Reise : Vom Zauber, unterwegs zu sein

Wie Annemarie Schwarzenbach reiste – ein Hörbuch

Stefan Berkholz

Annemarie Schwarzenbach war eine schreibende Reisende wie ihr Zeitgenosse Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter. „Reisen ist Aufbrechen ohne Ziel“, schrieb sie, es ist „die Sehnsucht nach dem Absoluten“. Die rastlose Schriftstellerin (1908–1942) bezeichnete sich als „unheilbare Reisende“, sie sprach vom „Zauber, unterwegs zu sein“ und plädierte für ein Entdecken der Fremde ohne den Baedecker in der Hand. In den Jahren 1930 bis 1942 verfasste sie, die zeitweise enge Gefährtin von Erika und Klaus Mann, hunderte von Reisereportagen.

Es sind sehr persönliche Betrachtungen aus einer Zeit, als die Ferne noch unbekannt war und schwer zu erreichen. Und vielfach waren es Regionen, die zu jener Zeit kaum ein fremder Mann betreten hatte – geschweige denn eine Frau: Persien, Afghanistan, Syrien, Usbekistan, Marokko, der Kongo …

Der Schweizer Hörbuchverlag Kein & Aber hat zwölf dieser Reportagen unter dem Titel „Liebeserklärungen einer Reisenden“ herausgebracht, gelesen von der Theater- und Filmschauspielerin Bibiana Beglau.

Die herbe und leicht gebrochene Stimme prägt sich ein, sie klingt mitunter rauchig, kratzig, etwas heiser, sehnsuchtsvoll auf alle Fälle, staunend über die Wunder dieser Welt. Eine Stimme, wie gemacht für die leidenschaftlichen Reportagen von Annemarie Schwarzenbach.

Das Booklet ist schön und aufwendig gestaltet, doch die Produktion lässt leider zu wünschen übrig. Sowohl technische als auch dramaturgische Mängel stören. Die Interpretin aber, Bibiana Beglau, überträgt die Texte auf stimmige Weise in die Gegenwart.

„Es war doch meine Arbeit“, gestand Annemarie Schwarzenbach kurz vor ihrem Unfalltod, „das Innere der Länder kennenzulernen und sie aufrichtig zu lieben, um sie für andere Menschen beschreiben zu können!“Stefan Berkholz

Annemarie Schwarzenbach: Liebeserklärungen einer Reisenden. Gelesen von Bibiana Beglau. Zwei CDs, zirka 130 Minuten. Kein & Aber Verlag, Zürich 2007, 19,90 Euro

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