Untergrunddichter : Lyrik live

"Spoken Word“, eine Plattform für junge Dichter.

Abed Erastus

Alles begann damit, dass ein paar Freunde zusammen am Küchentisch saßen und gemeinsam ein kurzes Gedicht zu Papier brachten. Es war die Geburtsstunde von „Spoken Word“, einer Lyrik-Show, die heute in Windhoek die wichtigste Plattform und Veröffentlichungsbasis für viele Dichter ist.

An jedem ersten Mittwoch im Monat versammeln sich Poeten, Enthusiasten und Unterstützer in der Theaterschule von Windhoek, um den LiveAuftritten namibischer Untergrunddichter beizuwohnen. Das Publikum ist sehr gemischt. Auch die Künstler, die auf der Bühne ihre Worte von Weisheit, Liebe, Schmerz und Freude darbieten, kommen aus den verschiedensten Lebensbereichen.

Der Eintritt kostet wahlweise zehn namibische Dollar, ein Spielzeug oder ein Buch, womit „Spoken Word“ für die meisten Menschen in Windhoek ein erschwingliches Vergnügen ist. Die Spielzeuge und Bücher, die zu den Treffen mitgebracht werden, gehen als Spenden an verschiedene Organisationen. Diesen Teil der Arbeit übernimmt „One Love“, die Wohltätigkeitsabteilung von „Spoken Word“. „One Love“ ist eine eingetragene Non-Profit-Organisation, die behinderten Kindern den Schulbesuch ermöglicht, indem sie Mittel für Bücher, Uniformen und Schulgebühren zur Verfügung stellt. Derzeit werden sieben Schüler aus dem „One Love“-Fond finanziert, in Zukunft sollen es mehr werden.

Von Anfang an ging es bei der Lyrik-Show darum, Dichter mit kreativen Aufgabenstellungen zu inspirieren, um jeden Abend einzigartig zu gestalten. Dabei werden poetische, aber auch politische Themen ausgewählt, und jedes Thema wird mit einer eigenen visuellen Bühnengestaltung präsentiert.

Seit 2006 wird „Spoken Word“ im technischen Bereich von zwei lokalen Produktionsfirmen gefördert, die im Audio- und Videobereich tätig sind, und zwar durch „DB Audio“ und „New Dawn Productions“. Dadurch besteht die Möglichkdeit, die Qualität der Shows zu verbessern und dem Publikum durchgehend die aktuellsten Beleuchtungs- und Bühnentechnologien zu bieten.

Außer den regulären Abenden in der Theaterschule veranstaltet „Spoken Word“ auch regelmäßig Events in anderen städtischen Veranstaltungsräumen, darunter das Franko-Namibische Kulturzentrum, das Warehouse-Theater, das Restauraunt Nice und die Bar 77, ein örtliches Foto- und Modelstudio.

Sieben Profis aus der Kreativbranche stellen das Team hinter „Spoken Word“: die Grafikdesignerinnen Clara Mupopiwa und Caroline De Meersseman, die Medienberaterin Erica Gebhardt, die Kulturbeamtin Maria Lopez, der Kreativdirektor Abed Erastus, die Protokolladministratorin Fenny Auala und der Filmemacher Oshi Hivelua.

Seitdem die Lyrik-Show im nationalen Radio und Fernsehen vorgestellt wurde, hat das Interesse an Dichtung im ganzen Land merklich zugenommen.

„Spoken Word“ hat zudem Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit diversen Entwicklungsorganisationen auf die Beine gestellt, mit dem Ziel, wohltätige Zwecke zu unterstützen. „Poetic Healing“, eine Partnerschaft zwischen „Spoken Word“, IBIS und dem Franko-Namibischen Kulturzentrum, konzentriert sich darauf, Dichtung als Hilfsmaßnahme für Menschen mit HIV/Aids einzusetzen. Als zukünftige Projekte sind eine Lyrik-DVD, eine Anthologie, diverse Workshops und eine Live-Show im Fernsehen geplant. Abed Erastus

Kontakt: E-Mail an spokenwordnam @yahoo.com.

Aus dem Englischen von Jens Mühling

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