Wildtiere : Lieber in Deckung gehen

Urlaubsbekanntschaften in der freien Wildbahn können gefährlich werden. Nicht nur in fernen Ländern sollte man die Augen offen halten.

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Er will nicht spielen. Was auf diesen Eber zutrifft, gilt generell für Tiere in freier Wildbahn.
Er will nicht spielen. Was auf diesen Eber zutrifft, gilt generell für Tiere in freier Wildbahn.Foto: imago/blickwinkel

Salzwasserkrokodile, die in Australien Menschen fressen, Löwen, die in Afrika in Safaricamps eindringen, Grizzlys, die in Nordamerika Wanderer töten – meist liegt der Ort des Geschehens fernab von Europa, wenn Touristen für unvorhergesehene Begegnungen mit Wildtieren mit dem Leben bezahlen.

Doch auch in Europa kommt es immer wieder zu fatalen Zusammenstößen zwischen Mensch und Tier. Mal ist es Unwissenheit oder das Ignorieren von Verhaltensregeln, mal Übermut, was Wanderer oder Abenteuertouristen ins Verderben lockt. Oder das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Die Palette an europäischer Fauna, die dem Menschen in der Natur gefährlich werden kann, reicht von hochgiftigen Schlangen bis zu Bären.

Beispiel Schlangen. Mitteleuropas giftigstes Reptil ist die Aspis-Viper. In Deutschland kommt sie nur in Teilen des Südschwarzwaldes vor, in den Schweizer Alpen ist sie weitverbreitet. 2013 starb in Südfrankreich ein deutscher Schlangendompteur an Bissen der Viper während einer Show, die den Zuschauern die Angst vor Schlangen nehmen sollte.

2004 starb eine 81-jährige Frau auf Rügen nach einem Biss einer Viper

Schwächer ist das Gift der in fast ganz Europa heimischen Kreuzotter. Todesfälle sind rar. In Osteuropa wird auf dem Lande oft versucht, Bisse durch den Konsum von reichlich Wodka zu kurieren. In Deutschland gab es seit 1959 ein Todesopfer durch den Biss dieser gezackten Viper. 2004 starb eine 81-jährige Frau auf Rügen nach einem Biss.

Für Urlauber in Europa gilt: Je weiter südlich, desto gefährlicher die Schlangenarten. Europas am meisten gefürchtetes Reptil ist die auf Zypern heimische Levanteotter, deren Biss unbehandelt in jedem dritten Fall zum Tod führt, oft auch zur Amputation. Früher trugen Zyperns Bauern auf den Feldern der Macchie hüfthohe Lederstiefel zum Schutz gegen die Bodenviper. Wanderer können ihr heute im Troodos-Gebirge begegnen und sollten – wie überall, wo Giftschlangen sind – fest auftreten und beim Klettern nicht blindlings in Felsspalten fassen.

Heimat mehrerer Vipernarten sind – neben der Türkei – die Balkanländer. Das Urlaubsland Kroatien wartet zum Beispiel mit Kreuzotter, Wiesenotter und der in seltenen Fällen für den Menschen tödlichen Sandotter auf. Zwar fliehen fast alle Reptilien bei Gefahr, im Falle einer unglücklichen Kollision können aber knöchelhohe Wanderstiefel und Fußball- Schienbeinschoner den Unterschied ausmachen.

Brennpunkt für Todesfälle durch Bären ist die Karpatenstadt Brasow

Gegen einen anderen Bewohner Kroatiens hilft gutes Schuhwerk nicht: den Braunbär. In Kroatiens Bergen leben rund 800, im waldreichen Bosnien-Herzegowina gleich 2800. Noch mehr Bären gibt es in Europa nur in Russland und Rumänien.

Todesfälle durch Bären gibt es auf dem Balkan hin und wieder. Ein Brennpunkt ist die Karpatenstadt Brasow. Aus dem direkt angrenzenden Wald dringen dort nachts Bären im Stadtteil Racadau zu den Müllcontainern vor und durchstöbern sie nach Lebensmitteln – ein Spektakel, das laufend Touristen anlockt. Das vorerst letzte Todesopfer war ein betrunkener Anwohner. Fachleute raten Wanderern, bei Kontakt mit Meister Petz Lärm zu machen, den Tieren nicht in die Augen zu sehen und – wenn ein Angriff erfolgt – sich auf den Bauch zu legen und tot zu stellen.

Riskant sind vor allem Begegnungen mit Bärinnen, die Junge mit sich führen – oder wenn ein Hund dabei ist, denn den betrachtet eine Bärin als Wolf, der ihre Jungen reißen will. Doch auch Kühe mit Kälbern können in ihrem Mutterinstinkt gefährlich werden. Vergangenen Freitag wurde eine Wanderin aus Berlin ist in der Schweiz von Kühen zu Tode getrampelt. Die 77 Jahre alte Berlinerin wollte tation zwischen einer eingezäunten Herde durchspazieren. Am Wanderweg rund um die Alpweide warnten Schilder davor, den Mutterkühen zu nahe zu kommen. 

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