Wattenmeer : Frag’ nach beim Muschelfischer

Das Wattenmeer soll Weltnaturerbe werden. Experten prüfen die Bewerbung im langwierigen Prozess. Entschieden wird im Juni 2009.

Corinna Laubach[ddp]
241855_3_xio-fcmsimage-20081128155114-006004-49300562ad5da.heprodimagesfotos812220081130wattenmeer.jpeg
Faszination Wattenmeer. Foto: Kaiser

Das Wattenmeer könnte bald in einem Atemzug mit Naturwundern wie dem Serengeti-Park in Tansania, dem Great Barrier Reef in Australien und dem Grand Canyon in den USA genannt werden. Die Chancen, dass dieses einzigartige Gebiet an der Nordseeküste auf die Weltnaturerbeliste kommt, sind gut. „Es gibt hier von allen Seiten ein sehr hohes Bekenntnis zur Natur und zum Naturschutz“, sagt Pedro Rosabal, Experte für Klimatologie und Landschaftsökologie der Internationalen Naturschutzorganisation (IUCN).

Elf Tage lang war der Kubaner im Auftrag der Unesco unterwegs, um die Naturlandschaft zwischen Holland und Schleswig-Holstein zu begutachten. Schließlich ist es der Wunsch der deutschen und der niederländischen Regierung, das weltweit größte zusammenhängende System aus Sand- und Schlickwatten in den Rang eines Weltnaturerbes zu erheben. Das Wattenmeer wäre damit zugleich die erste deutsche Naturlandschaft, die diese prestigeträchtige Auszeichnung erhielte.

Mehr als 100 Gesprächspartner standen auf Rosabals Liste, vom Landrat bis zum Muschelfischer. Ziel seiner Reise sei es auch gewesen, zu erfahren, wie die Küstenbewohner zum Watt und zur Bewerbung stehen, sagt Rosabal zum Abschluss seiner Tour im Wilhemshavener Wattenmeersekretariat. Es habe ihn positiv überrascht, dass alle an einem Strang zögen und sich der Region, dem Watt und dessen Erhalt sehr verbunden fühlten, sagt der IUCN-Vertreter. Es sei „keineswegs eine Bewerbung der oberen Instanzen“.

Während seines Aufenthalts habe er die Einzigartigkeit der Landschaft als ökologischen Lebensraum erkennen können. „Ich war sehr überrascht zu sehen, wie schnell hier die Natur auf eingeleitete Schutzmaßnahmen reagiert hat“, sagt Rosabal und verweist insbesondere auf die stabile Seehundepopulation.

Das Gesamtgebiet des Wattenmeers erstreckt sich über nahezu eine Million Hektar. „Ein zusammenhängendes Küstenwatt in dieser Größe mit vorgelagerten Inseln ist einzigartig“, sagt Jens Enemark, Leiter des Wilhelmshavener Wattenmeersekretariats. Die Anerkennung des Wattenmeeres als Weltkulturerbe wäre „ein Ritterschlag“, glaubt Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD). Die Auszeichnung würde zugleich die nationalen Schutzanstrengungen belohnen.

Der Prozess, um auf die begehrte Aufnahmeliste zu gelangen, ist langwierig und äußerst komplex. Experte Rosabal wird sich nach seiner Rückkehr in die Schweizer Zentrale des IUCN an den Auswertungsbericht der Reise setzen. Zwar dürften die Beobachtungen und Erkenntnisse des Kubaners durchaus ins Gewicht fallen, eine einsame Entscheidung wird es aber nicht geben. „Meine persönlichen Eindrücke sind irrelevant“, sagt er. Mindestens 35 weitere unabhängige Experten prüfen im Namen der Unesco die Wattenmeer-Bewerbung, bevor die Weltnaturerbe-Kommission im kommenden Juni in Sevilla endgültig entscheidet. Corinna Laubach,ddp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben