Usedom : Asiatisch auf die feine Art

Makrele mit geröstetem Knoblauch und Chili oder rotes Curry mit Garnelen: Im Ahlbecker Hof auf Usedom kann man inzwischen auch thailändisch schlemmen.

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Restaurant Suan-Thai Foto: promo

Vermutlich wird kaum ein Urlaubsgast in Usedom nach Thai-Küche suchen, und wenn doch, dann allenfalls als billige Alternative zum täglichen Heringsbrötchen. Doch von dieser Überlegung ließ sich Burghard Seelige-Steinhoff nicht anfechten, als er in Ahlbeck das „Suan Thai“ plante, denn er mag Thailand und dessen Küche – warum sollten das nicht auch die Urlaubsgäste tun? Seit nunmehr einem Jahr verfügt der traditionsreiche Ahlbecker Hof also über ein Thai-Restaurant, die Küche ist ungewöhnlich gut, und die Gäste mögen es. Na bitte.

Seit Seelige-Steinhoff 1992 mit seiner Familie auf die Insel kam, hat er rund um den Ahlbecker Hof ein kleines Imperium von Hotels und Ferienwohnungen errichtet, das ihn zum größten Arbeitgeber Usedoms werden ließ – 15 Objekte betreibt seine Seetel-Gruppe gegenwärtig, darunter eine Privatbrauerei, sie beschäftigt 350 Mitarbeiter und 100 Azubis. Und es wären schon wieder ein paar mehr, wenn nicht ein um seinen Seeblick pokernder Nachbar den Bau des Grandhotels Kaiserstrand in Bansin blockieren würde; die Baulücke, ein wilder Parkplatz, ist ein notorischer Schandfleck in bester Lage.

Und fährt man mit Mitarbeitern herum, so hört man nicht nur einmal, „ach, da hat der Senior auch schon ein Auge drauf geworfen“. Der Senior ist nicht mehr der Jüngste, die Gesundheit macht ihm beträchtliche Probleme, und deshalb ist sein Sohn Rolf schon lange als Geschäftsführer im Unternehmen. Er hat sich im vergangenen Herbst in Magdeburg den begehrten Mittelstands-Oskar abgeholt, der für vorbildliche Leistungen in Innovation, regionalem Engagement und Kundennähe verliehen wird.

Eine dieser Investitionen war das „Suan Thai“, das in einem vorher weitgehend ungenutzten Wintergarten installiert wurde. Keine pseudoexotischen Laubsägearbeiten sind hier zu sehen, sondern solides Handwerk: Fast alles ist aus Thailand eingeflogen: Täfelungen, Möbel, Stoffe, auch ein kleiner Tempel als Blickfang in der Mitte des stimmungsvollen Raums. Hier wurde erkennbar nicht in erster Linie auf Rendite geachtet, sondern es sollte mit hohem Aufwand ein schönes Restaurant entstehen. Das ist auf erstaunliche Weise gelungen.

Hark Pezely, der langjährige Küchendirektor des Hotels, hat das Konzept für die Thaiköche vorgegeben, und so bleibt die Karte überschaubar. Gegrillte Entenfilets in Tamarindensauce mit Chili und Koriander, gebratene Thai-Makrele mit geröstetem Knoblauch und Chili-Fischsauce, das rote Curry mit Garnelen oder der üppig beladene Vorspeisenteller – alles schmeckt authentisch, würzig, frisch, ist mit Preisen um die 17 Euro freundlich kalkuliert.

Konkurrenz gibt’s im eigenen Haus, in Pezelys eigentlicher Feinschmecker-Küche. Die findet im Restaurant „Kaiserblick“ statt, pendelt zwischen mediterranen, exotischen und regionalen Inspirationen und zeigt, wie sehr es in kulinarisch so prekären Orten wie Ahlbeck darauf ankommt, dass einer über die Jahre dranbleibt und die Gäste durch kontinuierliche Weiterentwicklung überzeugt. Hier stimmt alles, und die mit 14 Punkten relativ zurückhaltende Bewertung des Gault-Millau wirkt überholt, da ist mehr drin. Mango-Lauch-Salat mit Jacobsmuscheln, Topinambur-Sanddornsuppe mit confiertem Zanderfilet oder Rehrücken im Kakao-Brotmantel mit Steinpilzen und Sellerie zeigen ausgereiftes Handwerk und gut dosierte Weltläufigkeit.

Der Spaß am gehobenen Essen soll nicht auf den Ahlbecker Hof beschränkt bleiben, denn auch im Esplanade in Heringsdorf und im Strandhotel Atlantic in Bansin haben gute Köche freie Hand. Allerdings wird hier noch die Linie gesucht.

Und dann ist da ja auch noch der Wettstreit. „Fighting Chefs“ heißt der Ausscheidungskampf der Usedomer Köche, der von Pezely erfunden wurde. Je zwei Köche treten gegeneinander an, kochen ein gemeinsames Menü, und die Gäste küren den Gewinner. Pezely hat schon zwei Mal gewonnen, aber den jüngsten Sieg trug ein starker Konkurrent davon: Arjan Mensies vom „Ostseeblick“, der gegenwärtig als führender Experimentierer der Insel gilt. Mensies, ein Holländer, serviert verblüffende Kreationen wie die mosaikartig angerichtete Kombination von mariniertem Tunfisch und Gelees aus Roten Beten und Yuzu-Zitronen, aber auch Vertrauteres wie Rebhuhn mit Sauerkrautkrapfen.

All diese Köche wissen, dass sie zwar Konkurrenten, aber keine Gegner sind. Denn je mehr gute Restaurants es auf Usedom gibt, desto mehr aufgeschlossene Besucher finden sich ein.


Zentrale Reservierung Seetel-Hotels: 03 83 78 / 604 00, im Internet unter: www.seetel.de

Restaurant „Bernstein“ im Hotel Ostseeblick, Kulmstraße 28, Heringsdorf; Telefonnummer 03 83 78 / 540, im Internet: www.strandhotel-ostseeblick.de

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