Reise : Von Irrtümern und Halbwahrheiten

Ein Aha-Buch zum Schmökern. Autorin Nele-Maria Brüdgam räumt auf mit „Reise-Irrtümern“. Und selbst Weitgereiste werden bei der Lektüre feststellen, dass sie noch manchen Fleck auf ihrem Bordbuch im Kopf haben, der zwar nicht weiß, jedoch mit allen möglichen Vorurteilen oder Fehleinschätzungen besetzt ist. Vor allem aus eigener Reiseerfahrung klug geworden, beschreibt Brüdgam vergnüglich plaudernd und stets ohne Besserwisserei, welchen Irrtümern wir oft noch unterliegen, wenn es um das Thema Reisen geht.

Immer wieder gern diskutiert unter Globetrottern (und auch in der Tagesspiegel-Redaktion): Myanmar, Burma oder doch Birma, welche Bezeichnung des südostasiatischen Landes ist nun die (politisch) korrekte? Brüdgam hat sich für Myanmar entschieden. Die Sprache des Vielvölkerstaates ist Burmesisch (oder Birmanisch), das 70 Prozent der Bevölkerung sprechen. In dieser Sprache heißt das Land Myanmar. Dass es dummerweise die abscheuliche Junta war, die 1989 den kolonialen Namen Burma abgestreift und das althergebrachte Myanmar wieder als offizielle Landesbezeichnung eingeführt hat, ändert nichts an der Tatsache, dass die Menschen im Land seit dem 11. Jahrhundert von Myanmar sprechen.

Im vorliegenden Buch geht es auch um Etikette auf Reisen, ein Thema, das – traurig, traurig – bei immer mehr Weltenbummlern immer weniger Beachtung findet. Deshalb ein Kapitel zu dem Irrtum „Dresscodes haben heutzutage keine Bedeutung mehr“. Brüdgam nimmt sich außerdem solcher Fehleinschätzungen an wie „Bei Problemen hilft die deutsche Botschaft“ oder „Auf Safaris in Afrika kann man fantastische Tierfotos machen“.

Die Autorin bricht auch Lanzen, etwa für den Reisebus, wenn sie über den Irrtum aufklärt, „Die Bahn ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel“. Kein Busveranstalter fahre mit halb vollem Bus etwa zum Gardasee, die Bahn müsse rollen, ob mit oder ohne Passagiere.

Gespickt mit Tipps und Anekdoten ist die Lektüre meistens amüsant und oft lehrreich. Dass die weitgereiste Autorin nicht immer dem Ansinnen des Buches gerecht wird, sei ihr nachgesehen. Manches Kapitel dient wohl nur dazu, dem Büchlein zu einem angemessenen Volumen zu verhelfen. Siehe „Im Gefängnis zu übernachten, ist das Schlimmste, was einem auf Reisen passieren kann“ – und dann wird lediglich eine Reihe von ausgedienten Haftanstalten aufgezählt, die in zum Teil originelle Hotels umgewandelt wurden. Na ja.

Doch abgesehen von solchen „Irrtümern“, wird niemand etwas falsch machen, wenn er sich für den Kauf des Buches entscheidet, und sei es als Geschenk für den schlaumeierischen Onkel. gws











— Nele-Marie Brüdgam:
Kleines Lexikon der Reise-Irrtümer. Eichborn Verlag, Oktober 2011, gebundene Ausgabe, 223 Seiten, 14,95 Euro

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