Reise : Von Nest zu Nest

Eine „Storchenstraße“ weist den Weg zu Adebar

Joachim Göres

Sie sind das Symbol für Fruchtbarkeit und Glück, ihre Anwesenheit schützt nach Überzeugung vieler Menschen Haus und Hof vor Feuer und Blitz. Die Rede ist vom Storch, genauer gesagt vom Weißstorch. Vor 70 Jahren nisteten in Deutschland noch 30 000 Paare. Bis in die 80er Jahre ging ihr Bestand dramatisch zurück. Heute hat sich die Zahl auf rund 4000 Storchenpaare stabilisiert, 2006 wurden 8530 flügge Jungvögel registriert. Den Weg zu vielen von ihnen weist künftig die „Deutsche Storchenstraße“, deren Hinweisschilder der niedersächsische Umweltminister Sander jetzt in Bleckede bei Lüneburg vorstellte. Bis zum Herbst werden Schilder und Tafeln zunächst in den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg angebracht. Bis Ende nächsten Jahres soll die Deutsche Storchenstraße dann von Hamburg kreuz und quer entlang der Elbe durch Storchendörfer in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, durch den Landkreis Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern und die Altmark in Sachsen-Anhalt bis nach Havelberg in Brandenburg führen.

In den Dörfern sollen Wegweiser die Besucher zu den teils versteckt gelegenen Horsten führen. An den einzelnen Standorten der Nester werden sie dann über die aktuelle Zahl der Jungen und die Geschichte der Störche im Ort informiert. Die zahlreichen Cafés und Gasthäuser auf der Strecke hoffen so auf mehr Gäste.

„Es ist gut, wenn Menschen sich für Störche interessieren und sie besuchen, denn Störche sind Indikator für eine einigermaßen intakte Umwelt”, sagt Hans- Jürgen Behrmann, Storchenbeauftragter in den niedersächsischen Landkreisen Gifhorn und Celle. Hundebesitzer sollten allerdings ihre Vierbeiner nicht dort frei rumlaufen lassen, wo sich Störche aufhalten. Ein anderes Problem ist laut Behrmann gravierender: „Landwirte lassen immer weniger Flächen brachliegen, sondern bauen vor allem Mais an, der dann für die Energiegewinnung genutzt wird. Da sie auch immer weniger Vieh halten, nehmen die offenen Weidelandschaften ab, wo Störche ihre Nahrung finden.“ Das brandenburgische Rühstädt ist das beste Beispiel, wie Störche den Tourismus ankurbeln können. Seit 1996 trägt die 250-Seelen-Gemeinde den Titel „Europäisches Storchendorf“. Mit 78 Jungtieren, die alleine im vergangenen Jahr in Rühstädt geboren wurden, ist der kleine Ort unbestritten die deutsche Storchenhochburg. „ Den Störchen macht der Menschenansturm nichts aus, und für uns Einwohner sind die Besucher ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt Brigitte Blum vom Storchenclub Rühstädt, der an diesem Wochenende das jährliche Storchenfest mit Tausenden von Gästen sowie den Schlagerstars Achim Menzel und Cindy und Bert feiert.

Brandenburg ist heute mit rund 1200 Paaren das Bundesland mit den meisten Störchen, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern. Richtung Westen nimmt ihre Zahl immer mehr ab. In den Niederlanden gibt es heute kaum noch Störche.

Joachim Göres

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben