Reise : Unerwünschte Souvenirs

Hepatitis-Infektionen nehmen zu. Mediziner raten vor der Reise in den Süden zu Impfschutz

Bettina Levecke
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Ein Piks – und etwa 100 Euro. Meist muss die Spritze selbst bezahlt werden. Foto: dpa

Immer mehr Urlauber tragen bei ihrer Abreise nicht nur Souvenirs im Gepäck, sondern auch das Hepatitis-A-Virus im Körper. Schätzungen gehen davon aus, dass sich jedes Jahr zehn Millionen Menschen weltweit mit dem Virus anstecken.

„Und die Zahl steigt, weil immer mehr Menschen reisen“, sagt Anton Gillessen, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster. Die sogenannte Reisegelbsucht belastet besonders Erwachsene und endet in ein bis zwei Prozent aller Fälle sogar tödlich.

Vor Reisen nach Ost- und Südeuropa, in Mittelmeerländer wie Griechenland, Ägypten oder Tunesien sowie in alle tropischen Regionen empfiehlt das Robert- Koch-Institut in Berlin dringend eine Impfung. Denn 40 bis 50 Prozent aller Betroffenen infizieren sich im Urlaub.

Besonders wichtig ist die Impfung für Rucksacktouristen, Muschelliebhaber oder Zelturlauber. Normalerweise kostet sie rund 100 Euro, für Erzieher, Lehrer oder Menschen mit Leberschäden ist sie laut Gillessen sogar kostenlos. Er empfiehlt eine Kombinationsimpfung für Hepatitis A und B: „Darüber sollte eigentlich jeder einmal nachdenken.“    Das Virus breitet sich über kontaminiertes Wasser, Körperkontakt und verunreinigtes Essen aus. Im Mittelmeer soll bereits jede zweite Muschel Hepatitis-A-Viren tragen. „Die Muscheln filtern das mit Abwasser verunreinigte Meerwasser und landen später auf dem Teller“, erklärt Gillessen. Für Reisende gelte beim Essen daher die Faustregel: „Cook it, peel it – or forget it!“ Übersetzt bedeutet das: Koch es, schäl es – oder vergiss es! Beim Wasserkauf ist darauf zu achten, dass die Flaschen den Originalverschluss tragen.

Wer sich mit dem Virus angesteckt hat, spürt die Symptome meist erst lange nach der Rückkehr. „Zwischen Ansteckung und Ausbruch vergeht in der Regel knapp ein Monat, im besten Fall ist der Urlaub dann schon vorbei“, sagt Gillessen. Bei Kindern heilt die Erkrankung meist ohne auffällige Beschwerden aus. Bei Erwachsenen sind die Anzeichen zunächst unspezifisch: Am Anfang steht ein allgemeines Unwohlsein mit Magen- Darm-Beschwerden oder einer erhöhten Temperatur. „Später wird der Urin dunkel, der Stuhl hell und die Haut gelb“, erklärt Gillessen. Dazu kommt die Müdigkeit, die gemäß einem alten Sprichwort „der Schmerz der Leber“ ist. „Betroffene sind kraftlos, antriebsarm und extrem schlafbedürftig.“

Wer die Symptome an sich bemerkt, sollte nicht zu lange mit dem Arztbesuch warten: „Eine Hepatitis A ist hoch infektiös“, warnt Professor Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten in Wiesbaden. Wer das Virus trägt, muss sein Umfeld vor Ansteckung schützen. „Keinen Körperkontakt, getrenntes Besteck, die Zahnbürste in einen eigenen Becher stecken und die Toilette regelmäßig desinfizieren“, rät Christoph Jochum, Gastroenterologe am Universitätsklinikum Essen.

In der Regel dauert die Erkrankung bei Erwachsenen ungefähr drei Monate. Bei fünf bis zehn Prozent der Erkrankten hält sie aber auch bis zu sechs Monate an. In den allermeisten Fällen heilt Hepatitis A von selbst aus und verursacht keine Folgeschäden. Bei ein bis zwei Prozent aller Infektionen treten jedoch Komplikationen auf. Betroffen sind hiervon besonders Senioren, Diabetiker, Alkoholiker und Menschen, die bereits das HIV- oder das Hepatitis-B-Virus in sich tragen. „Bei einer vorgeschädigten Leber kann eine Hepatitis A sogar zum Leberversagen führen“, warnt Jochum.

Stefan Zeuzem vom Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main rät Menschen mit diesen Risikofaktoren, regelmäßig ihre Leberwerte überprüfen zu lassen. „Nur so kann eine Hepatitis frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden.“

Eine antivirale Therapie in Form eines Medikamentes gibt es bisher nicht. Die meisten Patienten benötigen keinen Klinikaufenthalt, sondern kurieren sich zu Hause aus. Christoph Jochum erklärt die einfachen Eckpunkte der Selbsttherapie: „Der Körper braucht jetzt viel Ruhe und eine leberfreundliche Ernährung ohne Alkohol und Fett.“

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