Weltreise : Eine runde Sache

"Around the World" - "Um-die-Welt-Flugtickets“ sind für reisefreudige Aussteiger auf Zeit die erste Wahl.

Gerd W. Seidemann
260885_0_10455283.jpg
Sehnsuchtsstadt San Francisco. Reisende mit beschränktem Budget müssen jedoch aufpassen: Billig ist woanders. -Foto: gms

War es nicht Karel Gott? „Einmal um die ganze Welt, und die Taschen voller Geld…“ Ja, die „goldene Stimme aus Prag“ sang bereits 1970 von dem Traum, den so mancher auch heute noch hat. Prinzipiell ist das überhaupt kein Problem: Mit Rundum-Sorglos-Paketen ermöglichen Veranstalter den organisierten, in der Regel hurtigen Trip um den Erdball. Das hat seinen Preis – und mit Reisen im Sinne von „die Welt entdecken“ auch nur am Rande zu tun. Wahre Globetrotter, oft finanziell weniger gut ausgestattete Individualisten, begeben sich bestenfalls für „Round-the- World-Flugtickets“, sogenannte RTWs, ins Reisebüro und nehmen alles andere selbst in die Hand. Vor einer Weltreise auf eigene Faust hat die herbe Wirklichkeit allerdings ein paar Hürden aufgebaut. Keine unüberwindlichen, doch einiges muss man schon bedenken, wenn so ein Trip einigermaßen Sinn ergeben soll.

Zunächst einmal muss Zeit her. Wenigstens acht Wochen, sagen erfahrene Globetrotter, besser natürlich, wenn sich jemand gleich ein ganzes Jahr Zeit nehmen kann. Die Welt ist schließlich groß. Als weitere Zutaten nehme man je eine Portion Mut und Improvisationstalent, damit losgelöst von vertrauten Sprachen, Gebräuchen und der Leine eines Veranstalters auch alles gut geht. Tja leider, etwas Geld ist außerdem nötig, wenn auch – bei entsprechender Beschränkung – die Taschen nicht eben zum Bersten voll sein müssen.

In Zeiten wie diesen fällt es nicht jedem leicht, ein Reisebudget von rund 5000 Euro und mehr aus dem Ärmel zu schütteln. Schon gar nicht der Gruppe, die es sich erfahrungsgemäß zeitlich am ehesten noch leisten kann, für länger aus dem Alltag auszuscheren. „Es sind vor allem die 20- bis 35-Jährigen, die sich den Traum einer ausgedehnten Weltreise erfüllen wollen, bevor sie voll ins Berufsleben einsteigen und/oder eine Familie gründen“, sagt Norbert Lüdtke, 1. Vorsitzender der Deutschen Zentrale für Globetrotter (dzg). „Neben den ganz Jungen waren es früher öfter die, die zwischen einem Jobwechsel eine Auszeit nahmen oder während eines Sabbatjahres auf Tour gingen. Das hat jedoch angesichts der wirtschaftlichen Großwetterlage abgenommen.“ Welche Form des Reisens für wen infrage kommt, hänge letztlich von der Persönlichkeit ab, sagt Lüdtke. Wenn das Sicherheitsbedürfnis stärker sei als die Neugier, werde die Wahl wohl eher auf ein Pauschalangebot fallen.

Die Auswahl bei den Veranstaltern ist groß. Nur ein Beispiel: Windrose Fernreisen etwa bietet die Welt in 28 Tagen an, Termin nach Wunsch. Erste Station ist Südamerika mit Rio, Buenos Aires, Santiago und der Osterinsel, über die Südsee geht es weiter nach Neuseeland und Australien, von dort über Bali und Hongkong zurück nach Deutschland. Das ist alles wohl organisiert – und hat seinen Preis: ab 22 760 Euro. Doch Vorsicht, bei allem Luxus sind auch diese Trips keine Entspannungstouren.

Günstiger und spannender, jedoch meist noch weniger erholsam wird es für Weltenbummler, die selbst organisieren. Sie müssen sich darauf einstellen, wenig Muße zu finden, weil sie sich um alles selbst kümmern müssen, sagt Norbert Lüdtke. „Reisen ist ein Schritt aus der Bequemlichkeitszone heraus.“ Ob selbst geplant oder pauschal – billig ist die Erdumrundung in keinem Fall. „Das Teuerste ist immer, von A nach B zu kommen“, warnt Lüdtke. Gerade bei einer Weltreise fließe sehr viel Geld in die Verkehrsmittel. Deshalb sei es sinnvoll, sich für eine Erdhalbkugel zu entscheiden, denn ein Wechsel zwischen Nord und Süd sei teuer und zeitfressend. Für das Bewältigen langer Strecken bietet sich immer das Flugzeug als günstigste Variante an. Die „RTWs“ der großen Airline-Verbünde wie Star Alliance oder One World dürften hier erste Wahl sein (siehe Kasten).

Die Reisekosten relativieren sich jedoch bei vielen. „Zu Hause braucht man ja auch Geld. Wer ein Jahr weg ist, kann etwa seine Wohnung vermieten, das Auto oder Abos abmelden, Versicherungen ruhen lassen. Da kommt schon was zusammen“, sagt der dzg-Vorsitzende.

So gesehen werde eine Reise auch relativ günstiger, je länger man unterwegs sei, glaubt Lüdtke, der selbst schon ausgedehnte Reisen unternommen hat. „An manchen Orten findet man auch erst nach zwei, drei Tagen heraus, wo es eine günstige Übernachtung gibt“, weiß er. Auch hänge die Kostenfrage stark von den bereisten Ländern ab. „In Indien oder Thailand kann der Globetrotter für zehn Euro ein ordentliches Bett finden. In Singapur oder den USA wird der Aufenthalt doch erheblich teurer.“

Das Spannende am Reisen sei vor allem, nicht zu wissen, was auf einen zukomme. Lüdtke rät: Nicht im Kampf gegen Uhr und Terminkalender reisen.

„…viele fremde Länder sehn, auf dem Mond spazieren gehn…“, legte Karel Gott seinem Publikum nahe. Nun, das mit dem Mond kann man ja vielleicht doch noch zurückstellen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar