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Reise : „Tüdel noch mal einen Meter vor“

19.02.2012 00:00 Uhrvon
„Ick heff mol en Hamborger Veermaster sehn ... “ Nun kommen immer mehr Große, ganz ohne Segel in die Hansestadt, etwa „Mein Schiff 2“ von Tui Cruises. Foto: picture alliance/dpaBild vergrößern
„Ick heff mol en Hamborger Veermaster sehn ... “ Nun kommen immer mehr Große, ganz ohne Segel in die Hansestadt, etwa „Mein Schiff 2“ von Tui Cruises. Foto: picture alliance/dpa - Foto: picture alliance / dpa

Die Elbe gilt schon als „Taufbecken“, Hamburg wird immer beliebter als Kreuzfahrthafen. Dabei hat er seine Tücken.

Ihre Majestät ist wieder entschwunden. Jüngst erst trat die „Queen Elizabeth“ eine Weltreise an – mal wieder von Hamburg aus. Immer öfter steuern Kreuzfahrtschiffe die Hansestadt an. „In diesem Jahr werden wir 164 Anläufe haben“, sagt Gerd Drossel, Geschäftsführer des Vereins Hamburg Cruise Center (HCC) stolz. Getragen wird er durch die Beiträge seiner Mitglieder, darunter Reedereien, Hamburg Tourismus und den Airport Hamburg. Denn sie alle profitieren vom Kreuzfahrtgeschäft. Mehr als 400 000 Passagiere werden 2012 erwartet, gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 27 Prozent.

Im Jahr 2004, mit dem Bau des Cruise Terminals in der Hafen-City, hatte sich Hamburg für Kreuzfahrtschiffe interessant gemacht.

„Dass der Aufschwung dann so schnell kam, lag an ,Queen Mary 2‘ “, vermutet Harald Burmeister, Operations Manager am Cruise Terminal. Erstmals hatte der Luxusliner im Juli 2004 Kurs auf die Hansestadt genommen. Und dann so ein Empfang! „Von Cuxhaven bis Hamburg säumten ja praktisch eine Million Menschen die Elbufer“, erinnert sich Burmeister. Die Reederei Cunard war beeindruckt und schickte „Mary“ fortan regelmäßig in die Hansestadt.

Zwei Liegeplätze für bis zu 300 Meter lange Schiffe gibt es in der Hafen-City und seit Mitte vergangenen Jahres noch einen zusätzlichen Kaiplatz in Altona. Während das neue Terminal in Altona gläsern und futuristisch daherkommt, wirkt der stadtnahe „Schiffsbahnhof“ wie ein Provisorium. Für seine beiden Hallen wurden – gleichsam als Wände – farbige Frachtcontainer aufeinandergestapelt. Während Deutsche darüber schon mal die Stirn runzelten, seien vor allem Amerikaner („oh, what a nice idea“) angetan von der Idee. „Es sind nicht irgendwelche Container, die sind alle zuvor um die Welt geschippert“, betont Burmeister stolz.

Reeder favorisierten das alte Terminal, weil es zweckmäßig sei. Die Größe der Hallen ließe sich durch Umstecken von Pfosten und Wänden leicht verändern und den jeweiligen Bedürfnissen anpassen. Schließlich sei es ein Unterschied, ob 800 oder 2500 Menschen an oder von Bord gehen würden.

Harald Burmeister wirkt nicht wie einer, der sich leicht aus der Ruhe bringen lässt. Wenn Passagiere aber darüber maulen, dass es in Hamburg „immer länger dauert als anderswo“, wird er doch ein wenig ungehalten. Denn: „Die Leute haben keine Ahnung.“ Sie wüssten nicht, dass Hamburg ein Tidehafen ist. Die Differenz zwischen dem mittleren Niedrigwasser und dem mittleren Hochwasser schwankt um rund dreieinhalb Meter. Entsprechend müsse getüftelt werden wie, wann und wo man die Passagiere heraus- oder Ladung hineinbekommt. „Jeder Kapitän will sein Schiff schnell fest liegen haben“, sagt Burmeister. „Dem kann man nicht sagen: Tüdel noch mal einen Meter vor oder einen halben zurück“. Der Hafen der Hansestadt sei ja sowieso eine Herausforderung, weil der Kapitän auf der Brücke sein muss „und zwar von ,Elbe I‘ an, wo die Lotsen sechs Stunden vor Hamburg an Bord gehen.“

Und wie schaffen es Burmeister und sein Team, das Schiff richtig zu platzieren? „Wir haben uns maßstabsgetreue Pappschablonen gebastelt“, sagt der Operations Manager stolz. 40 verschiedene lagern in seinem Büro, und so kann man genau berechnen, wo die Gangway der „Saga Pearl“ oder der „Aida Cara“ auf den Pier treffen soll.

Wenn die Passagiere am Terminal aussteigen, warten Busse, die sie ins Zentrum bringen. Im Grunde könnten sie fast zu Fuß gehen, so nah ist die Innenstadt. Mitarbeiter des HCC stehen am Ausgang, verteilen Stadtpläne oder Museumsflyer und geben Sightseeingtipps. So ein Service sei nicht in allen Kreuzfahrthäfen selbstverständlich, heißt es. Und auch an die Bedürfnisse der Crewmitglieder habe man gedacht. In einem Raum stehen diverse Computer, über deren W-Lan-Zugänge die Seeleute Kontakt mit ihrer Heimat aufnehmen könnten. Für die Schiffsbesatzungen, die meist aus Asiaten bestehen, sei im Shop auch die Möglichkeit, „vertraute“ Lebensmittel zu kaufen. „Besonders beliebt sind Schweinskrusten“, weiß Burmeister. Die 175-Gramm-Tüte kostet zwei Euro.

Hamburg ist der drittgrößte europäische Seehafen Europas nach Rotterdam und Antwerpen. Und will nun auch als Kreuzfahrtdestination ganz oben mitmischen. „Hamburg verfügt über ein großes Einzugsgebiet. In einem Radius von drei bis vier Zugstunden leben 40 Millionen Einwohner“, sagt Drossel. Rund anderthalbProzent der deutschen Bevölkerung buche Kreuzfahrten, in Großbritannien seien es gut zweieinhalb Prozent. „Da wollen wir hin“, bekräftigt Drossel.

Auch Berlin könne vom Hamburger Kreuzfahrtboom profitieren, wirft er ein. „Die Costa-Schiffe kommen morgens hier an und fahren spätabends wieder weg.“ Das reiche gut für einen Ausflug in die Spreemetropole.

Am meisten profitiert die Hansestadt natürlich selbst von den Kreuzfahrtschiffen. Bei den alle zwei Jahre stattfindenden „Cruise Days“ (in diesem Jahr 17. bis 19. August) kommen etwa 600 000 Gäste in die Stadt. Beim Hafengeburtstag vom 11. bis zum 14. Mai werden anderthalb Millionen Schaulustige erwartet. Zudem kommen immer mehr Ozeanriesen hier zu ihren Namen. „Die Elbe ist praktisch zum Taufbecken geworden“, sagt Burmeister. Am 12. Mai wird zum Beispiel die „Aida Mar“ in Hamburg getauft. Zu dem Ereignis kommen noch drei andere Schiffe der Aida-Flotte, um dann in einer Parade an den Landungsbrücken vorbeizufahren. Passionierte Schiffsgucker werden so lange nicht warten können – und haben sich schon den 29. April im Kalender angestrichen. Da kommt die schöne „Queen Elizabeth“ von ihrer Weltreise zurück.

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