Thüringen : Einfach reizend

Nicht nur die Skat-Stadt Altenburg prunkt mit einem Schloss. Auch Greiz und Rudolstadt weisen ausgesprochene Kleinode auf.

Vion Matthias Wenten
Ohne Kontra und Re reinigen die Teilnehmer des „lebenden Skatspiels“ den Skatbrunnen in Altenburg. Die Stadt feiert „200 Jahre Skat“.
Ohne Kontra und Re reinigen die Teilnehmer des „lebenden Skatspiels“ den Skatbrunnen in Altenburg. Die Stadt feiert „200 Jahre...Foto: Bernd Settnik, dpa

Die Sonne taucht die Südfassade des Sommerpalais in Greiz in ein warmes Licht. Aus dem nahen Park weht der Duft der Blumen hinüber. „Maison de belle Retraite“ steht unter dem Wappen der Herrscherfamilie Reuß im Giebel: „ein Haus zum Entspannen“. Das frühklassizistische Palais und der ab 1800 gestaltete Garten sind malerisch in das Tal der Weißen Elster gebettet. Man kann Graf Heinrich XI. aus dem Geschlecht der Reußen, der das Palais ab 1769 als Lustschloss erbauen ließ, gut verstehen. In seinem Tagebuch ist notiert, es sei das „schönste Vergnügen der Welt“, hier den Sommer zu verbringen.

Dass das Sommerpalais wieder in altem Glanz erstrahlt, ist der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zu verdanken. Zwischen 2005 und 2011 sanierte sie das Sommerpalais für rund 4,3 Millionen Euro. Nun hat die Stiftung es zum „Schloss des Jahres“ ernannt.

Davon kann sich der Besucher beim Rundgang überzeugen. Durch den großen und ganz in Weiß gehaltenen Gartensaal geht es über die Treppe hinauf in die Beletage. Im prunkvollen Festsaal gab Heinrich XI. Empfänge und Konzerte. 1778 erhob Kaiser Joseph II. die ältere Linie der Grafen von Reuß in den Fürstenstand. Der Kleinstaat war fortan ein Fürstentum – wenn auch das kleinste im ganzen Reich.

Zwei von dreien: Das Obere (l.) und Untere Schloss von Greiz.
Zwei von dreien: Das Obere (l.) und Untere Schloss von Greiz.Foto: Matthias Wenten

Die Kleinstaaterei im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation trieb nirgendwo sonst solche Blüten wie im Gebiet des heutigen Thüringen. Das Nebeneinander auf engem Raum in diesem Flickenteppich kleiner und kleinster Territorien stellte für die Herrscher eine besondere Konkurrenzsituation dar. Also wollten sie ihren Machtanspruch demonstrieren, engagierten Künstler und Architekten, um einander im Bau prachtvoller Schlösser und Gärten zu übertreffen. So entstand ein Netz aus Schlössern, Burgen und Parks.

Wie engmaschig es war, kann der Besucher in Greiz wunderbar sehen. Die Kreisstadt liegt im Vogtland, im südöstlichsten Zipfel Thüringens. Gut 20 000 Einwohner hat Greiz heute – verfügt jedoch mit dem Sommerpalais, dem Oberen und dem Unteren Schloss über gleich drei Schlösser.

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