Reise : Täglich ein anderer Preis

Pauschalreisekosten sollen an Angebot und Nachfrage angepasst werden

Urlauber müssen sich auf flexible Preise für Pauschalreisen einstellen. Bereits im kommenden Jahr könnte eine Gesetzesregelung fallen, wonach sich Reiseveranstalter an die einmal im Katalog genannten Preise halten müssen, hieß es jetzt beim Branchentreffen der deutschen Tourismusindustrie im türkischen Belek.

Durch die Gesetzesvorgabe fühlen sich Anbieter wie Tui oder Thomas Cook benachteiligt, da Konkurrenten wie reine Internetanbieter oder Verkäufer von einzelnen Hotelzimmern und Flügen bereits heute die Preise täglich je nach Angebot und Nachfrage anpassen können.

„Ich gehe davon aus, dass die Katalogpreisbindung im kommenden Jahr fällt“, sagte Thomas-Cook-Vorstand Peter Fankhauser nach einem Gespräch mit dem Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Ernst Hinsken. Dann würden zum Beispiel bei Neckermann Reisen die bisher festen Preise durch sogenannte Richtpreise ersetzt, die sich bis zur tatsächlichen Buchung noch täglich ändern können. Branchenprimus Tui war bereits gerichtlich gegen die Regelung vorgegangen, hatte dabei aber keinen Erfolg. Gegen die Aufhebung der Katalogpreisbindung hatten Verbraucherschützer protestiert, weil die Preise dann weniger transparent wären und Preisvergleiche schwieriger würden.

Der Präsident des Deutschen Reise- Verbandes (DRV), Klaus Laepple, nannte die Abschaffung der Katalogpreisbindung vor den rund 900 Vertretern der Branche ein „zentrales Anliegen“ der Veranstalter. Er gehe davon aus, dass „geltendes Recht so gestaltet wird, dass wir künftig eine flexible Katalogpreisgestaltung haben können“. Am Rande der Tagung stellte er eine Entscheidung der Politik für Frühjahr kommenden Jahres in Aussicht, so dass die klassischen Veranstalter erstmals in den Winterkatalogen 2008/09 keine festen Preise mehr nennen müssten.

Der Chef der Veranstalter Dertour, ADAC Reisen und Meier’s Weltreisen, Michael Frese, sagte, die Aufhebung der Katalogpreisbindung könne theoretisch dazu führe, dass ähnlich wie bei Sonderaktionen von Billigfliegern künftig mit unrealistischen Fantasiepreisen für den Urlaub geworben werde. „Das hilft meines Erachtens dem Verbraucher nicht.“ Die Dertour-Gruppe selbst nennt bereits seit zwei Jahren nur noch feste Preise zum Beispiel für das Hotelzimmer, während die Flugpreise tagesaktuell dazugerechnet werden. Dieses Modell sei für die Kunden verständlicher.

In seiner Grundsatzrede erklärte Laepple, die Pauschalreise bleibe trotz zahlreicher neuer Angebote das Kerngeschäft der deutschen Tourismuswirtschaft. „Das Brot- und Buttergeschäft für die Reisebranche bleibt der Badeurlaub in Form der Pauschalreise“, sagte Laepple. „Trotz neuer und zusätzlicher Möglichkeiten, Reisen zu organisieren, sind Anteil und Bedeutung der Veranstalterreise nicht gesunken.“ Die Reiseveranstalter hatten in den vergangenen Jahren zunehmend Konkurrenz durch direkt im Internet buchbare Angebote etwa von Hotels und Fluggesellschaften bekommen.

Besonders große Umsatzzuwächse verbuchten die Reiseveranstalter im Ende Oktober abgelaufenen Tourismusjahr bei Kreuzfahrten, die neun Prozent mehr Geld einspielten. Von den klassischen Badezielen waren laut DRV die Gewinner Ägypten, Marokko, die Türkei, das spanische Festland und Italien. dpa

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