Reise : Tanz um die Flocke

Der Winter begann, und die Skifahrer kamen. Das war früher. Heute wird die Saison mit Livemusik und Events eingeläutet

Christian Röwekamp

Es gab einmal eine Zeit, in der die Skisaison überall schlicht damit begann, dass bei den Schleppliften der Strom eingeschaltet wurde. „Saison eröffnet“, hieß es dann. In manchen Wintersportorten ist das auch heute noch so. Doch andernorts wird zum Saisonauftakt kräftig auf die Pauke gehauen, vorzugsweise unter Verwendung englischen Vokabulars: In den Alpen folgt ein „Ski-Opening“ und „Powder-Weekend“ auf das andere. Parolen wie „Get white – get started“ oder „Back to Snow“ sollen Skiläufer und Snowboarder auf die Pisten locken. Auch Auftritte von Stars wie Kid Rock und Ich + Ich sorgen für Aufmerksamkeit im Kampf der Skiorte um ein junges, fröhliches – und zahlungskräftiges Publikum.

Naturgemäß den Anfang machen die Gletscherskigebiete, die zum Teil schon jetzt im Oktober die Saison einläuten – in Österreich gilt dies zum Beispiel für Hintertux im Zillertal, den Stubaier Gletscher und Sölden im Ötztal sowie den Mölltaler Gletscher in Kärnten. Am 8./9. November folgt dann das Kitzsteinhorn bei Kaprun im Salzburger Land.

Viele andere Skiorte haben sich dagegen diesmal für das letzte November- und das erste Dezember-Wochenende entschieden. Am Wochenende 29./30. November feiern die folgenden Skiorte:

  

ISCHGL: Die Partyhochburg im Paznauntal trommelt wie immer am lautesten und beginnt die Saison erneut mit dem „Top of the Mountains“-Konzert. Nachdem 2007 Rihanna auf der Bühne stand, sind es diesmal mit Leona Lewis und Gabriella Cilmi gleich zwei Musikstars. Los geht es am 29. November um 18 Uhr. Erwartet werden etwa 20 000 Besucher. Wer einen gültigen Skipass besitzt, hat nach Angaben des Tourismusverbands Paznaun-Ischgl freien Eintritt (Internet: www.ischgl.com).

SAMNAUN: Nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt geht es auch in der Schweiz hoch her: Vom 28. bis 30. November steht dort zum achten Mal die „Clau- Wau-Weltmeisterschaft der Nikoläuse“ auf dem Programm. Die Teilnehmer, denen der Sinn nach ordentlich Klamauk steht, treten unter anderem im Kaminklettern, Esel-Trekking und Lebkuchen- Verzieren an. Ach ja, Ski laufen können die Zuschauer natürlich auch (Internet: www.samnaun.ch).

OBERTAUERN: Der Skiort im Salzburger Land („Wo der Schnee zu Hause ist“) beginnt am 27. November mit seinem „Internationalen Ski-Countdown“, der bis zum 8. Dezember dauert. Auch hier spielt Livemusik eine große Rolle: Am 29. November treten Ich + Ich auf, am Nikolaustag die Altmeister von Hot Chocolate (Internet: www.obertauern.com).

ZUGSPITZE: Die Bayerische Zugspitzbahn lädt am letzten Wochenende im November zum „Schneefest“ ein. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Skilehrerverband soll besonders die Generation „50 plus“ angesprochen werden, betreut unter anderem von den Skilegenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Außerdem kann neues Material von Skiherstellern getestet werden (Internet: www.zugspitze.de).

Weitere „Ski-Openings“ am letzten November-Wochenende gibt es nach Angaben der Tirol-Werbung in Innsbruck am Hochzeiger im Pitztal, wo die 70er-Jahre-Stars von Boney M. gastieren (Internet: www.hochzeiger.com), und in St. Anton am Arlberg. Dort wird zum „XXL Ski-Opening“ ein extralanger Riesenslalom-Wettbewerb für jedermann angeboten: Die Strecke mit 140 Toren ist drei Kilometer lang (Internet: www.ski opening-stanton.com).

Am ersten Dezember-Wochenende folgen dann diese Skiorte:

SCHLADMING: Beim „Night-Ski-Festival“ vom 5. bis 8. Dezember geht es auch bei Dunkelheit auf die Planai. Die Abfahrt gilt als „hellste beleuchtete Flutlichtpiste der Welt“. Viele Gäste dürften sich allerdings für das Konzert von Kid Rock am 7. Dezember entscheiden – obwohl dessen jüngster Hit „All summer long“ ja eigentlich die falsche Jahreszeit besingt. Eintrittskarten kosten 36 Euro. Auskunft im Internet unter: www.planai.at

HOCHFÜGEN-HOCHZILLERTAL: Hier steht der Saisonauftakt unter dem Motto „The Grand Opening“. Der örtliche Tourismusverband verspricht „feinste Beats direkt aus Ibiza“ und in 2147 Meter Höhe die Öffnung der „Kristall- Lounge“ mit Whirlpool und Kuschelecken zum „Chillen“ (Internet: www.ski-optimal.at).

   Auch andere Skigebiete nutzen das Nikolaus-Wochenende für ihren Saisonstart. Darunter ist Saalbach-Hinterglemm im Salzburger Land mit der „Sport 2000 Snow Mania“, bei der neue Ski und Snowboards getestet werden (Internet: www.saalbach.com). In Wagrain in der Salzburger Sportwelt brennen am 7. Dezember die „Saisonwendfeuer“ auf den Bergen (Internet: www.salzburger sportwelt.com). Und Oberstdorf im Allgäu ruft am 6. Dezember zum „Ski-Opening“ ans Fellhorn (Internet: www.das- hoechste.de).

Im Vergleich zu Österreich und einigen Gebieten in Deutschland hält sich die Schweiz mit turbulenten Saisoneröffnungen eher zurück. „Die Opening-Tradition ist bei uns nicht so ausgeprägt wie in anderen Regionen“, sagt Markus Gilgen von Schweiz Tourismus in Hamburg.

Neben Samnaun gibt es aber auch in der Schweiz einige andere Orte, die zum Beginn der weißen Jahreszeit die Puppen tanzen lassen – zum Beispiel Laax in Graubünden, wo der Reiseveranstalter 1-2-Fly vom 11. bis 14. Dezember ein „Ski-Opening“ (drei Tage ab 169 Euro pro Person mit Frühstück) organisiert. Von der Piste geht es hier gleich weiter zur Party – und für alle, die lange durchhalten, wohl auch umgekehrt.

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