Türkische Großstadt am Mittelmeer : Im Labyrinth der Osmanen

Viele Türkei-Urlauber landen in Antalya, doch wenige kennen die Stadt. Dabei kann man sich herrlich in ihr verlieren.

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Traumlage am Mittelmeer. Viele waren schon von Antalya begeistert. Kaiser Wilhelm II. schenkte den Zeitmesser für den 1901 gebauten Uhrturm.
Traumlage am Mittelmeer. Viele waren schon von Antalya begeistert. Kaiser Wilhelm II. schenkte den Zeitmesser für den 1901...Foto: Bruno Morandi/laif

Die beiden Damen mittleren Alters sind ganz außer Atem und der schieren Verzweiflung nah. „Pardon, Madame, pouvez vous nous aider, où est le grand parking?“ Dort, am großen Parkplatz stehe ihr Bus, der in fünf Minuten abfahren will. Leider kann man den Französinnen nicht helfen. Sucht ja selbst gerade das Hamam, an dem man doch gestern vorbeispaziert ist. Aber, in welcher Gasse war das noch? Kaleiçi, Antalyas historische Altstadt, ist ein Labyrinth. Eine beständige Herausforderung für den Orientierungssinn. Und eine Offenbarung, wenn man Zeit hat, sich einfach so hindurchtreiben zu lassen. Denn tief taucht man dabei ein in die Geschichte der Stadt.

158 vor Christus wurde die Siedlung auf dem Felsplateau von Attalos II., König von Pergamon gegründet. Im 1. Jahrhundert nach Christus soll Apostel Paulus hier auf Missionsreise gewesen sein. Im Jahre 130 kamen die Römer. Zu Ehren des römischen Kaisers wurde damals das Hadrianstor errichtet. Drei reich verzierte Bogen bilden es, flankiert von zwei wuchtigen Türmen. Einen würdigeren Zugang zur Altstadt kann man sich nicht wünschen. Nach wenigen Schritten schon verebbt der Lärm der modernen Millionenstadt Antalya und man wähnt sich in einem märchenhaften osmanischen Bilderbuch. Nach den Seldschuken im 12. Jahrhundert hatten die Osmanen die Stadt erobert. Ihre typischen Häuser mit zierlichen Erkern, Balkonen und roten Ziegeldächern säumen wie einst die schmalen, oft in krummen Bogen verlaufenden Straßen. Etliche Gebäude sind fein restauriert, manche halb verfallen. Gerade diese pittoreske Mischung macht den Reiz aus.

„Irgendwann möchte ich so ein Haus wie dieses kaufen und ein Hotel eröffnen“, sagt Reiseführer Olcay Yilmaz und deutet auf ein ziemlich marodes Gebäude. Aus den Fensterhöhlen wachsen Gräser, eine Katze räkelt sich vor der zerborstenen, hölzernen Eingangstür. Leider würde selbst für solch ein Objekt ein hoher Preis gefordert, bedauert Olcay. Jene fertig restaurierten, an denen manchmal ein Schild „Satilik“ (zu verkaufen) steht, seien ohnehin unerschwinglich.

Manche sind inzwischen zu sogenannten Boutiquehotels geworden. Kleine, feine Pensionen, oft nur mit zehn, zwölf Zimmern. Immer gehören üppig bepflanzte Innenhöfe dazu, bisweilen gibt es auch einen Pool. In der Vor- und Nachsaison kostet ein Zimmer in solch abgeschiedener Oase wenig. Denn Antalya hat vor allem Tagesgäste. Viele Ausländer machen Urlaub an der Türkischen Riviera ,kommen aber nur für eine Stippvisite in die Stadt. „Die Leute buchen einen Antalya-Ausflug und sind dann die meiste Zeit in einer Lederfabrik und in einem Goldshop“, erzählt Olcay, der für Öger-Tours arbeitet.

Um potenzielle Kunden zu bekommen, sponserten die Läden die Ausflüge. Nur deshalb könne der Veranstalter die Fahrten so kostengünstig offerieren. „Ich biete den Gästen auch einen Rundgang durch Antalya an, gratis, denn ich stamme von hier und möchte meine Stadt zeigen“, sagt er. Aber nur wenige Urlauber seien interessiert. „Nach dem Einkauf wollen sich die Leute nur noch ausruhen“, bedauert Olcay. Nicht mal in die einzigartige Yivli-Minare-Moschee aus dem 13. Jahrhundert, mit ihren sechs Kuppeln und dem 38 Meter hohen, kannelierten Minarett, kann er sie locken.

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