TIPPS FÜR RUANDA : Auch große Affen wollen kuscheln

Noch leben Berggorillas hoch oben in den Bergen Ruandas. Einige dürfen Wanderer geführt beobachten.

Berit Waschatz
Charakterkopf. Bis auf fünf Meter dürfen sich Menschen den Primaten nähern. Foto: dpa-tmn
Charakterkopf. Bis auf fünf Meter dürfen sich Menschen den Primaten nähern. Foto: dpa-tmnFoto: dpa-tmn

ANREISE



Ab Berlin mit Brussels Airlines mehrmals in der Woche über Brüssel mit einem Zwischenstopp im ugandischen Entebbe nach Kigali (im Juni 886 Euro). Außerdem fliegt KLM ab Amsterdam über Nairobi in Kenia regelmäßig nach Ruanda. Deutsche benötigen für die Einreise kein Visum. Auch eine Ausreisegebühr wird nicht fällig. Allerdings müssen Reisende ein Ein- und Ausreiseformular ausfüllen.

Von Kigali aus fährt nahezu stündlich ein Bus nach Ruhengeri. Von dort aus fahren Motorrad-Taxis nach Kinigi – dem Treffpunkt für die Gorillawanderung. Viele Hotels holen ihre Gäste auch in Ruhengeri ab.

REISEZEIT

Ruanda kann das ganze Jahr über bereist werden. Die Trockenzeit zwischen Mai und Oktober eignet sich jedoch besser für eine Wanderung zu den Berggorillas. Hochsaison für Gorillawanderungen ist Juli und August. In den übrigen Monaten ist es einfacher, eine Genehmigung zu erhalten. Außerdem sind die Wälder in der Regenzeit grüner.

UNTERKUNFT

Gorillawanderer können in Ruhengeri und in Kinigi übernachten. Die Auswahl an Hotels in Kinigi ist aber begrenzt. Die Preise schwanken je nach Standard und Reisezeit. Gute Unterkünfte sind bereits für rund 50 Euro pro Nacht zu bekommen. In Luxus- Lodges kostet die Nacht bis zu 600 Euro.

TOUREN

Die meisten Reisenden buchen eine organisierte Tour in Ruanda. Als Forum anders reisen e. V. haben sich diverse Veranstalter zusammengeschlossen, die auch Gorilla-Trekking im Programm haben. Telefon: 07 61 / 40 12 69 90

AUSKUNFT

Ruanda unterhält in Deutschland kein Tourismusbüro. Internet: www.rwandatourism.com

Mehr als 15 Jahre sind vergangen seit dem Völkermord in Ruanda. Für Reisende gilt das ostafrikanische Land wieder als sicher, selbst ein Abstecher in das ehemals umkämpfte Grenzgebiet rund um die Virunga-Vulkane ist heute möglich. Und er lohnt sich: Dort leben die letzten Berggorillas, bedroht durch Bürgerkriege und Wilderei.

International bekannt gemacht hat sie der Film „Gorillas im Nebel“, der vom Leben und Arbeiten der Primatenforscherin Dian Fossey erzählt. Die Amerikanerin kam Ende der 1960er Jahre nach Ruanda, um die Primaten zu erforschen und zu schützen. Die Tierrechtlerin zahlte dafür mit ihrem Leben. 1985 wurde sie ermordet, die genauen Umstände ihres Todes sind noch immer unklar. Die von ihr eingerichtete Forschungsstation existiert nach wie vor.

Fossey ist es wohl zu verdanken, dass auch heute noch Berggorillas in den Bambuswäldern der Virunga-Vulkane leben. Ein Besuch bei diesen Menschenaffen ist ein einmaliges Erlebnis, das auf keinen Fall bei einer Reise durch Ruanda fehlen sollte – auch wenn es 500 Dollar pro Person kostet. Das Geld ist gut angelegt, mit ihm werden die Tiere geschützt.

Nur acht Gruppen von Gorillas sind an Menschen gewöhnt. Um die Tiere nicht zu sehr zu stören, dürfen nur je acht Wanderer je eine dieser Gruppen pro Tag besuchen – insgesamt also 64 pro Tag. Interessierte sollten daher am besten schon von Deutschland aus diese Wanderung buchen und organisieren. Gerade in der Hauptsaison von Juli bis September ist es schwierig, kurzfristig eines der begehrten Tickets zu bekommen.

Der Besuch der Berggorillas ist kein Spaziergang. Die Tiere leben auf einer Höhe um die 2500 Meter, untrainierten Wanderern können beim Aufstieg die Beine schwer werden oder die Luft ausgehen. Ohnehin sollten sich Ruanda-Reisende nicht gleich an ihrem ersten Tag im Land zu den Berggorillas hoch im Norden aufmachen. Es ist besser, sich an die Höhenluft gewöhnen – vielleicht bei einem Trip zu den Schimpansen im Nyungwe-Nationalpark im Süden des Landes.

