Reise : Tariffallen bei der Bahn

Beim Kauf von Fahrkarten an Automaten und im Internet lauern Tariffallen. Wer hineingetappt ist, kann reklamieren.

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Augen auf beim Fahrkartenkauf! Wer an Automaten der Deutschen Bahn oder unter bahn.de Tickets ersteht, zahlt unter Umständen wesentlich mehr als eigentlich nötig. Nach Tagesspiegel-Recherchen birgt das dort eingesetzte Ticket-Computersystem mindestens zwei Tariffallen: Beim Expresskauf am Automaten werden nur Normalfahrkarten angezeigt - ohne jeden Hinweis auf mögliche Sparangebote. Und bei der ausführlicheren Suche nach Zugverbindungsdaten behauptet das System manchmal, dass für Tagestouren gleich zwei Ländertickets benötigt würden, obwohl eines reichen würde.

Falle Nummer 1 kann bei unerfahrenen DB-Kunden zuschnappen, wenn sie am Automaten das Feld „Start -Ziel“ antippen, anschließend das Fahrtziel eingeben und dann auf „Direkt zur Fahrkarte“ drücken. Damit kaufen sie ein Ticket zum teuren Normalpreis. Nichts weist darauf hin, dass vielleicht auch Sparangebote in Frage kämen: für den Nahverkehr das beliebte Wochenendticket, das „Quer-durchs-Land-Ticket“ oder ein Länderticket - und für den Fernverkehr die Sparpreisangebote mit Zugbindung für Frühbucher.

Die DB hält das allerdings nicht für einen Programmierfehler. Dieser „Expressweg zur Fahrkarte“, so ein DB-Sprecher auf Anfrage, sei bewusst für Stammkunden eingerichtet worden, die ständig bestimmte Strecken fahren und dafür schnell den nötigen Fahrscheinkaufen wollen. Bei Vorab-Tests mit Kunden habe es in diesem Punkt nie Probleme gegeben, und bis heute lägen keine Beschwerden vor. Für Fahrgäste mit anderen Wünschen gebe es am Automaten andere Einstiegsmöglichkeiten: Wer günstigere Tickets haben wolle, könne die Verbindungssuche oder das Feld „Gesamtes Angebot“ nutzen.

Doch beim Verbindungssuchsystem droht Falle Nummer 2. Es erkennt nämlich nicht, dass bestimmte Ländertickets auch für Regionalzug-Tagestouren in benachbarte Bundesländer und zurück gelten. Stattdessen schlägt der Computer in diesen Fällen oftmals vor, sich für die Rückfahrt ein eigentlich unnötiges weiteres Länderticket ausdrucken zu lassen.

Dieses Problem tritt sowohl am Automaten als auch unter bahn.de auf und betrifft Ländertickets in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Das Brandenburg-Berlin-Ticket ist der elektronischen Fahrplanauskunft gänzlich unbekannt. Nach Auskunft des DB-Sprechers hängt dies damit zusammen, dass auch die normalen Fahrpreise des Zwei-Länder-Tarifverbundes nicht in den Computer übernommen wurden; deshalb kann das System nicht erkennen, wann ein Länderticket das günstigste Angebot wäre - und erwähnt es lieber gar nicht.

Nur wer sich mit den Bahntarifen auskennt, wird bei überteuerten Angeboten vermutlich stutzig, bricht die Buchung ab und kauft sich lieber direkt das passende Länderticket. Das lässt sich nämlich auch zielgerichtet ansteuern: am Automaten über das Feld „Gesamtes Angebot“, im Internet unter „Angebotsberatung“. Aber wer das nicht weiß, zahlt womöglich kräftig drauf.

Sogar am Schalter könnte das passieren. Denn dort wird dasselbe Buchungssystem verwendet wie am Automaten oder im Internet. „Aber die Kollegen sind ja geschult in den verschiedenen Angeboten und werden nicht zwei Tickets verkaufen“, glaubt der DB-Sprecher.

Der Programmierfehler bei den länderübergreifenden Fahrten besteht schon lange: Verbindungsauskünfte mit Länderticket-Buchung gibt es an Automaten seit 2008 und online seit April 2010. Doch erst im Laufe dieses Jahres will die DB den Fehler beheben. „Das ist eine sehr komplexe Programmieraufgabe“, meint der DB-Sprecher. Zudem seien nur relativ wenige Kunden betroffen. Denn die meisten der jährlich 13 Millionen Ländertickets würden nicht über die Verbindungsauskunft, sondern durch zielgerichtetes Anklicken gekauft.

Immerhin ist die Bahn aber bereit,„auf Kulanzbasis“ etwaige Schäden zu erstatten. Wer sich also eine unnötigteure Fahrkarte ausdrucken ließ, kann sich die Differenz zum Länderticketerstatten lassen - entweder über bahn.de/kontakt (Stichwort Kundendialog) oder schriftlich beim DB-Kundendialog, Postfach 100613, 96058 Bamberg - vorausgesetzt, er oder sie hat die überteuerte Fahrkarte noch aufgehoben.

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