Tourismus : Die Sonne darf teurer sein

Deutsche wollen in diesem Jahr öfter verreisen und mehr dafür ausgeben.

Friederike Marx
Gran Canaria ausgebucht? Keineswegs, auch wenn allgemein für den Sommer die Auftragsbücher schon gut gefüllt sind.
Gran Canaria ausgebucht? Keineswegs, auch wenn allgemein für den Sommer die Auftragsbücher schon gut gefüllt sind.Foto: Geisser/imago

Die Buchungen für die schönsten Wochen des Jahres laufen auf Hochtouren: Branchenexperten sagen dem Tourismus ein Topjahr voraus. „Die Aussichten sind so gut, wie wir sie noch nicht hatten“, sagte Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (Fur) jüngst. Der Fur zufolge wollen die Deutschen 2015 unterm Strich für mehr Reisen mehr Geld ausgeben. Vieles deute darauf hin, dass die Reiseintensität 2015 das Niveau des Vorjahres übertreffen werde, prognostiziert auch die Stiftung Zukunftsfragen.

Bereits das Reisejahr 2013/2014 bescherte der Tourismusindustrie hierzulande Bestmarken. Die Reiseveranstalter erzielten dem Branchenverband DRV zufolge Rekorde bei Umsatz und Teilnehmerzahlen.Der Umsatz stieg um rund eine Milliarde Euro auf 26,3 Milliarden Euro – ein Plus von fast vier Prozent.

Auch in den Reisebüros ließ die Urlaubsfreude der Bundesbürger die Kassen klingeln. Dank der stabilen Konjunktur erwartet der DRV weiteres Wachstum auf hohem Niveau. Der erste Trend ist positiv: Die aktuellen Vorausbuchungen liegen über dem Vorjahresniveau. Zwar haben die Buchungen für das wichtige Sommergeschäft 2015 im Januar etwas an Schwung verloren. Unter dem Strich steht nach einer Auswertung der GfK von Daten aus rund 1200 Reisebüros aber ein Umsatzplus von 5,4 Prozent.

Griechenland und Ägypten wieder gefragt

Die großen Trends sind unverändert. Auf dem ersten Platz der Hitliste der Bundesbürger liegt Urlaub im eigenen Land, gefolgt von Spanien, Italien, der Türkei und Österreich. Knapp zwei Drittel aller Urlaubsreisen führen der Fur zufolge jedes Jahr in eines dieser Länder.

Deutlich gestiegen ist die Nachfrage nach Griechenland und inzwischen auch wieder für Ägypten – trotz der Krisen. „Krisen haben in der Regel nur einen kurzzeitigen Effekt und führen zeitweilig zur Verlagerung der Reiseströme. Einen grundsätzlichen Verzicht auf Reisen – das belegen die Zahlen – gibt es jedoch nicht“, sagte Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV). Die Branche profitierte vor allem von der Nachfrage nach Kreuzfahrten und nach hochwertigeren und damit teureren Reisen.

Veranstalter wie Alltours berichten, für Ägypten seien Flugkapazitäten nachgeordert worden. Insgesamt laufe das Sommergeschäft gut. „Die Vorzeichen sind schon sehr gut“, sagt auch eine Sprecherin von DER Touristik. Und Thomas Cook verkaufte bis Mitte Februar 41 Prozent der Sommerreisen, damit etwas mehr als im Vorjahr.

Die Gewerbesteuer trübt die Stimmung

Allerdings waren es vor allem die Briten, die eifrig Reisen planten. „Die Deutschen tendieren dazu, ihre Reisen erst später zu buchen“, sagte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser jüngst. Branchenprimus Tui spricht von „erfreulichen Buchungseingängen“ für den Sommer mit einem Anstieg der Durchschnittspreise um zwei Prozent.

Profitieren könnte die Branche auch vom weiterhin niedrigen Ölpreis. „Damit sinken die Kosten für Langstreckenflüge, sodass zum Beispiel Thailand und Vietnam stark werden könnten“, sagt Ralph Schiller, Geschäftsführer der FTI-Group.

Eingetrübt wird die Stimmung vom Thema Gewerbesteuer. Die Veranstalter sollen nach dem Willen der Finanzverwaltung für den Einkauf von Hotelübernachtungen rückwirkend ab 2008 Gewerbesteuer zahlen. Die Branche befürchtet Steuermehraufwendungen in Milliardenhöhe und hält die Auslegung der Vorschriften für nicht nachvollziehbar.

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