Die Wanderung zu den Berggorillas beginnt bereits um sieben Uhr morgens. Denn am Vormittag sind die Tiere besonders aktiv und gut zu beobachten. Treffpunkt für die Tour ist die Tourismuszentrale in Kinigi. Trekking-Touristen aus aller Welt wuseln voller Vorfreude und Aufregung umher. Am Horizont durchbrechen die Gipfel der Vulkane langsam den milchigen Nebel, der über den Tälern liegt.

Wer nicht mit einer organisierten Reisetruppe unterwegs ist, sollte sich einen Jeep mieten, um zum Treffpunkt in Kinigi zu kommen. Zumindest in der Nebensaison ist ein Wagen mit Fahrer auch noch am Abend vor der Wanderung zu haben. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich frühzeitig um einen Transport kümmern. Zwar finden die meisten Reisenden in ihren Hotels noch eine Mitfahrgelegenheit zum Treffpunkt. Doch von dort aus geht es per Jeep weiter zum Startpunkt der Wanderung. Wenn man den verpasst und sich keine Mitfahrgelegenheit bietet, ist das Geld für die Besuchserlaubnis weg.

Beim morgendlichen Treffen in der Parkverwaltung begutachten die Ranger unauffällig ihre Kunden und teilen sie in Gruppen ein. Wer etwa die Susa-Gruppe sehen möchte, muss sich auf einen anstrengenden Marsch einstellen. Der Weg zur Amahoro-Gruppe ist etwas weniger beschwerlich. Die Ranger haben ein Auge dafür, wer welchen Weg am besten meistern kann.

Sind die Besucher einer Gruppe zugeteilt, gibt der begleitende Ranger eine kurze Einführung über die jeweiligen Tiere. Auch einige Verhaltensregen gehören dazu: Besucher sollten nur in ihre Armbeuge niesen und husten, wenn sie den Gorillas näherkommen. So soll verhindert werden, dass sich die Berggorillas mit menschlichen Krankheiten anstecken. Denn selbst eine für den Menschen ungefährliche Grippe kann für die Gorillas tödlich enden. Wer sich krank fühlt, sollte am besten gleich im Hotel bleiben. Das Geld für die Wanderung gibt es in diesem Fall zurück.

Nach der Einweisung geht es mit dem Jeep weiter zu dem jeweiligen Startpunkt der Wanderung. Der Weg zur Amahoro-Gruppe führt zunächst durch riesige Blumenfelder. Ruanderinnen arbeiten dort schon früh morgens mit ihren Spitzhacken. Manche tragen ihre Kinder auf dem Rücken, andere lassen sie auf dem Feld herumtoben.

Hinter den Blumenfeldern beginnt der Nationalpark. Die Ranger verteilen dicke Wanderstöcke, der Aufstieg beginnt. Nun machen sich die festen Schuhe, langen Hosen und langärmligen T-Shirts bezahlt. Überall lauern brennnesselähnliche Pflanzen, Wurzeln und Astgabeln tauchen plötzlich vor den Wanderern auf.

Plötzlich sind auch die sogenannten Tracker zu sehen. Sie verbringen den Tag mit den Berggorillas. Erst wenn sich diese an einem immer wechselnden Ort ein Nest bauen und schlafen legen, brechen auch die Tracker wieder auf. Am nächsten Tag, bevor die Berggorillas erwachen, kehren sie zu ihnen zurück. So wissen die Tracker immer, wo sich die Tiere aufhalten – und die Ranger können die Touristen auf dem schnellsten Weg zu den Menschenaffen lotsen.

Dann heißt es still sein, Rucksäcke und Wanderstöcke abstellen und rein ins Gebüsch. Denn die Gorillas halten sich selten direkt am Wegesrand auf. Wer sich bislang noch leidlich gehalten hat, bekommt spätestens jetzt Schwierigkeiten. Der Boden ist überwuchert von Farnen und entsprechend rutschig. Immer wieder müssen die Ranger ihren Schützlingen mit ihren Macheten den Weg freischlagen.

Und dann stehen die Affen plötzlich vor einem, arglos, ganz ohne Scheu. Die Wanderer lassen sich vorsichtig nieder auf den feuchten Boden, beobachten und bestaunen andächtig die archaiisch anmutenden Tiere. Selbst durch die Linse der Fotoapparate wirkt es, als würden einen die Menschenaffen ansehen. Bis zu fünf Meter lassen die Ranger Besucher an die Tiere heran.

Doch weil die Gorillas diese Regeln nicht kennen, kann es vorkommen, dass eines von ihnen näher herankommt oder sich ein Baby gar an das Bein eines der Besucher klammert. In diesem Fall gilt: Ruhe bewahren und auf die Anweisungen der Ranger hören. Sie wissen am besten, worauf es ankommt.

Eine Stunde haben Besucher Zeit, die Menschenaffen beim Fressen, Spielen und Kuscheln zu beobachten. Momente, die kaum einer je vergessen wird. Doch dann heißt es Abschied nehmen und den Rückweg antreten. Berauscht durch die Erlebnisse, nehmen die Wanderer den Rückweg als weit weniger beschwerlich wahr. Als zusätzliche Belohnung bekommen sie unten bei den Jeeps eine Urkunde.

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