Urlaub auf dem Land : Im Maislabyrinth

Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern setzen zunehmend auf einen neuen Betriebszweig: die Touristen. Die Bauern bieten dabei Einblicke ins ländliche Leben und vermitteln viel Wissenswertes.

Grit Büttner[dpa]
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Streicheln erlaubt. Für Familien mit Kindern sind Ferien auf dem Bauernhof ideal. -Foto: dpa

Nach Einschätzung des Vereins Landurlaub Mecklenburg-Vorpommern gehört die Region beim Urlaub auf dem Bauernhof zu den beliebtesten Zielen in der Republik. Nach Vereinsangaben machte der Landtourismus mit knapp zwei Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr einen Anteil von acht bis zehn Prozent aller Gästebuchungen aus. Damit habe das Agrarland zwischen Elbe, Oder und Ostseeküste die Länder Bayern und Baden-Württemberg auf die Plätze verwiesen, heißt es im Norden. Der Grund sei die Kombination aus Meer, Natur, faszinierend großen Feldern und passender Infrastruktur mit einem Netz von Rad- und Reitwegen von Tausenden Kilometern Länge.

Bundesweit bieten nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Deutschland etwa 25000 Landwirte Ferienunterkünfte an. Jeder 14. Bauer arbeitet damit auch im Tourismus. Fast die Hälfte dieser Höfe erwirtschaftet im Fremdenverkehr mehr als ein Viertel ihres Einkommens. Und der Nordosten profitiert stark von diesem Trend.

„Der Tourismus ist auch auf unserem Landgut zum gleichrangigen Betriebszweig geworden“, sagt Christian Schröder, Vorstandsmitglied im Verein Landurlaub Mecklenburg-Vorpommern, der selbst im nordwestmecklenburgischen Lischow einen Hof führt, der sich neben Raps und Getreide auch auf die Zucht von Trakehnern spezialisiert hat. „Damit sich die Pferde rechnen, nehmen wir Touristen auf“, erklärt der 67-Jährige. 50 Gästebetten gibt es auf dem weitläufigen Gut. „Kein Luxus, dafür familiär und urig.“ Gratis bekommt der Besucher viel Wissen über Landschaft und Landwirtschaft, denn Bauer Schröder erzählt bei Kremserfahrten und Ausritten gern über Wald und Flur, Geschichte und Architektur, Pflanzen und Pferde der Region.

Diese Service der Bauern schlägt sich auch in Übernachtungszahlen nieder: 2007 stieg die durchschnittliche Bettenbelegung auf rund 150 Tage an. Derzeit sei ein Strukturwandel hin zu mehr Professionalität zu beobachten, sagte Frank Wetterich, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft mit Sitz in Berlin. „Die Gäste werden immer anspruchsvoller.“ Das Bett im Kornfeld oder auf dem Heuboden reiche nicht mehr aus. Laut einer Umfrage haben acht von zehn Anbietern ihre Domizile nach den Sterne- Kategorien des Tourismusverbandes klassifiziert.

Für die Urlauber müssten die Bauern erhebliche Investitionen tätigen. „Das kann niemand aus der blanken Not heraus“, betont Wetterich. Der Standort müsse passen und die Bauern müssten Spaß am Kontakt mit den Menschen haben. „Landwirte vermitteln so auch Begeisterung und Wertschätzung für die eigenen Produkte.“ Da die wenigsten Leute Agrarwirtschaft noch aus eigenem Erleben kennen würden, stiegen Informationsbedarf und Neugier. Gefragt sei aber kein Schulbuchwissen, sondern wirkliches Erleben der Betriebe, meint Wetterich. „Bauernhof-Ferien bekommen Eventcharakter.“ Um die Angebote zu zertifizieren, will die Bundes-AG jetzt ein neues Siegel für Bauern- und Reiterhöfe, Gemüse- und Obstbauern, Winzer und Fischer einführen.

Bereits heute seien der Kreativität der Landwirte kaum noch Grenzen gesetzt. Milch- und Hofläden, Naturpfade, Maislabyrinthe, Kletterwälder, Pferde-, Kutsch- und Wanderreithöfe lockten ebenso wie die Möglichkeit zum Anpacken: Kälber füttern, Traktor fahren oder Stall ausmisten machten den Gästen die Landwirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes begreiflich. „Das bringt dem Bauern zwar keine wirkliche Hilfe, ist aber ein Service für den naturhungrigen Städter“, weiß Wetterich. „Die Gäste wollen keine Kulisse, sondern echte Betreuung und persönliche Ansprache selbst während der Ernte. Das macht viel zusätzliche Arbeit.“

Internet: www.bauernhofurlaub-deutschland.de.

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