahlzeiten hat in den vergangenen Jahren zugenommen, weil mehr Inder, Araber oder Chinesen reisen und der Bedarf an Diätmahlzeiten zunimmt“, sagt Domani. Die Airlines bieten auch für bestimmte Religionsgruppen spezielle Menüs an – von Koscher für Juden bis Halal für Muslime. „Zu den Special Meals gehören auch laktose- oder glutenfreie Gerichte.“ Mittlerweile gebe es bis zu 100 Sondergerichte, etwa 30 werden besonders häufig nachgefragt.

Die Extrawünsche können meist bis 24 Stunden vor Abflug über die Webseite der Airline oder über das Reisebüro gebucht werden. „Unsere Betriebe bekommen die Information, welche Sondermahlzeiten pro Flug in welcher Anzahl benötigt werden. Sie werden dann produziert und mit den anderen Essen an Bord gebracht“, erzählt Domani.

Anders sieht es bei Billigfliegern wie Ryanair oder Germanwings aus: Sie lassen sich jedes Getränk und jeden Snack bezahlen – eine Folge der günstigen Ticketpreise. Da muss der Passagier nach der Sicherheitskontrolle Wasser kaufen, um nicht zu dehydrieren, oder eben Trinkbares aus der Bordbar erwerben.

„Die Flug-Nebenleistungen werden immer mehr zusammengestrichen“, hat der Reiserechtler Führich beobachtet. Er hielte eine EU-Verordnung für sinnvoll: „Zum Beispiel, dass es ab einer Flugdistanz von 1000 Kilometern diese oder jene Getränke verpflichtend geben muss.“ Bei Verspätungen seien schließlich auch Betreuungsleistungen und Verpflegung am Flughafen vorgeschrieben.

In Europa habe in den vergangenen Jahren verstärkt die mediterrane Küche die Menüfolge bei Airlines bestimmt, berichtet Domani. Mozzarella, Pasta und Olivenöl als Ersatz für Butter seien beliebt bei allen Nationalitäten und erfüllten auch den Wunsch nach mehr vegetarischer Kost. Leichte Küche – Fisch, variantenreiche Beilagen und Obst – sei immer stärker gefragt. AIR BERLIN]TUI FLY]Philipp Laage

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