Vogtland : Geknüpfte Geschichte

Auf Schloss Voigtsberg im Vogtland eröffnet ein spannendes Teppichmuseum

Nils-Eric Schumann[ddp D]
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Wilhelm Pieck – als Wandbehang. Foto: dpaddp

Auf Schloss Voigtsberg im vogtländischen Oelsnitz eröffnet zu Ostern ein Teppichmuseum. Dazu wurde das sogenannte Mädchenhaus der Burganlage einer historischen Textilfabrik nachempfunden. Maschinen aus alter Zeit und scheinbar fliegende Teppiche zwischen den Etagen zeigen ein Kapitel regionaler Industriegeschichte. „Wir wollen damit unser Oelsnitz bekannter machen“, sagt der Geschäftsführer der kommunalen Stadtmarketing und Tourismus GmbH, Eckardt Scharf.

Bisher spielt die Stadt im Fremdenverkehr des Vogtlands allenfalls eine untergeordnete Rolle. So ist das aufwendig sanierte Schloss über die Stadtgrenzen hinaus kaum bekannt. Bislang wird Oelsnitz insbesondere mit den Volksmusikanten Stefanie und Eberhard Hertel in Verbindung gebracht, die bei jeder Gelegenheit für ihre Heimatstadt werben.

Dabei war eine Ware aus dem vogtländischen Ort schon lange vor den Hertels bis weit über Sachsen hinaus ein Begriff: Teppiche der Marke „Halbmond“. Vor 130 Jahren wurde von Carl Wilhelm Koch und Fritz te Kock der Grundstein für eine Teppichfabrik gelegt, die noch immer produziert. Zuvor sei überwiegend in kleinen Manufakturen gefertigt worden, sagt Scharf. Aus Anlass des Jubiläums werde „Halbmond“ die erste Sonderausstellung zur eigenen Unternehmensgeschichte gestalten, die mit der Eröffnung des Museums gezeigt wird.

„Wir sind aber kein Firmenmuseum“, stellt Scharf klar. „Halbmond“ unterstütze die Dauerausstellung ideell und habe beispielsweise einen Teppich aus dem Jahr 1880 bereitgestellt. Daneben sind Klassiker der Massenware-Produktion aus DDR-Zeiten zu sehen oder Sonderanfertigungen mit sozialistischer Propaganda. Das Museum will sich auch der Geschichte der Teppiche über „Halbmond“ hinaus widmen. So zeigt die Einrichtung, wie sich die Produktion im Laufe der Jahrhunderte veränderte und immer weiter industrialisiert wurde.

Besucher können auf Schautafeln und an originalen Exponaten den Weg von der Wolle eines schottischen Schafes bis hin zum aufwendig bedruckten Bodenbelag oder Wandbehang verfolgen. Ein Kapitel ist dem Pasyryk gewidmet. Dieser persische Teppich, der in der St. Petersburger Eremitage aufbewahrt wird, gilt den Angaben zufolge als ältester Teppich der Welt. Er soll etwa 500 bis 400 Jahre vor Christus geknüpft worden sein und blieb im Permafrostboden des Altaigebirges erhalten, wo er 1949 geborgen wurde.

Den Namen „Deutsches Teppichmuseum“ wollen die Oelsnitzer nicht wählen. „Es existieren noch Museen zum Thema in Lüneburg, Hannover und Lasan bei Anklam“, hat Scharf recherchiert. Das vogtländische Museum lege deshalb den Schwerpunkt auf die industrielle Teppichherstellung und wolle dem Verbund sächsischer Industriemuseen beitreten.

Der Tourismusverband Vogtland sieht die Aktivitäten in Oelsnitz gern. Das Museum zur regionalen Industriegeschichte habe klassische Alleinstellungsmerkmale und ergänze die bereits etablierten vogtländischen Themenmuseen, sagt Geschäftsführer Michael Hecht. Er nennt beispielsweise die Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz, das Spitzenmuseum Plauen, das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen oder das Sächsische Bademuseum in Bad Elster.Nils-Eric Schumann, ddp

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